Der Geschäftsbereich Automotive kommt nicht in die Gewinnzone, die Geschäftsleitung kündigt einen Maßnahmenkatalog an. Gespräche mit Arbeitnehmervertretung laufen bereits.

Ein Wachstumsbringer entwickelt sich bei ebm-papst zum Sorgenkind: Der Geschäftsbereich Automotive sorgt seit Jahren für einen beachtlichen Umsatz, doch ein Gewinn steht hinter diesem Geschäftszweig nicht. Im Gegenteil: Noch bevor die – vermutlich ebenfalls negativen – Zahlen für das Geschäftsjahr 2017/18 vorliegen, warnt die Geschäftsleitung vor einem hohen Verlust für das Geschäftsfeld Automotive im nächsten Geschäftsjahr. Gegensteuern sei unumgänglich, doch braucht dies offenbar Zeit.

Die Problematik wurde bei Informationsveranstaltungen den Mitarbeitern an den Standorten St. Georgen und Herbolzheim dargestellt. „Unser Ziel ist es, ebm-papst St. Georgen zusammenzuhalten und nicht an die Belegschaft zu gehen“, sagte gestern Johannes Pfeffer, als Sprecher der Geschäftsführung von ebm-papst St. Georgen seit drei Monaten im Amt. Nicht sprechen könne er derzeit darüber, ob zu den anvisierten Lösungen Gehaltseinbußen der Belegschaft gehören werden. Man sei mit Vorschlägen auf die Arbeitnehmervertretung zugegangen und sei in Gesprächen.

Der Bereich Automotive, die der Automobiltechnik zugeordnete Produktpalette, ist am Standort St. Georgen, der die Werke in St. Georgen und Herbolzheim umfasst, ein Schwergewicht im doppelten Sinn. Er erwirtschaftet die Hälfte des Standort-Umsatzes und bindet die Hälfte der 1600 Mitarbeiter. Die Entwicklung ist derart defizitär, dass die Bereiche Industrielle Lufttechnik und Industrielle Antriebstechnik kein Gegengewicht darstellen können. Die Gesellschafter verlören die Geduld mit einem Geschäft ohne Kapitalrückfluss in absehbarer Zeit, räumte Johannes Pfeffer ein.

Die Probleme seien einem hochkomplexen Bereich geschuldet. Automotive verzeihe keine Fehler und berge die Gefahr, schnell viel Geld draufzulegen. Dabei laufe die Produktion, die Stückzahlen seien signifkant, die Nachfrage groß. Allerdings seien Automatisierungen und Rationalisierungen noch nicht so ausgerichtet, dass man Geld verdiene, verdeutlichte Pfeffer die Diskrepanz. Man habe die Dauer der Anlaufphase offenbar unterschätzt und – erschwerend – in der Vergangenheit nachteilige Verträge geschlossen.

Deshalb finde das ungebremste, aber auch unprofitable Wachstum nun ein Ende. „Wir wollen als Geschäftsführung proaktiv und präventiv Schaden abwenden“, so Pfeffer. Deshalb sei eine schnelle und zügige Wende unabdingbar. Hinterfragt werden Vorhaben und Investitionen. Während der Neubau im Hagenmoos im Wesentlichen abgeschlossen sei, werde die Neustrukturierung der Hauptverwaltung in St. Georgen aufgeschoben. Die Investition in Produktionsflächen in Herbolzheim werde zu einem sinnvollen Stand gebracht.

Der finanzielle Teil der Strategie umfasst mit Gesprächen mit Kunden und Lieferanten, Investitionsreduzierungen und Ausgabenkürzungen den Bereich Automotive. Ein Gesamt-Verbesserungsprojekt unter dem Namen „Kompass V“ wird für den gesamten Standort entwickelt. Hier gehe es um Unternehmenskultur, die organisatorische Seite oder Zusammenarbeit. Das könne zunächst schmerzhaft und belastend sein, helfe aber mittelfristig, gesunde Einheiten fit zu halten.

In Herbolzheim liegt der Schwerpunkt des Geschäftsfeldes Automotive. Hier werden etwa AdBlue-Pumpen zur Stickoxidreduktion oder Antriebe zur Lenkunterstützung produziert, hier liegen die künftigen Herausforderungen. Dennoch werde man die Belegschaften in St. Georgen und Herbolzheim nicht auseinander dividieren, zumal auch eine Trennung der Geschäftsbereiche, etwa in den Zentralfunktionen, schwierig sei. „Wir glauben, dass es die Einheit insgesamt schafft“, so Pfeffer. Dabei werde der Maßnahmenkatalog von Belegschaft, Betriebsrat und Führungskräften getragen.

 

Die Gruppe

ebm-papst ist weltweit führender Hersteller von Ventilatoren und Motoren. Hauptsitz ist in Mulfingen. Im Geschäftsjahr 2016/17 stand für die Gruppe ein Umsatz von 1,9 Milliarden n Euro zu Buche. ebm-papst St. Georgen trug 397 Millionen Euro Umsatz bei. Zum Standort St. Georgen gehört rechtlich auch Herbolzheim. Organisatorisch ist Lauf mit 300 Mitarbeitern angegliedert. (wur)