Nach etwa mehr als zwei Jahren ist der „andere Möbelladen“ auf dem Marktplatz Geschichte. Wer sich am letzten Öffnungstag zwischen Dutzenden abholbereit stehenden Tischen, Schränken, Sofas und Stühlen umschaute und die rasch wechselnde Kundschaft registrierte, kam schnell zur Auffassung, dass keineswegs ein Missverhältnis von Angebot und Nachfrage die Situation verantwortet. Kurzgefasst sind es die Personalkosten, die den Betreiberverein zum Gegensteuern veranlasst haben. Ab heute ist der Möbelmarkt geschlossen. „Wir bedauern das sehr, denn der Bedarf ist ja da“, sagt Bettina Knieß, deren Mann Bernhard den Laden als Geschäftsführer umtreibt. Im Herbst war das wachsende Minus erkannt worden: fatal, weil doch die Einnahmen aus dem Möbel- und den Secondhand-Läden in St. Georgen, Triberg, Furtwangen und Schramberg das soziale Wohnprojekt alimentieren.

Sieben Arbeitskräfte hatte der Möbelladen bis Ende März. Zwei Männer sind vom Arbeitsplatzverlust sehr stark betroffen, die anderen reduzieren ihre Stundenkontingente. Bezahlt wurden sie nach Mindestlohn. Mindestens. Denn die körperlich anstrengende und Nerven aufreibende Tätigkeit bedurfte auch einer ordentlichen Bezahlung, sagt Bettina Knieß.

Früher, am alten Standort des Möbelladens an der Bahnhofstraße waren die Personalkosten geringer. Zwei extrem fleißige Hauptkräfte waren Tamilen, weitere Tamilen arbeiteten bei Bedarf mit. Den Flüchtlingen nutzte der Arbeitsnachweis im Anerkennungsverfahren, der Verein profitierte von den vom Landratsamt getragenen minimalen Personalkosten. Heute sind die Flüchtlinge, was auch Bettina Knieß begrüßt, in fester Arbeit und auch subventionierte Langzeitarbeitslose finden sich nicht mehr.

Innenstadtnähe und erhöhte Laufkundschaft hatten am Markplatz auch bald die Folge, dass sich im unter geringerem Mietzins geführten Laden mehr Möbel stauten. Eine Alternative zerschlug sich. Gerne hätte der Verein den ehemaligen Edekamarkt am Marktplatz übernommen. Mit dem Möbelladen im Erdgeschoss und dem Secondhand-Geschäft im Obergeschoss hätte der Personalaustausch Kosten gespart.

Jetzt schließt der Möbelladen, während die Hoffnung auf innenstadtnahe Räumlichkeiten bleibt. „Möbel können wir“, versichert Bettina Knieß. Entrümpeln und Kleinumzüge betreibt der Verein weiter. Möbel können in geringerem Umfang aus dem weiter bestehenden Lager an der Bundesstraße bezogen werden. Interessenten melden sich im Secondhand-Laden. Der hat demnächst deutlich mehr Platz zur Verfügung, weil er in den bisherigen Möbelladen zieht. Erster Öffnungstag am neuen Standort ist Montag, 2. Mai.


Gemeinsames Wohnen

Der Verein „Gemeinsam anders leben“ betreibt seit 2007 an der Hauptstraße ein Wohnprojekt. Die Idee, ein Zusammenleben mit Behinderten, psychisch kranken und jungen Menschen mit schwierigem familiärem Hintergrund ohne Dogmatik vorzuleben, hat längst die Räumlichkeiten im alten Pfarrhaus und im Nebenhaus verlassen. Inzwischen leben hier 25 Menschen, darunter 17 Flüchtlinge. Weitere 30 Flüchtlinge wohnen in etwa einem Dutzend Wohnungen im Stadtgebiet, die vom Verein angemietet werden. Neben der Bereitstellung von Wohnraum gehören auch Hilfen im Alltag wie etwa beim Umgang mit Behörden zu den Aufgaben. Zu den meist in Teilzeit beschäftigten 30 Beschäftigten des Vereins gehört auch eine Sozialpädagogin. (wur)