Zusatzangebote werden abgesagt, Klassen zusammengelegt, Unterricht fällt aus – an vielen Schulen im ganzen Land herrscht Lehrerknappheit. Vor allem Grundschulen leiden laut dem Staatlichen Schulamt Donaueschingen unter dem Lehrermangel. Einige Schulleiter haben Mühe und Not, den Pflichtunterricht zu erfüllen. Rektor Jörg Westermann ist für drei Grundschulen in St. Georgen zuständig. Bei ihm halten sich die Probleme in Grenzen. Wenn es einmal eng wird, kann er auf eine pensionierte Lehrerin zurückgreifen, oder sucht andere kreative Lösungen, um den Unterricht nicht ausfallen zu lassen. Im Vergleich zu vielen anderen Schulen im Landkreis blickt Westermann recht entspannt aufs kommende Schuljahr.

Fortbildungen oft problematisch

"Es wird vor allem dann schwierig, wenn Kollegen auf Fortbildungen sind und sich zusätzlich andere krank melden", zieht Jörg Westermann für das vergangene Schuljahr Bilanz. Die Lage sei grundsätzlich angespannt und das schon seit Jahren. Trotzdem bleibt der Mann, der für die Robert-Gerwig-Grund- und Werkrealschule, die Rupertsbergschule und die Grundschule in Peterzell als Rektor gleichermaßen verantwortlich ist, gelassen: "Es könnte natürlich besser sein, aber wenn ich meine Schulen mit anderen vergleiche, dann sind wir ganz gut weggekommen", sagt er.

Kleine Schulen sind betroffen

Je kleiner die Schule ist, desto schwieriger ist es, Ausfälle zu kompensieren. Vor allem die Grundschule in Peterzell ist laut Westermann deshalb öfter und stärker vom Lehrermangel betroffen. "Früher gab es Krankheitsvertreter, die dann auch für Krankenausfälle da waren. Heute werden sie in der Regel zu Beginn des Schuljahres bereits gebraucht, weil Junglehrer den Dienst zum Beispiel nicht antreten. Dann fallen diese wichtigen Vertretungen während des Schuljahres weg."

Lehrer arbeiten an zwei Schulen

Auch deshalb kommt es vereinzelt vor, dass Lehrer spontan an anderen Schulen aushelfen müssen. Vor allem bei längeren Ausfällen, etwa wegen Fortbildungen, unterrichten sie dann an mehreren Schulen gleichzeitig. Westermann wägt dann ab, für welche Lehrkräfte der Aufwand zumutbar ist. Alle hätten dabei stets ein Mitspracherecht. "Einige müssen sowieso über die Bundesstraße nach St. Georgen. Für die ist es einfacher, dort einen Stopp einzulegen, zwei Stunden zu unterrichten und dann weiter an die Robert-Gerwig-Schule nach St. Georgen zu fahren", erklärt er. Oft komme das jedoch nicht vor und sei nicht die Regel.

Pensionierte Lehrer helfen aus

Ein Segen für den Schulleiter: Einige pensionierte Lehrer treten den Dienst ersatzweise an, wenn Stunden ausfallen. Das ist meistens jedoch nur möglich, wenn der Ausfall geplant ist, wie etwa bei Fortbildungen, die schon Wochen oder Monate vorher angekündigt werden. "Das ist auch in Ordnung. Für viele lohnt es sich nicht, obwohl der Stundenlohn nicht zu verachten ist.", sagt Westermann mit zufriedener Miene. Lehrer, die aushelfen, machen das jedoch nur maximal vier Jahre. Das hat laut Westermann auch einen logischen Grund. Da die Grundschule bis zur vierten Klasse läuft, kennen die pensionierten Lehrkräfte diese Schüler noch. "Für sie ist es wichtig, die Bindung zu haben. Wenn das dann ganz neue Schüler sind, dann fehlt die einfach", erklärt er. Ende dieses Jahres verlässt eine Lehrerin Westermanns Standorte. Deshalb blickt er fast entspannt in die Zukunft. "Wir haben bislang alles geschafft. Ich kann mich auf das Personal gut verlassen und der Altersdurchschnitt der Lehrer liegt bei uns unter 40 Jahren." Das sei eine sehr gute Ausgangssituation.

