Es ist das dritte Mal in diesem Jahr: Immer wieder verursachen Wildschweinrotten größere Schäden auf den Weiden von Wilhelm Obergfell im Stockwald. "Das erste Mal waren die Wildschweine im Winter da. Das zweite Mal haben sie die Weiden kurz nach dem zweiten Schnitt Anfang August verwüstet", berichtet Obergfell. Nun waren die Wildschweine wieder unterwegs und haben eine von Obergfell gepachtete Weide verwüstet.

Doch wie sieht es aus, wenn eine Rotte Schwarzwild ein Gebiet umpflügt? Um dies zu zeigen, steigt Wilhelm Obergfell auf seinen Traktor und fährt von seinem Hof in den Dreihäusle den Stockwaldtalweg hinunter bis zu seiner Weide beim Spechtloch, gegenüber der Großbauerlinde.

Umgepflügte Felder und Weiden

Schon von Weitem wird sichtbar, was den Landwirt so verärgert: Große Teile der Wiese sind regelrecht umgepfügt. Das satte grün ist durchgehend mit braunen Sprenkeln durchzogen. Bei genauerem Hinsehen klaffen große Löcher in der Grasnarbe. Für Obergfell ist die ganze Sache ärgerlich: "Ich brauche vier Tage, um die Weide wieder herzurichten", erklärt der Landwirt im Gespräch mit dem SÜDKURIER.

Die Spuren der Wildschweine: Auf der Suche nach Futter pflügen die Wildschweine Weiden und Äcker regelrecht um. Der Schaden ist immer wieder beträchtlich.
Die Spuren der Wildschweine: Auf der Suche nach Futter pflügen die Wildschweine Weiden und Äcker regelrecht um. Der Schaden ist immer wieder beträchtlich. | Bild: Rodgers, Kevin

Landwirt kritisiert Jäger

Den möglichen Einsatz eines Wiesenhobels, der als Anhänger an einer Zugmaschine die Arbeit in weitaus weniger Zeit erledigen könnte, lehnt Obergfell mit Verweis auf die Kosten von 80 Euro pro Stunde ab. Stattdessen kritisiert Obergfell die zuständige Kommune Unterkirnach, auf deren Gebiet das gepachtete Feld liegt. "Hier am Waldrand stehen zwei Hochsitze. Und trotzdem sind fast nie Jäger zu sehen", klagt Wilhelm Obergfell. Er fordert, die aus seiner Sicht mangelnde Präsenz der Jäger zu verbessern.

Immer wieder hat Landwirt Wilhelm Obergfell Schäden durch Wildschweine zu beklagen. In diesem Jahr wurde er bereits zum dritten Mal heimgesucht.
Immer wieder hat Landwirt Wilhelm Obergfell Schäden durch Wildschweine zu beklagen. In diesem Jahr wurde er bereits zum dritten Mal heimgesucht. | Bild: Rodgers, Kevin

Bürgermeister weist Kritik zurück

Im Unterkirnacher Rathaus kann man Obergfells Kritik nur in Teilen nachvollziehen. "Die Wildschweinpopulation ist in den letzten Jahren aus verschiedenen Gründen extrem gewachsen. Gleichzeitig gibt es weniger Jäger als früher. Wer möchte denn noch mitten in der Nacht auf den Hochsitz klettern", erklärt Braun das Dilemma.

"Das infrage stehende Gebiet wird von der Stadt Villingen-Schwenningen bejagt, deren Jäger am absoluten Maximum ihrer Möglichkeiten angelangt sind." Andreas Braun, Bürgermeister Unterkirnach
"Das infrage stehende Gebiet wird von der Stadt Villingen-Schwenningen bejagt, deren Jäger am absoluten Maximum ihrer Möglichkeiten angelangt sind." Andreas Braun, Bürgermeister Unterkirnach | Bild: Rüdiger Fein

"Das infrage stehende Gebiet wird von der Stadt Villingen-Schwenningen bejagt, deren Jäger am absoluten Maximum ihrer Möglichkeiten angelangt sind", so Braun. Schwarzwild werde also durchaus bejagt, nur die Kapazitäten seien nun mal begrenzt. Der Bürgermeister signalisiert indes Verständnis für die Landwirte und bittet gleichzeitig auch um Verständnis auch für seine Kommune. "Ich werbe dafür, dass Grundstücksbesitzer, Jäger und die Kommune das Problem gemeinsam angehen und im Gespräch bleiben", erklärte Andreas Braun am Dienstag.