Die Sommerferien haben gerade begonnen. Ein bisher einmaliges Schuljahr für Schüler, Lehrer, aber auch Eltern ist damit zu Ende. Zum Start der großen Ferien hat der SÜDKURIER gemeinsam mit St. Georgener Eltern einen Blick zurück geworfen auf die Zeit, die auf die Schließungen der Schulen im März folgte. Eine Zeit, in der viele Eltern an ihre Grenzen kamen. Die jedoch Familien auch Möglichkeiten eröffnete, die es im normalen Alltag nicht gegeben hätte. Die alleinerziehende Mutter Manuela Weichert und die Dreifachmütter Isabella Rojo Lulic und Sonja Biller-Köpplin berichten von ihren Erlebnissen, den Herausforderungen und Ängsten, aber auch von den guten Dingen, die sie die Zeit des Heimunterrichts gelehrt hat.

  • ManuelaWeichert, alleinerziehende Mutter von Drillingen, über Existenzängste und Wege, die verhindern, deswegen in ein Loch zu fallen:

„Als ich erfahren habe, dass die Schulen geschlossen werden, musste ich Existenzängste ausstehen“, sagt Manuela Weichert. Die alleinerziehende Mutter von Drillingen macht eigentlich eine Ausbildung in der Industrie. Es war ein heftiger Schlag für sie, als die Schulen geschlossen wurden und die Kinder fortan zuhause unterrichtet werden mussten. Denn das hieß, dass sie selbst auch zuhause bleiben musste – Homeoffice war nicht möglich. Erst habe sie ihren vollen Urlaub genommen, als die Schulen danach immer noch nicht wieder öffneten, ging sie freiwillig in Kurzarbeit, um für ihre Kinder da zu sein.

Pause davon, ständig funktionieren zu müssen

Aber sie sagt: „Die Anfangszeit haben wir genossen. Es gab eine Pause vom Druck, ständig funktionieren zu müssen. Und plötzlich hatten wir als Familie viel mehr Zeit füreinander.“ Morgens hätten die Kinder gelernt, nachmittags sei Zeit für Spiel und Spaß gewesen. Der Familie habe das gut getan.

Trotzdem war die Zeit des Heimunterrichts für die 40-Jährige eine erhebliche Doppelbelastung. Denn Weichert habe nicht nur den Kindern bei ihren Schulaufgaben helfen, sondern selbst für ihre Ausbildung lernen müssen, denn schon bald stehen bei ihr Prüfungen an. Eine Zeit lang sei sie deshalb morgens um 4.30 Uhr aufgestanden, um alles zu schaffen. Der Tag endete für sie selten früher als 22.30 Uhr. Lange habe sie das aber nicht ausgehalten. „Da geht man auf dem Zahnfleisch“, sagt sie und schüttelt rückblickend den Kopf.

Kurzarbeit trübt das Familienglück

Und nicht nur das trübte das Familienglück. Denn nach dem Urlaub kam die Kurzarbeit und damit auch die Sorgen. Während die Zeit zuhause für die Familie am Anfang noch eine Erleichterung war, wurde sie für Weichert zunehmend zum Problem. Denn die Mutter hatte plötzlich viel weniger Geld. So wenig, dass sie Angst bekam. Als Auszubildende sei das Gehalt ohnehin nicht sehr hoch, aber die Kurzarbeit habe ein riesiges Loch in die Kasse gerissen. Hinzu kam, dass der Kinderzuschlag, den Geringverdiener erhalten, über 16 lange Wochen nicht ausgezahlt worden sei, weil die Bearbeitungszeit lange gedauert habe.

Doch irgendwie musste die Miete bezahlt werden. „Es gab Momente, da wusste ich nicht, wie ich den Kindern am nächsten Tag Essen auf den Tisch stellen soll“, sagt sie mit etwas brüchiger Stimme. Oft hätten ihre Kinder sie weinen sehen und ihre Existenzängste hätten sich auf sie übertragen, auch wenn sie das nicht gewollt habe, eigentlich für ihre Kinder stark sein wollte. Aber irgendwann habe sie ihre Angst und die damit verbundenen Tränen nicht mehr verstecken können. „Ab Juni musste ich aufpassen, dass ich nicht in ein schwarzes Loch falle“, gesteht sie. Während sie das erzählt, klingt sie sehr gefasst. Man merkt, die schlimmste Phase liegt inzwischen hinter ihr.

Ein Glas voll glücklicher Momente

Was ihr geholfen habe, nicht aufgrund der finanziellen Sorgen in dieses Loch zu stürzen, sei ein Ritual gewesen, das die Familie eingeführt hat. Jeder Tag sei in der Familie gemeinsam reflektiert worden, die schönsten Momente hätten sie gemeinsam auf kleinen Zetteln aufgeschrieben und in ein Glas gesteckt. Dieses Glas sei inzwischen versiegelt. In einem Jahr will es die Familie dann wieder öffnen und die Erinnerungen an diese schönen Momente gemeinsam teilen, erzählt die Mutter.

Die letzten Wochen bis zu den Sommerferien gingen ihre drei Kinder aus der zweiten Klasse wieder regelmäßig in die Schule, Weichert ist wieder bei der Arbeit, doch immer noch nicht in Vollzeit. Sie gibt zu, dass es anfangs gar nicht so einfach war, wieder in den normalen Alltag zurückzufinden.

Und auch ihre Kinder seien gespaltener Meinung darüber gewesen, wieder in die Schule gehen zu müssen. Denn sie hätten trotz der Widrigkeiten die Zeit zuhause genossen, hätten sich aber auch über ein Wiedersehen mit ihren Freunden gefreut. Weichert hofft, von einer zweiten Corona-Welle und einer erneuten Schulschließung verschont zu bleiben. „Wir sind in diesem Jahr schon an unsere Grenzen gekommen“, sagt die 40-Jährige. Noch einmal wolle sie so etwas nicht durchstehen.

Wie Sonja Biller-Köpplin, Lehrerin und Mutter dreier Kinder, diese Zeit erlebt hat, lesen Sie hier:

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Auch Isabella Rojo Lulic, dreifache Mutter erzählt von einer Zeit, in der sie Homeoffice und Heimunterricht in Einklang bringen musste. Die Geschichte dazu lesen Sie hier:

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