Was in größeren Städten bereits eine immer größer werdende Fangemeinde hat, ist in St. Georgen noch weitgehend ungewohntes Terrain: Poetry Slam. Entsprechend kamen die Zuhörer, die sich auf diese Kunstform einließen, teilweise von weiter her angereist. Die Kunstform hat offensichtlich viele Anhänger: Trotz des ungewöhnlichen Termins am Sonntagabend waren die Stuhlreihen im Theater gut besetzt. Initiiert und moderiert wurde die Veranstaltung im Theater im Deutschen Haus von Elias Raatz, selbst ein Mann des wohl gewählten Wortes.

Das könnte Sie auch interessieren

Vier Kandidaten traten in dem verbalen Wettstreit gegeneinander an und versuchten, mit ihren Gedichten die Gunst des Publikums zu erringen. Mal poetisch, mal lyrisch, mal mit Tiefgang, mal auf der Welle der Leichtigkeit schwebend. Die Regeln sind einfach: Die Texte müssen selbst verfasst, der Vortrag darf maximal sieben Minuten lang sein. „Und die Kandidaten dürfen nicht verkleidet sein“, sagte Moderator Elias Raatz. Er machte das Publikum darauf aufmerksam, dass die vier Kandidaten „wirklich so rumlaufen, wie sie hier auf der Bühne stehen“.

Namhafte Teilnehmer

Die vier Wettbewerber, die aus den Studentenstädten Freiburg, Tübingen und Göppingen anreisten, gehörten zu den Namhaften der Szene, die bereits über einiges an Bühnenerfahrung verfügen. Das merkte man den Texten an.

  • Richard König aus Tübingen, von Elias Raatz angekündigt als „der Bruder, den ich nie haben wollte“, überzeugte mit einem außergewöhnlichen Beitrag zum Thema Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Er geigte einer Umweltaktivistin seine Meinung. Wie sich herausstellten sollte, allerdings nur gedanklich.
  • Cäcilia Bosch hat sich über das Nein-Sagen Gedanken gemacht. Angefangen als reine Vorsichtsmaßnahme, um ihre „Seele nicht beim Kauf einer Paybackkarte zu verlieren“, musste sie feststellen, dass sie durch zu häufiges Nein-Sagen viel an Lebensfreude verliert.
  • Ansgar Hufnagel präsentierte schwere Kost. Sein Beitrag machte die Gedanken eines Mitgliedes einer südamerikanischen Gang erfahrbar.
  • Xenia Stern bot in ihrem Beitrag das emotionale Gegenstück. Sie plauderte die Geheimnisse eines Kaffeekränzchens aus. Dabei stieß sie auf die Erkenntnis, welch Glücksfall es sei, dass der Valentinstag nicht auf einen Freitag, den 13., fiel.
Mit seinen Texten über Nachhaltigkeit und über das Entscheidungen treffen gewinnt Richard König den Dichterwettstreit Deluxe.
Mit seinen Texten über Nachhaltigkeit und über das Entscheidungen treffen gewinnt Richard König den Dichterwettstreit Deluxe. | Bild: Sprich, Roland
Was ein Glück, dass der Valentinstag nicht auf einen Freitag, den 13., fiel. Das zumindest findet Xenia Stern in ihrem Beitrag.
Was ein Glück, dass der Valentinstag nicht auf einen Freitag, den 13., fiel. Das zumindest findet Xenia Stern in ihrem Beitrag. | Bild: Sprich, Roland
Mit großen Gesten untermauert Cäcilia Bosch ihre Worte beim zweiten St. Georgener Poetry-Slam-Wettbewerb.
Mit großen Gesten untermauert Cäcilia Bosch ihre Worte beim zweiten St. Georgener Poetry-Slam-Wettbewerb. | Bild: Sprich, Roland

Bewertet wurden die Beiträge von Besuchern, die von ein bis zehn Punkten bewerten konnten. Nach einem zweiten Durchgang, in dem alle Akteure noch einmal eine Schippe drauflegten, wurde Richard König als Sieger des Wettbewerbs gekürt.

Das könnte Sie auch interessieren