Die aus St. Georgen stammende Tennisspielerin Susi Fortun-Lohrmann hat bei den Tennis-Weltmeisterschaften der sogenannten Young Seniors in Kroatien abgeräumt und eine Gold- und zwei Silbermedaillen gewonnen. Zudem steht die ehemalige Profi-Tennisspielerin jetzt an Platz eins der Weltrangliste ihrer Altersklasse.

Jetzt auf Rang 1 in ihrer Altersklasse

„Wir dürfen uns jetzt tatsächlich Weltmeister nennen“, kann Susi Fortun-Lohrmann es auch Tage nach der Rückkehr aus Kroatien kaum fassen, dass sie mit dem Damenteam 45 die Goldmedaille gewonnen hat. Dabei holte sie sowohl im Halbfinale gegen Spanien und im Finale gegen das Team aus Frankreich jeweils den entscheidenden Punkt.

Zum 75-jährigen Bestehen des Tennisclubs St. Georgen 1998 lieferte Susi Fortun-Lohrmann einen Schaukampf auf den Tennisplätzen, auf denen sie als Sechsjährige die ersten Ballkontakte hatte.
Zum 75-jährigen Bestehen des Tennisclubs St. Georgen 1998 lieferte Susi Fortun-Lohrmann einen Schaukampf auf den Tennisplätzen, auf denen sie als Sechsjährige die ersten Ballkontakte hatte. | Bild: Fortun-Lohrmann

Neben der Mannschaft nahm Fortun-Lohrmann auch an den Einzel-(Damen AK 45) und an den Doppel-(Damen AK 40)-Weltmeisterschaften teil. Im Doppel schlitterten die Damen dabei haarscharf an der Goldmedaille vorbei und gewannen Silber. Und auch im Einzel verpasste Fortun-Lohrmann das goldene Edelmetall knapp und unterlag einer starken Gegnerin aus Slowenien. Dennoch erreichte sie mit dem zweiten Platz wertvolle Punkte, die sie von Platz drei auf Platz eins der Weltrangliste der Damen ab 45 Jahren brachten.

Karriere begann beim TC St. Georgen

Mit der Ausbeute von einer Gold- und zwei Silbermedaillen ist Susi Fortun-Lohrmann höchst zufrieden. „Ich bin sehr froh, dass ich an den Weltmeisterschaften teilnehmen konnte und durch den Deutschen Tennisbund für das Team nominiert wurde – und gleich mit drei Medaillen nach Hause kehren konnte“, so die 48-Jährige, die die zweiwöchige WM-Reise nach Kroatien im September samt Ehemann Martin und ihrem achtjährigen Sohn Jonas unternahm.

Susi Fortun-Lohrmann im Alter von 12 Jahren im Garten des Elternhauses in St. Georgen.
Susi Fortun-Lohrmann im Alter von 12 Jahren im Garten des Elternhauses in St. Georgen. | Bild: Fortun-Lohrmann

Der Grundstein für ihre Tennis-Profi-Karriere wurde beim Tennisclub in St. Georgen gelegt. Schon im Alter von sechs Jahren stand sie auf dem Platz und schlug die ersten Bälle über das Netz. „Meine Eltern haben Tennis gespielt. Und wenn sie auf dem Platz waren, durfte ich die letzten paar Minuten auch immer ein paar Bälle über das Netz spielen“, erinnert sich Susi Fortun-Lohrmann. Auch habe ihr Vater Jan, der beim TC St. Georgen Übungsleiter war, ihr erste Trainingseinheiten gegeben.

„Meine Mutter hat mich damals drei Mal pro Woche nach der Schule zum Training nach Stuttgart gefahren.“
Susi Fortun-Lohrmann

Später wechselte Susi Fortun-Lohrmann zum Tennisclub Schwenningen und wurde als Zwölfjährige württembergische Meisterin. Daraufhin wurde der TEC Waldau-Stuttgart auf das junge Talent aufmerksam und holte die damals 13-Jährige ins Team. „Meine Mutter hat mich damals drei Mal pro Woche nach der Schule zum Training nach Stuttgart gefahren“, ist Susi ihrer Mutter Marlene bis heute dankbar, dass sie die Anstrengungen damals auf sich genommen hat.

Einige Jahre als Profi unterwegs

Nach dem Abitur am Thomas-Strittmatter-Gymnasium entschied sich Susi Lohrmann für eine Profi-Karriere als Tennisspielerin. Sie verlegte ihren Lebensmittelpunkt aus dem beschaulichen St. Georgen nach Stuttgart, wo sie weiterhin für den TEC Waldau und dort auch in der Bundesliga spielte. Dreieinhalb Jahre reiste sie als Tennisprofi um die Welt. Asien, Amerika, Europa und Russland. „Das war eine schöne Zeit, ich konnte dort sehr viel Lebenserfahrung sammeln“, erinnert sie sich gerne zurück.

Höchst konzentriert am Netz. Susi Lohrmann im Alter von 13 Jahren.
Höchst konzentriert am Netz. Susi Lohrmann im Alter von 13 Jahren. | Bild: Fortun-Lohrmann

Nach dreieinhalb Jahren beendete sie ihre Profikarriere und begann ein Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Uni Hohenheim, das sie als Diplom-Ökonomin abschloss. Heute arbeitet sie bei einem Zuffenhausener Sportwagenhersteller als Projekt- und Prozessmanagerin. Die Freude am Tennissport ist ihr bis heute jedoch geblieben. Auch die sportliche Leistung hat sie immer aufrecht erhalten. Beim TC Leonberg spielt sie in der Regionalliga.

Die Teilnahme an einer Tennis-Weltmeisterschaft, die jedes Jahr ab der Altersklasse 35 ausgetragen wird, hat Susi Fortun-Lohrmann, die mit Martin Fortun, ebenfalls einem erfolgreichen Tennisspieler, verheiratet ist und einen achtjährigen Sohn hat, bislang aus familiären und beruflichen Gründen abgelehnt. „Die Weltmeisterschaften fanden meist in Australien oder Amerika statt.“ Dass die WM 2021 in Kroatien stattfand, hat sich als Glücksfall herausgestellt. Vom Deutschen Tennisbund wurde sie für das Damenteam nominiert. Susi Fortun-Lohrmann konnte ihren Wunsch, eine WM-Teilnahme gemeinsam mit der Familie, verwirklichen.

Bis heute mit St. Georgen verbunden

Wenngleich Susi Fortun-Lohrmann ihren Lebensmitteilpunkt seit vielen Jahren in der Landeshauptstadt hat, so ist sie mit St. Georgen bis heute eng verbunden. „Ich besuche regelmäßig meine Eltern, die in St. Georgen leben. Und ich gehe sehr gerne hier einkaufen. Weil hier die Mitarbeiter in den Geschäften entspannter und freundlicher sind, ganz anders als in Stuttgart“, sagt sie. Auch zu ehemaligen Schulfreunden hält sie bis heute Kontakt. „Und neulich bin ich sogar mal wieder an die Tennisplätze gefahren, um zu sehen, was sich alles verändert hat“, verrät sie und betont, dass sie bis heute nicht vergessen hat, wo einst der Grundstein für ihre Tenniskarriere gelegt wurde.