Insgesamt elf Millionen Tonnen Lebensmittel landen jährlich in Deutschland im Mülleimer, das geht aus den Zahlen des Bundeszentrums für Ernährung hervor. Da denkt man doch auch noch mal ganz genau über die Supermärkte in seiner Umgebung nach und fragt sich: Wie sieht es eigentlich vor meiner Haustür aus? Wir haben uns einmal umgehört, bei den Geschäften in der Bergstadt und die Gretchenfrage gestellt: Sagt, wie halten sie es mit dem Wegwerfen von Lebensmitteln?

Ulrich Haas, Marktchef des hiesigen Edekas erzählt, was sie tun, um keine Produkte wegzuschmeißen. „Zuallererst, werden bei uns Sachen um 50 Prozent reduziert, wenn sie in Richtung des Verfallsdatums gehen“, sagt er. Zu 80 Prozent werden diese dann auch noch verkauft. „Wenn dann allerdings noch Sachen überbleiben, geht ein Teil davon an die Tafel und an die Mitarbeiter.“ Dennoch kommt es auch bei ihnen vor, dass Produkte weggeschmissen werden müssen. „Vor allem Obst und Gemüse muss hin und wieder weggeschmissen werden, weil wenn es schimmelt, ist es einfach nicht mehr zum Verzehr geeignet“, sagt er.

Auch die Besitzerin des Obst und Gemüse Ladens Yücel, Hürü Yücel, achtet darauf, dass nichts weggeschmissen wird. „Ich kaufe immer nur so viel ein, wie ich auch verkaufe, ich schmeiße nie etwas weg“, sagt sie. Wenn mal etwas braune Flecken bekommt, verschenkt sie diese Produkte entweder an die Kunden oder nimmt es mit nach Hause. „Wenn das Wochenende naht, reduziere ich auch manche Produkte und dann werden sie auch meist verkauft“, sagt Hürü Yücel.

Im Laden von Hürü Yücel wird so gut wie nichts weggeworfen. Wenn Gemüse oder Obst einmal ein paar braune Flecken bekommt, dann verschenkt Yücel es an ihre Kunden.
Im Laden von Hürü Yücel wird so gut wie nichts weggeworfen. Wenn Gemüse oder Obst einmal ein paar braune Flecken bekommt, dann verschenkt Yücel es an ihre Kunden. | Bild: Lea Spormann

Wir haben auch allen anderen Discountern und Supermärkten in der Bergstadt (Norma, Aldi, Rewe, Lidl) die selbe Anfrage geschickt. Geantwortet hat jedoch nur Lidl. „Die Filialmitarbeiter prüfen im Rahmen unseres Frischekonzepts täglich und systematisch die Haltbarkeitsdaten der Lebensmittel„, so der Pressesprecher Mario Köhler. Wenn ein Produkt schon näher an sein Ablaufdatum heranrückt, verfolgt auch Lidl ein ähnliches Konzept wie Edeka.

Als Erstes werden die Produkte erheblich reduziert, um diese noch attraktiver anbieten zu können. „Darüber hinaus pflegen wir seit mehreren Jahren eine gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Tafeln“, erklärt Köhler. Doch sogar wenn die Lebensmittel nicht mehr zum Verzehr geeignet sind, hat Lidl noch eine Alternativ-Lösung, um die Lebensmittel nicht zu verschwenden. „Lebensmittel, die nicht mehr verkaufsfähig sind und nicht mehr gespendet werden können, werden zur Herstellung von Bio-Methan in Biogasanlagen transportiert“, sagt er. Mit diesem System komme es bei Lidl sehr selten zu Abfällen.

Szenenwechsel: Ingeburg Jasikovic arbeitet schon über zehn Jahre bei der Tafel in St. Georgen. Derzeit wird die Tafel von Aldi, Lidl, Edeka, Penny und Netto beliefert, wie sie mitteilt. „Obst und Gemüse bekommen wir überwiegend von den Geschäften, das haben wir mehr als genug. Wir würden uns vor allem aber mehr Nudeln und Salat Öl für die Kunden wünschen, da diese Dinge sehr gering vorhanden sind aber auch gefragt“, sagt sie.

Monika Scherer (rechts) und Ingeburg Jasikovic arbeiten seit Jahren im Tafelladen in St. Georgen. Sie würden sich wünschen, dass Menschen bewusster einkaufen.
Monika Scherer (rechts) und Ingeburg Jasikovic arbeiten seit Jahren im Tafelladen in St. Georgen. Sie würden sich wünschen, dass Menschen bewusster einkaufen. | Bild: Lea Spormann

Aber selbstverständlich sind die Mitarbeiter auch froh über die Beteiligung der Läden. Lebensmittelverschwendung ist für Ingeburg Jasikoviv ein großes Thema: „Ich finde es wirklich schlimm, wenn Lebensmittel weggeschmissen werden“. Sie selbst schaut vor allem danach, bewusst einzukaufen und ihre Augen nicht größer werden zu lassen als Hunger und Verbrauch. Sie wünscht sich, dass in Zukunft mehr Leute darauf achten und bewusster einkaufen.

Drei Tipps für den eigenen Kühlschrank

Die zwei Mitarbeiterinnen der Tafel, Monika Scherer und Ingeburg Jasikovic, geben drei Tipps, wie man auch zu Hause der Lebensmittelverschwendung ein wenig Herr werden kann.

  • Die beiden empfehlen, dass man beim Einkaufen vor allem darauf achten sollte, dass die Augen nicht größer werden als alles andere. Es sollte bewusst eingekauft werden. Dazu hilft es, nicht mir leerem Magen dafür aber mit einem Einkaufszettel loszuziehen.
  • Wenn Lebensmittel alt werden, sollte man versuchen, Resteverwertung zu betreiben. Bei Gemüse und Fleisch zum Beispiel in Form eines Eintopfs oder bei älterem Obst in Form eines Smoothies.
  • Beim Einkaufen immer auch auf das Ablaufdatum achten. Damit man weiß, wie lange die Lebensmittel überhaupt noch haltbar sind und wann sie gegessen werden sollten.