Die Mitglieder des Vereins „Initivative Eine Welt“ denken nicht an sich, sondern an andere – an Menschen, denen es schlechter geht als uns Europäern. Auch wenn die Corona-Krise gerade viele hart trifft. „Im Moment ist es wichtig, die Menschen aus der sogenannten Dritten Welt nicht zu vergessen, auch wenn wir gerade viel an uns selbst denken“, sagt Hannelore Eberenz, Vorsitzende des Vereins.

Verein unterstützt soziale Projekte

Sie und die anderen Mitglieder des Vereins haben es sich zur Aufgabe gemacht, soziale Projekte in aller Welt zu unterstützen. Dafür verkaufen sie bei verschiedenen Veranstaltungen Lebensmittel und Handwerkskunst von Fair-Trade-Händlern – die also auf fairen Handel achten. Was der Verkauf abwirft, geht an die unterstützten Projekte, die Mitglieder selbst arbeiten ehrenamtlich.

Eines dieser Projekte hilft Straßenkindern, Obdachlosen und alten Menschen in Madagaskar, ein weiteres verhilft Straßenkindern in Brasilien zu Bildung. In Indien werden Leprakranke mit Medikamenten versorgt und in El Salvador werden Bürgerkriegsflüchtlinge unterstützt. „Zu allen Projekten besteht ein persönlicher Kontakt“, sagt Eberenz. Sie zeigt Bilder von musizierenden Kindern im Kinderhaus amare in Brasilien, das von der Initiative finanzielle Zuwendungen erhält.

Auch bei einem Projekt, das Altenspeisungen in El Salvador veranstaltet, ist der Verein engagiert.
Auch bei einem Projekt, das Altenspeisungen in El Salvador veranstaltet, ist der Verein engagiert. | Bild: Verein

Wie es zu dem Verein kam

Die Initialzündung für den Verein gab es bereits 1975, als Vikar Walter Wien eine Kirchengemeinde besuchte und von seiner Arbeit mit Leprakranken in Kalkutta und Indien berichtete. „Ein paar Kirchenmitglieder haben sich dann zusammengeschlossen, weil sie der Meinung waren, dass sie, nachdem was sie gehört hatten, nicht untätig bleiben können“, so Eberenz. Bereits ein Jahr später war die „Indienhilfe“ gegründet, die es sich zur Aufgabe machte, spenden für die Arbeit in dem Land zu sammeln.

Es sollte jedoch noch weitere vier Jahre dauern, bis 1980 der Verein „Initiative Eine Welt“ gegründet war, der nun mehrere Projekte unterstützt. 60 Mitglieder hat der Verein inzwischen, zehn bis 20 davon sind aktive Mitglieder.

Die aktiven Mitglieder des Vereins treffen sich regelmäßig, um über die Projekte zu sprechen. Hintere Reihe von links: Gebhard Herrmann, Martina Huschka, Martin Eberenz. Mittlere Reihe: Axel Hempfling, Stefan Rapp, Ika Preißler und Bernhard Huschka. Vordere Reihe: Hannelore Eberenz, Gail Krause und Gabriele King
Die aktiven Mitglieder des Vereins treffen sich regelmäßig, um über die Projekte zu sprechen. Hintere Reihe von links: Gebhard Herrmann, Martina Huschka, Martin Eberenz. Mittlere Reihe: Axel Hempfling, Stefan Rapp, Ika Preißler und Bernhard Huschka. Vordere Reihe: Hannelore Eberenz, Gail Krause und Gabriele King | Bild: Verein

Wie Eberenz zur Initiative fand

Eberenz selbst stieß 1982 zu dem Verein dazu. „Die damalige Vorsitzende hat mich und meinen Mann angesprochen, ob wir nicht auch dabei sein wollen. Und da unser Interesse bereits groß war, Bedürftigen zu helfen, waren wir dabei“, erzählt die 62-Jährige. „Man hat immer die Hoffnung, jemandem eine Chance zu geben“, führt Eberenz einen der Gründe dafür an.

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Seit 28 Jahren ist sie bereits die Vorsitzende der Initiative. Seither sammeln sie und andere Mitglieder über Verkaufsaktionen und Spenden Geld, das in die jeweiligen Projekte fließt. Die größte Aktion sei dabei die jährliche Verkaufsausstellung im Großen Sitzungssaal des Rathauses im Advent.

Corona verhindert Verkaufsaktionen

Ob die Veranstaltung in diesem Jahr jedoch stattfinden kann, weiß Eberenz derzeit noch nicht. Es gelte abzuwarten, wie sich die Lage entwickelt. Während der Verein sonst eigentlich bei vielen Kirchenveranstaltungen Fair-Trade-Produkte verkauft, sei das in diesem Jahr schon deutlich weniger gewesen.

Denn eigentlich finde sonst beispielsweise jeden Donnerstag im ökumenischen Zentrum ein Cafébetrieb statt, bei dem sich der Verein einbringt. Dieser habe in diesem Jahr oft entfallen müssen. Ob der Verein dadurch im Gesamten in diesem Jahr weniger Geld einnimmt, sei aber noch nicht absehbar. Die meisten Spenden kämen nämlich in der Weihnachtszeit.

Schüler des Kinderhauses amare in Brasilien musizieren mit Instrumenten, die die Initiative Eine Welt mitfinanziert hat.
Schüler des Kinderhauses amare in Brasilien musizieren mit Instrumenten, die die Initiative Eine Welt mitfinanziert hat. | Bild: Verein

Nicht immer können alle Projekte unterstützt werden

Es habe aber auch schon Jahre gegeben, in denen nicht genug eingenommen wurde, um alle Projekte zu unterstützen. „Da muss man dann eben auswählen und die weglassen, die es am ehesten verkraften“, sagt Eberenz. Es sei schon allgemein so, dass die Spendenbereitschaft in den letzten Jahren zurückgegangen sei, findet sie. Dennoch könne der Verein auch immer Erfolge verbuchen. „Der größte Erfolg ist es für uns, wenn ein Projekt unsere Unterstützung nicht mehr benötigt, weil es von selbst läuft“, findet Eberenz.

Doch nicht nur die fehlende Spendenbereitschaft bereite dem Verein Sorgen, sondern auch, dass der Nachwuchs fehlt. Deswegen werden der Verein und die Arbeit, die er leistet, wohl irgendwann auslaufen, sagt die Vorsitzende. Denn auch die Mitglieder würden mit jedem Jahr älter. Durch die Corona-Krise hat der Verein aber bisher keine Mitglieder verloren.