Zwölf Jahre ist das letzte Seenachtsfest in St. Georgen nun her. Die jüngeren Bergstädter können sich an die Veranstaltung im Jahr 2006 schon gar nicht mehr erinnern. Das Fest damals endete abrupt, der letzte Tag, traditionell der Familientag, wurde damals wegen Starkregen abgesagt. Das Seenachtsfest fand nie wieder statt, ein Anwohner hatte sich über den Lärm beschwert.

Ob das Fest jemals wieder reaktiviert werden kann, scheint heute fraglich. Fakt ist aber: Es kommt Bewegung in den St. Georgener Veranstaltungskalender. Der Grund: Wenn die Innenstadtsanierung kommt, muss das Stadtfest gehen. Wohin also mit dem Fest? Das steht bislang noch nicht wirklich fest: "Sobald wir wissen, wann wir definitiv mit der Sanierung des Marktplatzes beginnen, werden wir schnellstens mit der Stadtfestgemeinschaft ins Gespräch kommen", sagt Michael Rieger.

Stadtfest St. Georgen
Stadtfest St. Georgen | Bild: Sprich, Roland

Nach jetzigem Stand werde das Stadtfest im kommenden Jahr das letzte vor der Sanierung sein. Und weiter: "Dann werden wir sehen, wie und wo das wichtige Stadtfest während der Sanierungsmaßnahmen stattfinden kann."

Das könnte Sie auch interessieren

Wenn auf dem Marktplatz zwei Sommer lang Baustelle herrsche, könne dort kein Fest stattfinden. Michael Rieger denkt vor allem an zwei mögliche Optionen: St. Georgens Festplatz, oben am Roßberg, neben der Stadthalle. Und zudem das Rondell am Klosterweiher, dort, wo früher das Seenachtsfest stattfand.

Theoretisch, so sagt Bürgermeister Michael Rieger, sei auch gut denkbar, dass auf dem Areal am Klosterweiher wieder eine Art Seenachtsfest stattfindet. Mit anderen Strukturen und einem anderen Konzept.

Das letzte Seenachtsfest fand 2006 statt.
Das letzte Seenachtsfest fand 2006 statt. | Bild: Sprich, Roland

Allerdings ist weiterhin mit einem Einspruch des Bürgers zu rechnen, der bereits für zwölf Jahren dafür gesorgt hat, dass die Lärmsituation ein Problem wird. "Es ist in der Tat so, dass nach wie vor damit zu rechnen ist, dass der Mann dagegen vorgehen würde", sagt Rieger. Ähnliche Gespräche habe man beispielsweise zuletzt bei der Ausrichtung des Burning Cups geführt. Es sei nun mal so, dass ab 22 Uhr andere Regeln gelten würden, so der Bürgermeister. Der Mann, der sich über den Lärm beschwert, liegt im Recht. Denn die Lautstärke in einem Wohngebiet darf dann nur noch 45 Dezibel betragen. Es gelten strenge Regeln – schon ein normales Gespräch liegt zwischen 55 und 65 Dezibel.

Lange ist es her: Eine Aufnahme des letzten Seenachtsfests von 2006, danach fand es nie wieder statt. Jetzt wird wieder darüber diskutiert. Archivbild: Roland Sprich
Lange ist es her: Eine Aufnahme des letzten Seenachtsfests von 2006, danach fand es nie wieder statt. Jetzt wird wieder darüber diskutiert. Archivbild: Roland Sprich

Michael Rieger betont aber auch: "Mir sind keine konkreten Ideen bekannt, das Seenachtsfest wiederzubeleben, auch wenn ab und zu noch darüber gesprochen wird." Es könnte allerdings nur außerhalb des Klosterweiherareals stattfinden. Außerdem sagt Rieger: "Und es müsste ein Veranstalter, der die Risiken trägt und die Organisation übernimmt, gefunden werden. Die Stadt scheidet hier definitiv aus." Auch der Bauhof stoße bei der Mithilfe bei Festen mittlerweile an seine Grenzen. Man sei an der Grenze des Machbaren angelangt. "Wir sind tagelang im Einsatz, um verschiedene Veranstaltungen zu unterstützen", so der Bürgermeister.

Das könnte Sie auch interessieren

Innerhalb der Stadtfestgemeinschaft hat man sich an das Thema, wohin das Stadtfest während der Sanierung geht, bereits vorsichtig herangetastet. "Ja, das wurde schon einmal besprochen", sagt Matthias Aberle, Vorsitzender der Bürgerwehr. Aberle, der für seinen Verein an den Sitzungen teilnimmt, sagt auch, dass die Stadt darauf hingewiesen habe, sich über Alternativen Gedanken zu machen. Gesprochen habe man deshalb auch über eine Neuauflage des Seenachtsfests. Allerdings recht verhalten, ohne sich zu Details auszutauschen. Trotzdem könnte darin, dass sich zwangsläufig etwas verändern muss, auch eine Chance stecken, findet Matthias Aberle. Man müsse dann etwas Neues ausprobieren. Sein Verein könnte sich das vorstellen, auch wenn damit viel Arbeit verbunden wäre.

Innenstadtsanierung – das Großprojekt der kommenden Jahre

Mit der Innenstadtsanierung steht für die Stadt St. Georgen ein Großprojekt bevor, das sich über viele Jahre hinziehen und viel Geld kosten wird.

  • Zeitplan: Der Zeitplan ist noch nicht im Detail ausgearbeitet, planmäßig sollen die Arbeiten aber 2020 starten. Der Schwerpunkt liegt auf Marktplatz, Tiefgarage und Rathaus. Saniert werden soll auch der "Rote Löwen", wenn eine Machbarkeitsstudie, die gerade in Auftrag gegeben wurde, ein entsprechendes Ergebnis bringt. Dort könnte dann übergangsweise auch die Verwaltung einziehen.
  • Finanzieller Kraftakt: Das Projekt wird die Stadt zwischen 25 und 30 Millionen Euro kosten und stellt für die Finanzen der Stadt einen Kraftakt dar. Es wird über einige Jahre einen Großteil der finanziellen Investitionsmittel der Stadt binden. Zudem steht auch die Sanierung des Bildungszentrums auf dem Plan, die auch ein Millionenprojekt werden wird.
  • Sanierungsprogramm: Die Stadt ist nach ihrem Antrag in das "Städtebauliche Sanierungsprogramm" aufgenommen worden. Sie erhält so für die Sanierungsmaßnahmen finanzielle Unterstützung des Landes Baden-Württemberg. Nach Hoffnung der Verwaltung liegen sie bei bis zu 13 Millionen Euro. Der erste Teil des Geldes, 800 000 Euro, fließen bereits für das Jahr 2018. Damit wird unter anderem der Abriss des Torwartshäusles finanziert.