Zusatzangebote werden abgesagt, Klassen zusammengelegt, Unterricht fällt aus – an vielen Schulen im ganzen Land herrscht Lehrerknappheit. Auch Gymnasien haben mit dem Problem oft zu kämpfen. Schulleiter Ralf Heinrich ist für das Thomas-Strittmatter-Gymnasium zuständig. Nach eigener Aussage halten sich die Probleme an seiner Schule in Grenzen. Die Schule nimmt Unterrichtsausfälle in Kauf, weil Schüler und Lehrer praxisnah geschult werden. Einige Eltern beschweren sich über zu häufige Ausfälle.

"Es fiel in diesem Jahr sehr viel Unterricht aus", klagt Claudia Kleiner, Elternbeiratsvorsitzende in der Robert-Gerwig-Grundschule. Eines ihrer beiden Kinder besucht die Robert-Gerwig-Schule, ihr anderes Kind geht aufs Gymnasium in St. Georgen. Im Vergleich zur Grundschule sind laut der Mutter die Kinder am Thomas-Strittmatter-Gymnasium schlecht versorgt. "Sie bekommen auch mal keine Arbeitsblätter und haben dann nichts zu tun", sagt sie. Vor allem während den Vorbereitungen der Kursstufe aufs Abitur würden andere Klassenstufen vom Lehrpersonal vernachlässigt. "Das Abitur steht an erster Stelle. Die anderen Klassen haben das Nachsehen", sagt sie. Auch zu Beginn des Jahres sei schon viel Unterricht ausgefallen.

Rektor Ralf Heinrich kann den Aufschrei einiger Eltern nicht nachvollziehen. "Schon am zweiten Schultag hatten wir erste Beschwerden", sagt er. Seine Schule habe sich auf eine alternative Form des Lernens geeinigt. In der offenen Schule unternehmen die Schüler viele Ausfahrten. Zudem sind Lehrkräfte angewiesen in Betriebe aus der Region zu blicken und das Gelernte in den Unterricht mit einfließen zu lassen. "Wenn viele Lehrer unterwegs sind, dann muss man Unterrichtsausfälle halt in Kauf nehmen", sagt Heinrich. Seine Schule setze auf qualitativ hochwertigen Unterricht. Quantität, also die erfüllten Unterrichtsstunden, werden vernachlässigt. "Wir setzen auf Qualität und nicht auf Quantität. Dass man beides erfüllen kann, ist undenkbar", sagt er. Dafür bräuchte er deutlich mehr Personal. Dieses Jahr sei eher weniger Unterricht ausgefallen, als im Schuljahr zuvor. "Bei uns fiel in diesem Schuljahr weniger als fünf Prozent des Unterrichts aus. Wir hatten keine Schwangerschaften oder längere Krankheiten", sagt der Schulleiter.

Das Thomas-Strittmatter-Gymnasium versucht, vor allem den Unterricht in der Unterstufe, dauerhaft zu gewährleisten. "Wir wollen unsere jungen Schüler dazu bringen eigenverantwortlich zu lernen. Das können die meisten dann ungefähr ab der neunten Klasse", erklärt Ralf Heinrich. Wenn Unterricht in den höheren Stufen ausfallen muss, dann bekämen die Schüler meistens Arbeitsblätter oder Aufgaben an die Hand, die sie dann Zuhause erarbeiten müssen.

"Der Arbeitsalltag der Eltern ist oft so eng getaktet, dass sie damit nicht klarkommen, wenn ihr Kind eine Stunde früher nach Hause kommt", kritisiert Heinrich. Seit zehn Jahren habe sich das Sicherheitsgefühl der Eltern verändert. Heute hätten Eltern häufig mehr Angst davor, dass ihrem Kind etwas passiert, wenn sie keinen Unterricht haben.

Auch Elternbeiratsvorsitzende Ute Lohmüller-Kieninger sieht das Lehrerproblem nicht so dramatisch. "Schwangerschaften kann man nicht einplanen. Wenn Unterricht ausfällt, muss man das in Kauf nehmen", sagt Lohmüller-Kieninger. Zudem könne sie eher mal eine ausgefallene Sportstunde verkraften, als Unterricht im Hauptfach. Dieses Jahr hätte die Elternbeiratsvorsitzende des Thomas-Strittmatter-Gymnasiums keine Beschwerde von Eltern erreicht, die in einer Sitzung der Elternvertreter diskutiert wurde.