Seit fast 100 Jahren gibt es ihn schon: den Obst- und Gartenbauverein. 1921 wurde er in der „Krone“ in Peterzell gegründet. Im kommenden Jahr soll es für das 100-jährige Bestehen des Vereins eine große Feier geben – eigentlich. Denn aufgrund der derzeitig unsicheren Lage durch die Corona-Krise wissen die beiden Vorstandsmitglieder Hilde Neininger und Dieter Weißer derzeit noch nicht, ob und in welcher Weise dieses Fest stattfinden kann.

Corona sorgt für große Ungewissheit

Doch nicht nur das Fest ist durch die Corona-Pandemie derzeit noch ungewiss. Auch weitere Veranstaltungen seien schwer planbar, beispielsweise die Prämierung der Teilnehmer der Blumen- und Gartenschau, die in diesem Jahr stattfand. Denn eigentlich sei das immer eine große Veranstaltung. Zur Zeit undenkbar. Deshalb sei man auch mit der Organisation des eigentlich für den Oktober geplanten Fests noch nicht sehr weit. „Es hängt alles in der Luft“, sagt Neininger.

Während in einem normalen Jahr der Terminkalender des Vereins prall gefüllt ist, ist er in diesem Jahr so gut wie leer, denn fast alle Veranstaltungen mussten abgesagt werden. Dass das so ist, findet die 68-Jährige schade.

Erfüllung des Vereinszwecks gestaltet sich schwierig

Schwierig mache es die derzeitige Situation auch, den Zweck des Vereins zu erfüllen. „Wir wollen die Lust auf den Garten fördern und so die Artenvielfalt schützen“, so Neininger. Wenn kaum Veranstaltungen stattfinden, bei denen sie sich Hobbygärtnern vorstellen können, sei dies kaum möglich. Dabei sei es das Ziel des Vereins, die lebenswerte Natur zu erhalten. Nur durch die Schaffung eines Bewusstseins dafür, was eine lebenswerte Natur ist, könnten sie das bewerkstelligen.

Überalterung macht zu schaffen

Ein weiteres Problem des Vereins ist die Überalterung. Derzeit habe der Verein zwar noch 174 Mitglieder, der Altersdurchschnitt sei aber jenseits der 70. Das sei jedoch ein Zeichen der Zeit, sagt Weißer. Denn heute könne man sich über das Internet über Gartenpflege informieren. Ihre Expertise benötige es da nicht mehr. Außerdem würden viele junge Menschen vor der Verantwortung zurückschrecken, die ein Vereinsbeitritt mit sich bringt.

Garten wird zum Urlaubsort

Dennoch sind sowohl Weißer als auch Neininger gerne im Obst- und Gartenbauverein. Am meisten Spaß mache ihnen die Vereinsarbeit, wenn sie auf Interesse stößt. Weißer sagt: „Das ist die Bestätigung, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“

Auch aus dem gegenseitigen Austausch über die Gartenarbeit zieht Neininger viel Freude. Ein Garten mache schon Arbeit, mindestens eine Stunde am Tag seien beide mit Gartenpflege beschäftigt. Aber Neininger sagt: „Wenn es Spaß macht, sieht man es nicht als Arbeit.“ Im Gegenteil: Für die Vorsitzende sei ihr Garten ihr Urlaubsort. Top gestylt müssen er nicht aussehen. „Lieber was Wildes“, so Neininger.

Hermann und Dieter Weißer im Vereinsgarten. Dieter Weißer ist bereits seit 60 Jahren Mitglied im Verein und kümmert sich um veredelte Apfelbäume, die an Neugeborene aus St. Georgen abgegeben werden.
Hermann und Dieter Weißer im Vereinsgarten. Dieter Weißer ist bereits seit 60 Jahren Mitglied im Verein und kümmert sich um veredelte Apfelbäume, die an Neugeborene aus St. Georgen abgegeben werden. | Bild: Jennifer Moog

Der Weg der 68-Jährigen führte vor 30 Jahren über ihre Nachbarin zum Verein. „Sie war damals Vorsitzende und hat mich immer zu Veranstaltungen mitgenommen“, erzählt sie. Ihr Interesse am Gartenbau habe schon vor ihrem Engagement im Verein bestanden.

Weißer kam über einen Baumschnittkurs zum Verein. Seit sechs Jahren sind Neininger und Weißer nun gemeinsam im Vorstand. Als Experten für den Garten würden sich die beiden dennoch nicht bezeichnen. „Wir wissen über ein bestimmtes Gebiet oft viel, aber alles wissen wir nicht“, sagt Neininger. Tipps geben, so Weißer, könnten sie aber trotzdem.

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