St. Georgen – Des einen Freud, des anderen Leid. Während Sonnenanbeter und Freibadenthusiasten seit Wochen auf ihre Kosten kommen, stöhnen die Landwirte unter der permanenten Hitze und Trockenheit. Sowohl für die Milch- als auch für die Getreideproduktion wird die Lage zunehmend ernst.

Die Folgen der anhaltenden Witterungsverhältnisse sind nicht zu übersehen. Auf den Flächen, die von den Landwirten abgemäht wurden, wächst das Gras nicht mehr nach, die Grasnarben verfärben sich braun.

Braune Grasnarben verdeutlichen die angespannte Situation.
Braune Grasnarben verdeutlichen die angespannte Situation. | Bild: Sprich, Roland

„Regen wäre dringend notwendig“, sagt Junglandwirt Gerhard Klausmann aus Stockburg. Und beschreibt die prekäre Situation. „Die Weideflächen gehen uns aus, wir müssen bereits jetzt Futter an unsere 51 Kühe verfüttern, das eigentlich für die Wintereinlagerung gedacht war.“

Zudem muss er Futter zukaufen, was ebenfalls nicht einfach ist, weil es ja kaum etwas zum Zukaufen gibt. Neben der Futterproblematik hat Klausmann auch mit Einbußen zu kämpfen. „Den Kühen macht die Hitze natürlich auch zu schaffen, sie geben bis zu 20 Prozent weniger Milch.“

Genau gleich beschreibt Sandra Jäckle vom Leihwieserhof die Situation. Das Gras wächst nicht, wir haben nichts mehr zum Mähen.“ Auch der Getreideanbau leidet. „Das Getreide ist schon ziemlich reif und muss bald gedroschen werden. Normalerweise sollte das erst im September reif sein“, sagt Sandra Jäckle.

Armin Obergfell wendet und schwadet das Gras, das er auf seiner Weide gemäht hat. Viel ist es allerdings nicht, was dabei zusammen gekommen ist.
Armin Obergfell wendet und schwadet das Gras, das er auf seiner Weide gemäht hat. Viel ist es allerdings nicht, was dabei zusammen gekommen ist. | Bild: Sprich, Roland

Armin Obergfell, einer der wenigen Vollerwerbslandwirte aus dem Stockwald, kratzt mit dem Heuwender mühsam das wenig gemähte Gras zusammen. „Viel ist es nicht“, sagte er und deutet auf die flachen Grashügel.

Die Kühe machen sich über das Silagefutter her, das erst für den Winter gedacht war.
Die Kühe machen sich über das Silagefutter her, das erst für den Winter gedacht war. | Bild: Sprich, Roland

Georg Wentz aus Brigach muss seit zehn Tagen an die bereits eingelagerten Wintervorräte gehen, um seine Kühe satt zu kriegen. „Um die Kühe vor der Hitze zu schützen, lasse ich sie derzeit nachts auf die Weide. Aber da finden sie nichts zu fressen. Es sind jetzt noch drei Monate, wo ich die Tiere über den Sommer bringen muss.“

Der kurze Regenschauer in der Nacht zum Donnerstag hat nicht viel gebracht. Er hofft dringend auf ein paar Tage Regen. „Dann würde sich die Situation wieder etwas entspannen.“ Er sieht die derzeitige Hitze- und Trockenperiode als eindeutiges Zeichen für eine Klimaveränderung. „Und das jetzt bereits im vierten Jahr. Das stellt uns Landwirte vor große Herausforderungen.“ Dass die Politik inzwischen reagiert und den betroffenen Landwirten finanziell unter die Arme greifen will, sei dringend notwendig.

Baar steht besser da als der Schwarzwald

Bernhard Bolkart ist Vizepräsident des Badisch-Landwirtschaftlichen Hauptverbandes (BLHV). Er stellt fest, dass die Landwirte im Schwarzwald-Baar-Kreis und auf der Baar völlig unterschiedlich von der Situation betroffen sind. „In Donaueschingen ist derzeit noch alles im grünen Bereich, weil es dort die vergangenen Wochen immer wieder Niederschlag gegeben hat. Aber im Schwarzwald ist die Situation sehr angespannt.“

Bolkart spricht auch ein weiteres Problem an, nämlich das der Wasserversorgung. „Viele Betriebe haben Eigenwasserversorgung. Wenn die Quellen nicht mehr genügend schütten, wird es dramatisch.“ Immerhin verbraucht eine Kuh pro Liter produzierte Milch rund zehn Liter Wasser. Bei einer Milchleistung von 20 Litern pro Tag und bei einer Herde von 25 Kühen ergibt sind das 5000 Liter Wasser. Er unterstützt die Haltung der Politik, die Landwirte zu unterstützen, ebenfalls.