Es ist eine lange, schon fast unendliche Geschichte, die weit in den Himmel über St. Georgen hinausragt: Der an der Westfassade beschädigte Kirchturm der katholischen Kirchengemeinde St. Georg.

Alles hat mit einem lauten Knall am Abend des 26. Februar 2008 begonnen, als Teile der Fassade des Kirchturms samt Zifferblatt der Turmuhr mit lautem Getöse abstürzten.

Niemand ist dabei zu Schaden gekommen, doch der Schrecken saß tief. Weit über die Grenzen von St. Georgen hinaus bekam St. Georgen mit dem Kirchturm große Aufmerksamkeit.

Die notwendige Reparatur des Zifferblattes und die aufwändige Sanierung der Klinkerfassade wurden im Herbst 2008 abgeschlossen. Das Zifferblatt zeigte weithin sichtbar die Zeit an und alles schien soweit in Ordnung zu sein. Die Freude an der Sanierung währte nicht lange.

Einigung vor Gericht

Schon wenige Monate danach zeigten sich an der Fassade weiße Flecken. Als Ursache stellte sich heraus, dass Wasser durch undichte Fugen zwischen Klinker und Betonwand gelangt und die Schwarzwälder Witterungsverhältnisse, besonders im Winter, sich auswirken.

Alles Suchen nach einer Lösung führte jedoch nicht zum Erfolg. Daraufhin wurde eine Klage beim Landgericht Konstanz eingeleitet, die sich nun über sechs Jahre hingezogen hat. Im Gespräch mit Pfarrer Harald Dörflinger wird bekannt, dass der Rechtsstreit mit einem Vergleich abgeschlossen wurde. Er betont, dass keine zusätzlichen Kosten damit verbunden sind. Denn die mit 730.000 Euro veranschlagte, erneute Turmsanierung ist unbedingt notwendig.

Problem seit Oktober verschärft

Noch deutlicher wurde das im Herbst des vergangenen Jahres. Sturm Ignatz beschädigte im Oktober 2021 den Turm. Die Folge: Ein großflächiger Klinkerabsturz im Zifferblattbereich. Eigentlich wurde vereinbart, das mir der Sanierung spätestens im Juni 2022 begonnen werden soll.

Die katholische Kirche im Zentrum St. Georgens stellt sich als ein markantes Gebäude heraus.
Die katholische Kirche im Zentrum St. Georgens stellt sich als ein markantes Gebäude heraus. | Bild: Werner Müller

„Wir planen weiter, das Architekturbüro soll weiterarbeiten, denn es werden Ausschreibungen notwendig“, erklärt Dörflinger. Inzwischen wird davon ausgegangen, dass der Beginn im nächsten Jahr liegt. Es ist auch Gefahr im Verzug, niemand weiß, was am Turm noch passieren kann. Ob der Preis gehalten werden könne, hänge auch von den aktuellen Preisentwicklungen ab.

Allerdings spielt beim Preis auch die Art der neuen Fassade eine Rolle. Muster dazu wurden dem Pfarrgemeinderat und der Kirchengemeinde vorgelegt. Mit der Neugestaltung der Fassade auf zwei Turmseiten (West- und Ostseite) ist der Beton dann so gedeckt, dass er Witterungsschwankungen im Schwarzwald standhält.

Hohe Temperaturschwankungen

Kaum zu glauben sind die täglichen Temperaturschwankungen, welche im Jahresverlauf durchaus über 100 Grad Celsius täglich schwanken können, so Pfarrer Dörflinger. Es wurde auch erkannt, dass Kondenswasser eine der hauptsächlichen Schadensverursachung war.

Pfarrer Harald Dörflinger wartet wie der Pfarrgemeinderat und die Bevölkerung auf den Sanierungsbeginn am Kirchturm.
Pfarrer Harald Dörflinger wartet wie der Pfarrgemeinderat und die Bevölkerung auf den Sanierungsbeginn am Kirchturm. | Bild: Werner Mueller

So werde der Turm nun in eine umschließende Schale gelegt. Die Stiftungsräte Thomas Eisele und Jochen Schultheiß haben sich gemeinsam mit dem Pfarrgemeinderat in den zurückliegenden Jahren intensiv mit der Thematik befasst, sagt Harald Dörflinger.

Eigentlich sollten die Sanierungsmaßnahmen bis Juni 2022 begonnen sein, doch bisher hat sich noch nichts getan. Als Grund hierfür nennt Harald Dörflinger die noch nicht genehmigte Finanzierung der Maßnahme. Das Ordinariat muss abschließende Zuschusszuwendungen prüfen.

Die Frage nach Material

Schwierig sei auch die Garantie, das erforderliche Material zu bekommen. So sagt Pfarrer Dörflinger zuversichtlich: „Freiburg hat gute Gründe zur Finanzierung. Und der Kontakt nach Freiburg ist eng.“