Keine Abordnungen im Schuljahr

Schulen, die unter dem Dach des Staatlichen Schulamts Donaueschingen stehen, arbeiten laut Westermann sehr solidarisch zusammen. Wenn irgendwo der Pflichtunterricht dauerhaft nicht mehr erfüllt werden kann, dann, so Westermann: "Gibt es auch mal die ein oder andere Abordnung. Das kommt jedoch sehr selten vor." Die letzte Abordnung des Schulamts Donaueschingen, das für die Personalplanungen an den Schulen im Schwarzwald-Baar-Kreis zuständig ist, sei rund vier Jahre her und werde immer mit dem Schulleiter im Dialog abgesprochen. Für Westermann ist das ein ganz normaler Vorgang – man hilft sich eben. Er könne sich auch auf seine Kollegen verlassen, wenn bei ihm einmal zu viele Lehrer ausfallen sollten.

Eltern führen Umfrage durch

So rosig wie an Westermanns Schulen blicken nicht alle Rektoren ins nächste Schuljahr. Einige Eltern wollen sich die Zustände an ihrer Schule nicht mehr gefallen lassen und wehren sich. Nach einer von Elternvertretern erhobenen repräsentativen Umfrage zum Unterrichtsausfall an Gymnasien im Regierungsbezirk Stuttgart haben allein in den ersten neun Wochen des laufenden Schuljahrs 13,49 Prozent des Unterrichts nicht wie geplant stattgefunden. 7,81 Prozent des Unterrichts hätten überhaupt nicht stattgefunden. 5,68 Prozent seien als Vertretungsunterricht gehalten worden. Für 3,32 Prozent des Ausfalls waren demnach Fortbildungen und Studienfahrten die Ursache. Über das gesamte Schuljahr gehen die Elternvertreter noch von weitaus mehr ausfallenden Unterrichtsstunden aus.

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Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) zeigte zwar Verständnis für die Initiative der wütenden Eltern, ohne jedoch die vorgelegten Zahlen zu kommentieren: „Ich halte das Anliegen der Eltern, über den Unterrichtsausfall informiert zu werden, absolut für nachvollziehbar."

 

Lehrerversorgung im Kreisgebiet

  • Einen Ausblick aufs kommende Schuljahr über die 160 Grundschulen mit rund 24 500 Schülern im Schwarzwald-Baar Kreis kann das zuständige Schulamt in Donaueschingen noch nicht geben. „Was wir sagen können: Auch im nächsten Jahr werden wir mit dem Lehrermangel zu kämpfen haben. Es gibt einfach zu wenige“, erklärt Sabine Rösner vom Schulamt. Derzeit stecke man mitten in der Bewerbungsphase für Nachwuchslehrer. Sie könnten die angespannte Situation entlasten.
  • Ausschreibungen von 100 Stellen im gesamten Landkreis stehen aus. "Wir hoffen, dass wir die freien Plätze füllen können und damit im nächsten Jahr etwas mehr Ruhe haben", erklärt sie. Dank des hervorragenden Einsatzes von Schulleitungen und Lehrkräften könne der Pflichtunterricht in der Regel an den meisten Schulen im Schwarzwald-Baar Kreis erteilt werden. Pensionäre, Rückkehrerinnen aus der Elternzeit und Krankheitsvertreter seien überall im Einsatz gewesen. „Auch von Teilzeiterhöhungen auf Vollzeit und Abordnungen machen wir Gebrauch. Das ist aber kein neues Phänomen. Das machen wir schon seit Jahren so“, sagt sie.
  • Die Ursache für den Lehrermangel verortet Rösner nicht im unpopulären, pädagogischen Berufsfeld allgemein. "Ich glaube, viele wollen heute noch Lehrer werden", sagt sie. Es gebe jedoch immer mehr Kinder, die an den Schulen unterrichtet werden müssen. Zudem hätte sich die Ausbildung zum Grundschullehrer verändert. "Heute gibt es das Studium mit Primar- und Sekundarstufe. Dadurch zieht sich das Studium in die Länge." Nächstes Jahr werde es noch einmal eng. Im Jahr darauf sollte die Umstellung des Studiums laut Rösner dann an den Schulen nicht mehr zu spüren sein.