Dieter Bohlen hat vor Kurzem eine öffentliche Debatte ausgelöst, als er durch penetrantes Nachbohren offenbar unbedingt den Migrationshintergrund eines fünf Jahre alten Mädchens in Erfahrung bringen wollte.

Um zu merken, dass das mit den Klischees und der Zugehörigkeit manchmal gar nicht so einfach ist, muss man allerdings keinen Migrationshintergrund haben. Oft wurde ich gefragt, woher ich komme, als ich vor zehn Jahren nach Konstanz gezogen bin. Meist mit dem Zusatz: "Man hört ja, dass du nicht von hier bist." Das Fehlen des badischen Dialekts hatte mich also direkt als "Neigschmeckte" geoutet. Ähnlich geht es mir nun wieder, nachdem ich im Januar nach St. Georgen gezogen bin.

"Woher kommen Sie denn? Von hier ja wohl nicht", sagte erst kürzlich wieder eine Frau zu mir. Als ich bestätigte, dass ich erst seit einigen Wochen in der Bergstadt wohne, huschte eine gewisse Genugtuung über ihr Gesicht. "Hab ich's doch gewusst", dachte sie offenbar. Dass ich vorher am Bodensee gewohnt habe, schien sie allerdings auch nicht zufriedenzustellen. "Aber daher kommen sie doch auch nicht wirklich, oder?", hakte sie nach. Als ich ihr schließlich erzählte, dass ich ursprünglich aus dem Ruhrgebiet komme, sorgte ich bei der Dame offenbar für maximale Verwirrung. "Wirklich? Aber da spricht man doch auch kein Hochdeutsch", platzte es aus ihr heraus.

Mir wurde klar: Ich bin die Zugezogene und das werde ich wohl auch immer bleiben. Das ist allerdings gar nicht so schlecht, denn offenbar weckt man als "Neigschmeckte" schnell die Neugierde der Menschen und kommt ins Gespräch. So begannen in den letzten Jahren schon viele interessante Kontakte mit der Frage: "Woher kommst du?"