St. Georgen (kim) Nach alter Tradition wurde am Freitag in der evangelischen Lorenzkirche das Gedenken an den Tod Jesu bereits am Vormittag gefeiert. "Wir haben sechs Glocken, die schweigen aber bis zum Ostersonntag", verriet Pfarrer Friedemann Fritsch im Gespräch mit dem SÜDKURIER. Und am Karfreitag mache nur die Glocke mit den tiefsten Tönen, die zum Trauer-Ruf eingesetzt wird, auf die Feier in der Kirche aufmerksam, erklärte der Geistliche weiter in einem Gespräch mit dem SÜDKURIER.

Das Gotteshaus war jetzt bei der Feier mit Symbolen dekoriert, die zum Leidensweg Jesu passten. Auf dem Altar lagen schwarze Tücher neben Steinen mit einer Dornenkrone und seitlich vom Altar ragte ein riesengroßes Holzkreuz in die Höhe. Das Thema des Gottesdienstes hieß: Die Welt braucht einen Sündenbock. Gebete und Gesänge wechselten einander ab. Die Lieder wurden an der Orgel begleitet von Kantor Jochen Kiene. Nachdem die drei Kirchenältesten Gisela Wintermantel, Hans Zeeb und Daniela Hils mit verteilten Rollen die Leidensgeschichte aus dem Johannes-Evangelium vorgetragen hatten, hielt Friedemann Fritsch eine ergreifende Predigt. Er machte deutlich, dass bei jeder Katastrophe und jedem Verbrechen Schuldige gesucht werden. Es wird ein Sündenbock gesucht, den man verantwortlich machen kann. Schon im Alten Testament wird berichtet, dass der Hohenpriester am Versöhnungstag durch Handauflegung einem Ziegenbock die Schuld des ganzen Volkes auflud. Dann wurde der Sündenbock in die Wüste gejagt und die Menschen waren symbolisch von ihrer Schuld befreit. "Aber Gott allein kann unser Schuldproblem lösen", wusste der Pfarrer.

"Während Menschen nach Schuldigen suchen, ergreift Gott die Initiative. Jesus lässt sich zum Opfer machen, misshandeln, zu Tode foltern und in die Wüste jagen", sagte Fritsch. Jesus will der Sündenbock sein, er will auch heute den Menschen, die zu ihm kommen, die Schuld abnehmen und sie von ihrer Last befreien. Den Höhepunkt der Feier bildete das gemeinsame und sehr feierliche Abendmahl, an dem auch viele Jugendliche und Konfirmations-Bewerber teilnahmen.