Eine spezielle Art der Wiederverwertung hat sich die aktuelle Kurzzeitresidentin beim Kunstverein Global Forest ausgedacht. Darsha Hewitt, aus Kanada stammende Soundkünstlerin, zerstört für ihr neuestes Kunstprojekt Schellackplatten. Aber nicht endgültig, denn sie bringt sie wieder in Form und bespielt sie neu.

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Schellack war der Vorgänger der Vinylschallplatte. Der Tonträger konservierte Musik aus den 1920er bis 1940er Jahren, die auf Grammophonen abgespielt wurde. „Heute wird alles gestreamt übers Internet. Das kostet sehr viel Energie“, sagt Darsha Hewitt.

Medienarchäologie und Mystik

Ihre Kunstpraxis erstreckt sich über neue Medien und Klangstudien und beruht größtenteils auf materialbasierten Experimenten mit veralteter Technologie. Ihre Atelierpraxis und ihre Lehrmethoden verfolgen einen praktischen, medienarchäologischen Ansatz, bei dem verborgene Systeme innerhalb der Technologie de- oder re-mystifiziert werden. Damit ist die 39-jährige Künstlerin international erfolgreich. Ihre Kunstwerke werden unter anderem in China, Niederlande, Großbritannien und New York präsentiert.

Phonomuseum hilft beim Projekt

Ihre vierwöchige Residenzzeit in St. Georgen bezeichnet die Künstlerin als Glücksfall. „Das ist perfekt“, sagt sie angesichts des Deutschen Phonomuseums, wo nicht nur eine Vielzahl alter Grammophone zu sehen sind, auf denen die Schellackplatten einst abgespielt wurden. In Jürgen Weißer vom Phonomuseum hat Darsha Hewitt zugleich einen Experten gefunden, der sie bei ihrem Kunstprojekt unterstützen will. „Wenngleich wir eigentlich auf die Abspielgeräte spezialisiert sind und weniger auf die Plattenproduktion“, wie Weißer zugibt.

Darshia Hewitt mit neuen Schellackplattenrohlingen, die sie neu bespielen will.
Darshia Hewitt mit neuen Schellackplattenrohlingen, die sie neu bespielen will. | Bild: Sprich, Roland

Das Projekt besteht im Wesentlichen daraus, dass Hewitt alte Schellackplatten zunächst zermahlt, aus dem feinen Pulver mit Hilfe einer alkoholischen Lösung eine Masse herstellt und daraus neue Plattenrohlinge walzt. „Es sind übrigens alles kaputte Schellackplatten“, sagt sie. Ihr Rohmaterial bezieht sie von einem Plattenladen in Freiburg. „Das Schwierige dürfte sein, in diese Platten dann wieder Rillen zu schneiden“, so die Künstlerin.

Schneidemaschine wird zur Herausforderung

Sie will dazu eine Art Schneidemaschine bauen. „Das wird sehr experimentell“, sagt Darsha, die zum jetzigen Zeitpunkt weder weiß, wie sie eine Schneidemaschine herstellen will noch welche Art von Geräuschen später auf den alten, neuen Schellackplatten zu hören sein werden.

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Das Experiment bekommt die in Weimar lebende Künstlern nicht während ihrer vierwöchigen Residenzzeit fertig gestellt. „Die Zeit, die Darsha momentan hier verbringt ist zunächst für Recherche“, erklärt Oliver Wolf vom Global-Forest Vorstandsteam. Sofern es pandemiebedingt möglich ist, will Darshia Hewitt ihre fertige Installation im Juli in St. Georgen präsentieren.