Die Bergstadt ist eng mit der Uhrmacherei und der Feinmechanik verknüpft, wenn auch in der heutigen Zeit andere Gewerke ihren Platz gefunden haben. Sie sind auch Ursprung der Plattenspieler-Herstellung. Um diese für die Stadt prägende Zeit der Industrie wird es am Donnerstag, 28. März, gehen, wenn im Rahmen der Reihe "Bergstadt Industriewelt" im Forum am Bahnhof (FAB) über die früheren Firmen Dual und PE in Wort und Bild berichtet werden wird.

Die Anfänge der Industrie in St.Georgen liegen bereits mehr als 150 Jahre zurück. Mit der Herstellung von Schwarzwalduhren hat es angefangen und seit etwa 1700 sind Familien und Personen bekannt, die sich als Uhrmacher, Gestellmacher, Schildermaler, Räderdreher oder Uhrenhändler mit diesem Handwerk beschäftigten.

Die frühen Geschlechter solcher Uhrmacher-Dynastien finden wir zunächst in den umliegenden Orten Peterzell, Brigach, Oberkirnach, Stockwald und Langenschiltach, denn im Ort selbst waren aus der Klosterzeit noch die damals üblichen Handwerksbetriebe wie Sattler, Schmiede, Bäcker, Metzger angesiedelt. So gehen auch die Gebrüder Steidinger, also die Gründer der Firmen Dual und PE auf diese frühen Heimuhrmacherwerkstätten zurück.

Aus den Ortschroniken von Peterzell und Stockwald ist uns der Wirt der Schildwirtschaft „Löwen“ in Peterzell, damals noch in der Ortsmitte, mit Namen Hansjerg Steidinger, geboren 1700, bekannt. Aus seiner kinderreichen Familie gibt es Beziehungen zur Uhrmacherei, denn Steidingers Sohn Jacob, geboren 1729, genannt „Des Wirts Jockel“ erwarb wohl in der Andreas-Müller-Werkstatt in Brigach, genauso wie seine Schwestern Maria und Salome die Kenntnisse der Uhrmacherei.

Jacob Steidinger heiratete in den Stockwald und übernahm dort im Krumpenloch 1 das Anwesen von seinem Schwiegervater. Seine Söhne Christoph und Johann Georg waren ebenfalls Uhrmacher und aus der Familie Christoph Steidinger entstammt Sohn Joseph, welcher wohl ein besonders geschickter Uhrmacher wurde. Er gründete eine vielköpfige Familie und begründete eine Uhrenteile-Fabrikation, wo man Wellen, Räder und Uhrenteile, aber auch kleine Produktionsmaschinen für die vielen benachbarten Heimuhrmacher herstellte. Weil man damals Uhrenwellen auch „Spindeln“ nannte, wurde aus dem Steidinger Joseph „Dä Spindlä-Sepp“. Bekannt und bis heute erhalten haben sich seine Spindelbohrapparate, welche er signiert hat, und welche in der damaligen Fachwelt große Beachtung fanden.

Christian Steidinger, geboren 1839, Josephs Sohn, heiratete später nach St. Georgen und richtete im Haus seiner Schwiegermutter eine Werkstatt zur Herstellung von Uhrenteilen ein, und es war natürlich nicht verwunderlich, wenn er dann „Spindlä-Christä“ genannt wurde.

Spindelbohrmaschine zum Bohren der Löcher in die Metallscheiben (Holz oder Messing) von Hohltrieben der Antriebsräder von Uhren. Hersteller war Josep Steidinger, Vater von Christian senior.
Spindelbohrmaschine zum Bohren der Löcher in die Metallscheiben (Holz oder Messing) von Hohltrieben der Antriebsräder von Uhren. Hersteller war Josep Steidinger, Vater von Christian senior. | Bild: Phonomuseum

Seine Werkstatt und die Qualität seiner Uhrenteile wurden in der ganzen Region bekannt und Christian konnte immer wieder gute Aufträge verzeichnen. Er hatte für sich und seine Mannschaft ein besonderes Drehwerkzeug ersonnen, welches er absolut geheim hielt. Es war der „Fräskopf mit Buchs und Messerle“, mit welchem man Drehteile schneller und genauer fertigen konnte als die Wettbewerber.

Das Geschäft lief sehr gut, seine beiden Söhne Christian, geboren 1867, und Joseph, geboren 1873, lernten im väterlichen Betrieb und arbeiteten fleißig mit. Christian Junior gründete 1897 eine eigene Familie und entschloss sich im Jahr 1900 ein Wohnhaus mit Werkstatt an der Ecke Sommerauer-Straße/ Leopoldstraße zu bauen. Die Werkstatt im Untergeschoss wurde Zug um Zug modernisiert. 1905 schloss sich Bruder Joseph mit seiner Werkstatt dem Betrieb von Christian an und ein Erweiterungsbau auf dem Grundstück seiner Schwiegermutter konnte in Angriff genommen werden.

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Im Jahr 1907 wurde dann die gemeinsame Firma „Gebrüder Steidinger, Fabrik für Feinmechanik" gegründet, welche in den Folgejahren kontinuierlich erweitert wurde. Durch die Produktion von ersten Federlaufwerken für die neu aufgekommenen Grammophone, zunächst noch für externe Firmen, stieg die Firma Gebrüder Steidinger in diesen neuen Geschäftsbereich ein, welcher vom grundsätzlichen Aufbau den schon bekannten Uhrwerken und deren Einzelteilen ähnelte. Mit dieser Entscheidung waren die Weichen für die Zukunft auf „Freie Fahrt“ gestellt.

Die Federlaufwerke wurden kontinuierlich weiterentwickelt und die Geschäfte liefen gut, allerdings entstanden größere Spannungen zwischen den Brüdern, welche dazu führten, dass sich Joseph von Christian trennte und eine eigene Firma "Perpetuum" gründete, aus der später die bestens bekannte Firma PE entstand. Christian arbeitete in der Firma Gebrüder Steidinger zielstrebig weiter und erreichte mit dem Markennamen Dual ebenfalls Weltgeltung.