Der Schritt von einem Angestelltenverhältnis in die berufliche Selbständigkeit scheitert häufig nicht an einer zündenden Geschäftsidee. Gründungsinteressierte scheitern vielmehr daran, dass sie nicht wissen, wie sie es angehen sollen. „Häufig schlummern tolle Geschäftsideen in den Schubladen der Leute, die sich nicht trauen, sie heraus zu holen und anderen zu zeigen, oder sie wissen nicht, wie sie andere finden sollen, die sich ebenfalls selbständig machen wollen“, sagt Sylvia Scholz, Geschäftsführerin der Agentur für Arbeit Rottweil/Villingen-Schwenningen.

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Vor zwei Jahren wurde im Technologiezentrum mit dem Innovation Lab (Innovationslabor) eine Plattform für gründungswillige Studierende der HFU Furtwangen University sowie der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) am Standort Villingen-Schwenningen eingerichtet. Künftig sollen auch berufstätige Gründungsinteressierte das Angebot nutzen können, sich mit einer innovativen Geschäftsidee mit Unterstützung des Innovation Lab selbständig zu machen. Hierzu holten sich die Initiatoren jetzt die Agentur für Arbeit mit ins Boot.

Das Angebot richtet sich in erster Linie an Menschen, die ihren Arbeitsplatz verloren haben oder vor einem Arbeitsplatzverlust stehen. Oder solche, die eine neue berufliche Herausforderung suchen und sich noch einmal selbst verwirklichen wollen. Sie sollen die Chance erhalten, ihre Ideen vorzustellen und möglicherweise Mitstreiter zu finden, die sich vorstellen können, in diese Idee mit einzusteigen.

Neustart gelingt oft

„Bei uns im TZ gibt es etliche positive Beispiele, dass so etwas gelingen kann“, sagt TZ-Geschäftsführer Martin Friedrich. Dabei gehe es nicht immer um die weltverändernden Erfindungen. „Häufig geht es um Lösungen für ganz banale Alltagsprobleme“, so Friedrich.

So funktioniert das Innovation Lab

Ursula Schulz von bwcon und Projektleiterin für das Innovation Lab, nennt die Voraussetzungen für eine Teilnahme am Innovation Lab. „Interessierte können sich entweder mit einer Geschäftsidee bewerben und diese dann vorstellen. Sie können aber auch ohne eigene Idee kommen und schauen, ob vielleicht ein Projekt dabei ist, an dem sie künftig mitwirken wollen.“ Denn selten nur kann eine Geschäftsidee als Ein-Mann-Show umgesetzt werden. „Die Bildung von Kooperationen und der Austausch mit anderen ist eine weitere Stärke des Innovation Labs“, so Schulz.

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Sie betont, dass die Teilnahme am Innovation Lab zu nichts verpflichtet. Man wolle mit der Veranstaltung Lust machen, sich mit neuen Ideen auseinander zu setzen, neue Impulse zu hören und Mut bekommen, mit seiner Idee an die Öffentlichkeit zu gehen. „Auf keinen Fall muss am Ende eine Geschäftsgründung stehen.“

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Am Beispiel von drei Studierenden zeigten die Initiatoren des Innovation Lab auf, wie das gut funktionieren kann. Martina Bencetic, Sophia Kirchner und Celine Broghammer, derzeit im Auslandssemester in Paris, haben sich überlegt, wie sie das Problem des Sich-zurecht-findens bei Auslandssemestern lösen können. Sie entwickelten die Internetplattform „Easy Abroad“, auf deutsch „Problemlos ins Ausland“, auf der Studierende ihre Erfahrungen und Tipps einfach weitergeben können, etwa bei der Wohnungssuche. Mit der Idee haben sie den ersten Platz beim vorigen Innovation Lab gewonnen.

Sie öffnen das Innovationslabor im TZ jetzt auch für beruftstätige Menschen, die von Jobverlust betroffen sind oder einfach eine neue berufliche Herausforderung suchen. Von links Martin Friedrich, Ursula Schulz, Sylvia Scholz und Thomas Wolf.
Sie öffnen das Innovationslabor im TZ jetzt auch für beruftstätige Menschen, die von Jobverlust betroffen sind oder einfach eine neue berufliche Herausforderung suchen. Von links Martin Friedrich, Ursula Schulz, Sylvia Scholz und Thomas Wolf. | Bild: Sprich, Roland

Von der Ausweitung des Angebots auf Berufstätige versprechen sich die Macher des Innovation Labs unter anderem auch Synergieeffekte. „Die Studierenden können dabei auf die langjährige Berufserfahrung der Berufstätigen zurückgreifen“, so Schulz.

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Thomas Wolf, Geschäftsführer von Technology Mountains bei der Industrie- und Handelskammer Schwarzwald-Baar-Heuberg (IHK), bezeichnete das Innovation Lab als „hervorragende Gelegenheit für Menschen, die ihre Geschäftsidee, die vielleicht schon lange im Innern lodert, endlich ans Tageslicht zu fördern.“

Investiert wird in die Person

Er sehe es keineswegs als Nachteil an, wenn die Idee dabei noch nicht bis ins letzte Detail ausgearbeitet sei. „Wichtig ist, von der Idee, die man vorstellt, selbst überzeugt zu sein. Die meisten Investoren investieren ohnehin nicht in das Produkt, sondern in die Person.“