Für die Stadt St. Georgen war es Ende April eine freudige Nachricht. Die Firma Wahl aus Unterkirnach wolle ihre Produktion auf das Grässlin-Areal im Hagenmoos verlagern. Mit 240 Arbeitsplätzen wäre die Firma unter den größten Arbeitgebern der Stadt. Nun habe Wahl möglicherweise doch ein Interesse daran, in Unterkirnach zu bleiben. Die Zeit könnte gegen einen Umzug nach St. Georgen sprechen.

  • Erneut Gespräch gesucht: Die Firma Wahl hat erneut das Gespräch mit Unterkirnachs Bürgermeister Andreas Braun gesucht. Nach SÜDKURIER-Informationen ging es in dem Gespräch darum, dass die Firma Wahl nun möglicherweise doch in Unterkirnach bleiben will und dort auf einer anderen Fläche erweitert. Der Grund dafür ist, dass es möglicherweise zu Verzögerungen beim Bau auf dem Grässlin-Areal in Peterzell kommen könnte.
  • Bebauungsplan fehlt noch: Für das Grässlin-Areal gibt es derzeit noch keinen Bebauungsplan. Sobald es für das Gelände also einen Bauantrag gibt, einen solchen würde Wahl einreichen müssen, ist auch ein Bebauungsplan nötig. Wie lange ein solches Verfahren dauern würde, ist schwer vorhersehbar, weil mehrere Behörden beteiligt sind.
  • Bürgermeister zuversichtlich: "Die Stadt St. Georgen macht ihre Hausaufgaben", sagt Bürgermeister Michael Rieger in Bezug auf den Plan der Firma Wahl, ins Hagenmoos zu ziehen. Für das Grässlin-Areal müsse man einen Bebauungsplan aufstellen. "Das geht in St. Georgen aber nicht schneller oder langsamer als andernorts", sagt Rieger. Er sehe deshalb "keine Probleme".
  • Verkauf vor Abschluss: Auf SÜDKURIER-Anfrage sagt Paulina Kowalkowska, Direktorin der Grässlin GmbH, dass man dabei sei, den Verkauf an die Firma Wahl zu "finalisieren". "Uns ist nicht bekannt, dass die Firma Wahl Rücktrittsabsichten hat", sagt Paulina Kowalkowska. Das Grundstück stehe, wie bereits bekannt, ab dem dritten Quartal zur Verfügung.
  • Keine Aussage von Wahl: Wie es mit der Firma Wahl am Standort Unterkirnach nun weitergeht und ob der Umzug nach Peterzell wie angekündigt stattfinden wird, darüber hält man sich bei der Firmenleitung derzeit bedeckt. Eine Presseanfrage blieb am gestrigen Montag unbeantwortet. Daher bleibt auch die Frage, ob man von dem fehlenden Bebauungsplan wusste, ungeklärt. Man werde sich erst am Donnerstag öffentlich äußern, hieß es.
  • Schweigen vor Ratssitzung: Unterkirnachs Bürgermeister Andreas Braun hüllt sich derweil darüber in Schweigen, ob es Verhandlungen mit der Firma Wahl über deren Verbleib in der Gemeinde gibt. Er werde sich zu dem Thema erst wieder bei der heutigen Gemeinderatssitzung äußern.

 

Chronologie der Wahl-Pläne

Die Firma Wahl, die früher Kuno Moser GmbH hieß, wollte ursprünglich an ihrem Sitz in Unterkirnach erweitern. Zuletzt wurde bekannt, dass Wahl beabsichtigt, das Grässlin-Areal in Peterzell zu kaufen. Eine kurze Chronologie:

  • Pläne im Januar: Im Januar dieses Jahres vermeldete das Unternehmen, damals in einem gemeinsamen Pressegespräch mit Bürgermeister Andreas Braun, dass man am Standort erweitern wolle. Man brauche mehr Platz, wolle in Unterkirnach eine zweistellige Millionensumme investieren. Unterkirnachs Bürgermeister Andreas Braun sprach von einem „historischen Tag für die Gemeinde Unterkirnach“.
  • Große Diskussionen: Die Firma Wahl hätte dann in Unterkirnach zwei Standorte betrieben, die räumlich voneinander getrennt wären. Der Neubau auf dem sogenannten Gutmann-Areal sorgte für große Diskussionen in der Bevölkerung. Man fürchtete Lärm und viel Verkehr.
  • Peterzell als Chance: Die räumliche Trennung und die Verkehrsanbindung dürften die ausschlaggebenden Argumente für Wahl gewesen sein, weswegen man Ende April bekannt gab, nun doch einen Umzug anzustreben und das Grässlin-Areal in Peterzell zu übernehmen. „Für Unterkirnach ist es eine Katastrophe, den größten Arbeitgeber zu verlieren“, sagte Andreas Braun nach dieser Nachricht. (pga)