Das Werk: Seit einem Jahr werden im Hagenmoos Produkte im Bereich der Leiterplattenbestückung hergestellt, im zweiten Bauabschnitt werden künftig Antriebsmotoren für die industrielle Antriebstechnik hergestellt. Dies so, Geschäftsführer Raymond Engelbrecht, sei der künftige Kernbereich in St. Georgen. Hier werden 350 Mitarbeiter beschäftigt. Das Werk besitze Erweiterungspotenzial, weitere Investitionspläne lägen nicht vor. Das werde die Geschäftsentwicklung zeigen, sagte Gruppengeschäftsführer Stefan Brandl. "Wir haben ambitionierte Pläne". Insbesondere mit einer raffinierten Eisspeicherlösung, die als zentrale Wärme- und Kältequelle fungiert, werde der Greentech-Umweltanspruch fortgesetzt. Wo ein Werk nach neuesten Standards errichtet wurde, gibt es auch "optimale Arbeitsbedingungen für unsere Mitarbeiter", so Produktionsgeschäftsführer Thomas Wagner. Für ihn sei es ein Traum, um den Produktionsprozess herum ein Gebäude entwickeln zu dürfen. Nachdem man es jahrzehntelang im Dualgebäude auf mehreren Etagen hinbekommen habe – mit allen Konsequenzen für die Material- und Personentransport – werde nun ein Meilenstein umgesetzt, aber auch gewachsene Strukturen aufgebrochen.

ebm-papst St.Georgen: Die Einweihung in St. Georgen, die kürzlich erfolgte Grundsteinlegung in Herbolzheim, eine ausstehende Grundsteinlegung in Lauf und im Frühjahr die Eröffnung des Standorts in Oradea/Rumänien: Die Tochter St. Georgen wächst. Dabei sind Spezialisierungen vorgesehen. In St. Georgen wird die industrielle Antriebstechnik vorangetrieben, in Herbolzheim ist es der Kernbereich Automotive, in Lauf entsteht ein neues Getriebewerk. Kein Arbeitsplatz in St. Georgen sei durch Automatisierung bedroht. Jobs würden mehrfach abgesichert: durch die genannten Investitionen und die Kombination lokale Produktion Hilfe für internationale Standorte im Bereich industrielle Antriebstechnik.

Auslandsaktivitäten: Teile des Wachstums werden im Ausland abgepuffert, sagte Raymond Engelbrecht, der Mitarbeiterstamm vor Ort werde konstant gehalten. ebm-papst baue keine Arbeitsplätze im Inland ab, um sie ins Ausland zu verlagern, betonte Thomas Wagner. 6500 Mitarbeiter in Deutschland bei 14 000 Beschäftigten weltweit bedeuten den höchsten Inland-Wert aller Zeiten. "Der Erfolg liegt in der Kombination aller Standorte", so Wagner weiter. Seitens der Kosten sei der richtige Mix von Arbeitsplätzen im In- und Ausland richtig, ergänzte Brandl.

Mitarbeiterentwicklung: "Wir haben eine gute Stammbelegschaft, aber verstärken uns immer wieder", sagte Raymond Engelbrecht. Ausscheidende Kräfte werden ersetzt, neue brächten ein anderes Qualifizierungsprofil. Als Arbeitgeber habe man einen guten Ruf in der Region. "Potenzielle Mitarbeiter kommen gerne zu uns." In nationalen Rankings stehe ebm-papst oben, die Fluktuationsraten in der Gruppe seien minimal, ergänzte Brandl. In Fachkräfte werde kräftig investiert, egal ob sich das Unternehmen an Hochschule vorstelle oder selbst ausbilde. Wie sich die Arbeitswelt im Zeichen von Industrie 4.0 ändert, ändere sich auch das Anforderungsprofil. Es gebe künftig weniger mechanische Tätigkeiten, aber mehr Automatisierung: was sich bereits in der Ausbildung abbilde: Die Zahl angehender Mechatroniker nimmt zu, Industriemechaniker werden weniger häufig ausgebildet.

Die Strategie: "Wir wollen als Unternehmensgruppe zusammenwachsen", erklärte Stefan Brandl, seit Jahresanfang Chef der Gruppengeschäftsführung, die neue Strategie "one ebm-papst". Bisher entwickelten sich die Gruppenteile Mulfingen, Landshut und St. Georgen eigenständig und autonom und profitierten wenig voneinander. Künftig gibt es klare Zuständigkeiten mit der Maßgabe Spezialistenwissen aufzubauen: "Nur wenn wir der Beste in unserer Branche sind, werden wir hier am Standort Deutschland Erfolg haben", so Brandl. "one ebm-papst" helfe Synergien im Produktprogramm aufzuspüren, gegenseitig voneinander zu profiteren und Entwicklungszyklen zu beschleunigen.

Diesel und Elektro: "Die Diskussion bremst zumindest nicht unser Geschäftsmodell", sagte der Chef eines wichtigen Automobilzulieferers zur Dieselkrise. Die ebm-papst-Abgasreinigungssysteme seien schon seit einigen Jahren auf dem Markt, werden aber jetzt häufiger in Fahrzeugen verbaut, so Brandl. Die Nachfrage habe zugenommen. Mit den Abgasreinigungs- und Reduktionssystemen sei man stark unterwegs. Im Bereich Verbrauchsreduktion unterstütze man die Weiterentwicklung des Verbrennungsmotors. Dieser, so Brandls Einschätzung, werde nicht allzu schnell verschwinden. Auch beim reinen Elektroantrieb befinde man sich in einer guten Ausgangssituation. Ob Adduktorik, Sitzbelüftung oder Batteriekühlung: Komponenten seien vorhanden, man könne schnell reagieren.
 

Die Gruppe:

ebm-papst, weltweit führende Hersteller von Ventilatoren und Motoren, gliedert sich in drei Teile: ebm-papst Mulfingen, der Hauptsitz, erreichte zuletzt 950 Millionen Euro Umsatz, ebm-papst St. Georgen erzielte 397 Millionen Euro Umsatz und ebm-papst Landshut 304 Millionen Euro Umsatz. Der Gesamtumsatz belief sich zwischen dem 1.4.2016 und dem 31.3. 2017 auf 1,9 Milliarden Euro. Zum Standort St. Georgen gehört unter demselben rechtlichen Dach Herbolzheim. Zusammen arbeiten dort 1500 Menschen. Organisatorisch, aber nicht rechtlich, ist Lauf mit 300 Mitarbeitern angegliedert. Mit den ungarischen Werken umfasst das Netzwerk St. Georgens 3500 Mitarbeiter. In St. Georgen selbst sind etwa mehr als 1000 Mitarbieter beschäftigt.