Es hätte ein Grund zur Freude sein können, als die Landesregierung vergangene Woche erste Lockerungen für sportliche Aktivitäten bekannt gab. Für den Turnverein St. Georgen ist es damit aber nicht einfacher geworden, den eigenen Betrieb wieder hochzufahren, im Gegenteil. „Gerade was den Außensport angeht, hatten wir uns mehr erhofft“, sagt der Vereinsvorsitzende, Gerhard Mengesdorf. Zwar seien nun Sportarten wie Leichtathletik, Einzeltennis, Golf oder Reiten wieder möglich, aber sobald man Gruppen zusammenbringen müsse, werde es schwierig.

Auch der Tanz gehört ins Portfolio des Turnvereins, dessen rund 100 jugendliche Tänzer das jährlich beim Showtanz-Wettbewerb unter Beweis stellen.
Auch der Tanz gehört ins Portfolio des Turnvereins, dessen rund 100 jugendliche Tänzer das jährlich beim Showtanz-Wettbewerb unter Beweis stellen. | Bild: Sprich, Roland

So dürfen sich auf einem Spielfeld von 1000 Quadratmetern nur fünf Personen aufhalten, „das reicht bei einem Abstand von anderthalb Metern nur für ein wenig Gymnastik“, so Mengesdorf. Viel besser wäre es gewesen, wenn die Corona-Verordnung vorgeben würde, wie ein Sport betrieben werden dürfte, und nicht welcher. „Dann wäre etwa auch Tischtennis möglich, das zwar drinnen stattfindet, aber man naturgemäß schon den nötigen Sicherheitsabstand einhält.“

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So jedoch bietet sich auch beim Turnverein dasselbe Bild, wie bei den meisten anderen Gemeinschaften, wie Mengesdorf sagt: „Das Vereinsleben ist derzeit geprägt durch die Einschränkungen. Und je länger sie andauern, desto bitterer sind sie, weil nicht nur der Sportbetrieb vollständig eingestellt ist, sondern auch die persönlichen Kontakte fehlen.“ Mit den jetzigen Corona-Maßnahmen, die Mannschaftssportarten wie Handball, Volleyball oder auch das Kinderturnen untersagen, habe man die Befürchtung, im Laufe der Zeit die Leute zu verlieren. „Es wird uns Jahre kosten, einmal verlorene Mitglieder wieder zurückzugewinnen“, betont er. Die finanzielle Situation könne man aber bis Ende des Jahres durchstehen, wenn die Leute im Verein bleiben.

Der Vorsitzende des Turnvereins, Gerhard Mengesdorf, gehört wegen seiner Funktion und auch durch Auftritte wie hier bei der Fasnet als „Bergstadtgoscher“ zu den bekanntesten Persönlichkeiten in St. Georgen.
Der Vorsitzende des Turnvereins, Gerhard Mengesdorf, gehört wegen seiner Funktion und auch durch Auftritte wie hier bei der Fasnet als „Bergstadtgoscher“ zu den bekanntesten Persönlichkeiten in St. Georgen. | Bild: Sprich, Roland

Dass ihm gerade die Mannschaftssportarten so am Herzen liegen, ist auch im persönlichen Werdegang von Mengesdorf begründet. Als er selbst als begeisterter Volleyball-Spieler zum Turnverein stieß, gab es für diesen Sport noch gar keine eigene Abteilung. Er gründete sie kurzerhand selbst mit einigen Kollegen und ging dann „die klassische Ehrenamtskarriere“, wie er es nennt. So wurde er nicht nur Vorsitzender des Turnvereins selbst, sondern auch des Badischen Turnerbundes. „Durch meine berufliche Tätigkeit als Lehrer konnte ich mir auch immer Freiräume schaffen für die Vereinsarbeit“, erzählt er. Und auch wenn er jetzt längst in Rente sei, erfülle die Arbeit im Verein immer noch ein Grundbedürfnis: „Sie gibt mir auch im Alter noch das Gefühl, gebraucht zu werden und etwas bewegen zu können.“

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Entsprechend seien auch die Senioren im Turnverein in diesen Zeiten nicht vergessen worden, wie Mengesdorf anfügt. Für sie habe man ein kleines Merkblatt mit einigen Übungen für zu Hause gestaltet und einen Einkaufsdienst eingerichtet. Insgesamt bemüht sich der Turnverein, langsam wieder den Betrieb aufzunehmen, wo das bereits möglich ist. Das gelte auch für den jährlichen Vereinsabend im November in der Stadthalle. Solche Veranstaltungen sind für ihn maßgeblich, um im Verein auch über die Abteilungen hinweg ein Gemeinschaftsgefühl zu schaffen. „Wir hoffen deshalb, dass dieser dann stattfinden kann“, sagt Mengesdorf, „aber im Augenblick ist es sinnlos, über einen Zeitraum von zwei Wochen hinaus zu planen.“

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