Es ist die Geschichte eines unterschätzten Rohstoffs, die Edgar Schmieder seit Jahrzehnten umtreibt. Der Physiker beschäftigt sich fast sein gesamtes Forscherleben mit Wasserstoff und seinen Möglichkeiten zur Energiespeicherung. Auch bei der St. Georgener Zukunftswoche stellte er am Mittwoch in der Fabrik Obergfell zusammen mit weiteren Wissenschaftlern vor, wie die Erzeugung und Nutzung von erneuerbaren Energien in Zukunft aussehen könnte.

Reines Wasser statt Abgase

Wie das in der Praxis – wenn auch im kleinen Format – funktioniert, zeigte Schmieder anhand eines kleinen Elektrolyse-Kreislaufs in den Ausstellungsräumen der Fabrik Obergfell. Wasser wird dabei mittels elektrischem Strom in Wasserstoff und Sauerstoff aufgespalten, wobei Ersteres anschließend in einer Brennstoffzelle zur Stromerzeugung genutzt werden kann. Und anstelle von klimaschädlichen Abgasen ist das Nebenprodukt aus der Brennstoffzelle nur reines Wasser.

Diese Art der Umwandlung, so gab er zu bedenken, sei aber nur nachhaltig, wenn auch die dazu notwendige Energie aus erneuerbaren Quellen stammt. Also wenn die Elektrolyse durch Strom aus Wind-, Solar- oder Wasserkraft betrieben wird.

Dennoch fristet Wasserstoff bis heute ein Nischendasein als Energieträger, was bei Schmieder Unverständnis hervorruft: „Die Technologie ist da und abrufbereit. Diese Chance müssen wir jetzt ergreifen, sonst wird Deutschland auch in diesem Bereich den Anschluss verlieren“ mahnte er. Bei der Windkraft und der Solarenergie sei dies nämlich bereits geschehen, da bestimmten jetzt vor allem chinesische Firmen den Markt.

„Ökonomisch unfairer Wettbewerb“

Denselben Fehler dürfe man beim Wasserstoff nicht wieder machen, betonte der Physiker. „Auch hier in St. Georgen ist die Infrastruktur für diesen Wandel längst da“, sagte er. Dass das Potenzial von Wasserstoff nicht ausreichend genutzt werde, liege aber nicht an der Technologie, sondern am „ökonomisch unfairen Wettbewerb, der den notwendigen Anstieg von erneuerbaren Energien bremst“, so Schmieder. Denn bislang ist die Elektrolyse aus fossilen Brennstoffen noch günstiger, als wenn sie mit Sonnenenergie oder Windkraft angetrieben wird.

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Von den nun angekündigten Klimaschutz-Plänen der Bundesregierung zeigte sich der Wissenschaftler entsprechend wenig begeistert: „So ändert sich nichts“, lautete sein Fazit. Dabei müsste man nicht nur bei der Energiegewinnung ansetzen, sondern auch bei deren Nutzung. „Wir vernichten beispielsweise ein Viertel unserer Lebensmittel, die mit einem immensen Energieaufwand produziert werden. Ressourcenverschwendung zu reduzieren, kann Technologie aber nicht leisten, das müssen wir schon selber machen.“

Beim Einsatz von Wasserstoff ist man anderswo weniger zögerlich. 614 Kilometer von St. Georgen entfernt, auf dem Gelände des Hamburger Hafens, wird gerade für mehrere Hundert Millionen Euro eine Elektrolyse-Anlage in industriellem Maßstab gebaut – angetrieben mit Windkraft aus der Nordsee.