In der Nacht auf den 29. März wurde aus dem Urlaub von Heike und Markus Franz aus Langenschiltach eine Odyssee. Am Abend zuvor saßen sie noch auf der Terrasse eines Restaurants im zentralamerikanischen Costa Rica. Die Bedienung war freundlich, kam ebenfalls aus Deutschland, und setzte sich nach dem Essen noch für ein Schwätzchen zu dem Ehepaar.

Von ihrer Tochter hatten die beiden in den Tagen zuvor schon von der Lage in der Heimat gehört, von Ausgangsbeschränkungen, Kurzarbeit, Ladenschließungen. Aber eben in Deutschland, und das war zu dem Zeitpunkt fast 10 000 Kilometer weit entfernt.

Unheimliche Distanz

Als die beiden am nächsten Morgen wieder in das Restaurant kamen, war alles anders, berichtet Heike Franz knapp zwei Wochen später in Langenschiltach. „Die Tische waren alle weit auseinander gestellt und auch die Bedienung blieb plötzlich auf Abstand, da haben wir schon ein mulmiges Gefühl bekommen“, erinnert sie sich. Das war nicht unberechtigt, wie sich noch zeigen sollte.

Einige Tage bevor sie planmäßig nach Hause fliegen wollten, erreichte das Ehepaar eine E-Mail, in der ihnen die niederländische Fluggesellschaft mitteilte, dass ihr Rückflug storniert worden sei. „Mehr Informationen gab es nicht“, schildert Heike Franz. „Immer wenn man dort angerufen hat, ging niemand mehr ans Telefon, und auf E-Mails wurde auch nicht geantwortet.“

Lebensmittel kaufen und abwarten

Auch ein Anruf beim deutschen Konsulat machte wenig Hoffnung: Man solle an Ort und Stelle bleiben und abwarten, hieß es. Selbst das Krisenzentrum im Auswärtigen Amt, das die groß angelegte Rückholaktion von Urlaubern im Ausland organisiert, hatte für die beiden nur den Hinweis, sich mit Lebensmitteln einzudecken und abzuwarten.

Der fast leere Flughafen von San Jose in Costa Rica.
Der fast leere Flughafen von San Jose in Costa Rica. | Bild: Heike Franz

Heike und Markus Franz beschlossen schließlich, selbst zum Flughafen zu fahren und eine Möglichkeit zur Rückreise nach Deutschland zu suchen. Am ersten Tag hatten sie damit keinen Erfolg und landeten lediglich auf einer Warteliste. Am zweiten Tag jedoch zahlte sich ihre Geduld aus: „Es war schon halb 10 Uhr abends, als Leute von der Warteliste für einen Flug nach Paris aufgerufen wurden.

Glück im Unglück

Zu dem Zeitpunkt waren aber viele von denen, die vor uns auf der Liste standen, gar nicht mehr im Flughafen – und so haben wir dann einen Platz bekommen“, erzählt Heike Franz. In Europa angekommen, ging es erst einmal aber wieder nicht weiter. Von Paris aus seien da schon keine Züge mehr gefahren, und erst einen weiteren Tag später hätten sie schließlich einen weiteren Flug nach Stuttgart erwischt, von dort aus ging es dann endlich nach Hause.

Zwei Tage verbringen Heike und Markus Franz am Flughafen, bis sie einen Platz in einem Flugzeug nach Paris bekommen.
Zwei Tage verbringen Heike und Markus Franz am Flughafen, bis sie einen Platz in einem Flugzeug nach Paris bekommen. | Bild: Heike Franz

„Wir hatten dennoch Glück im Unglück“, sagt sie rückblickend. „Zu Beginn unseres Urlaubs ging es mit der Ausbreitung des Coronavirus schon los, aber niemand hatte damit gerechnet, dass es so schnell geht und so schlimm wird.“ Zudem sei Costa Rica ein sehr kleines Land, das bei der Organisation der Rückflüge wohl auch nicht ganz oben auf der Prioritätenliste gestanden hätte.

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Die beiden sind es gewohnt, einfach den Rucksack zu packen und sich im Urlaub spontan darauf einzulassen, was da kommen möge, erzählt Heike Franz. Auch für die Zeit in Costa Rica hatten sie nur die Flüge gebucht und sich dann vor Ort Hotels ausgesucht, wie sie es oft zu tun pflegten.

Sie mögen es eigentlich abenteuerlich, „aber diese Irrfahrt hätte es nicht mehr gebraucht“, sagt sie. Und dennoch fügt sie hinzu: „Die zwei Wochen davor waren dennoch ein schöner und erholsamer Urlaub, und das werden wir wohl auch in Zukunft wieder so machen.“

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