Stadtgarten zuwenig genutzt

Kontrovers diskutiert wird diese Woche der Meinungsbeitrag vom vergangenen Samstag. Unter dem Titel „Der Heimat gehen die Menschen aus“ hat sich unser aus St. Georgen stammender Volontär Kevin Rodgers mit jugendrelevanten Themen in seiner Heimatstadt auseinandergesetzt. Weitere Leserbriefe drucken wir in der nächsten Woche ab.

Super! Endlich bringt es jemand auf den Punkt! Der öde und vernachlässigte Stadtgarten ist auch noch so ein Thema. Im Sommer könnte man dort die tollsten Konzerte und Veranstaltungen machen. Dann kämen sich die Menschen auch mal wieder ein bisschen näher.

Inge Emmert, St. Georgen

Anstrengungennicht gewürdigt

Ein Leserbrief eines ehemaligen FDP-Gemeinderats

Sie bedauern, dass junge Leute St. Georgen zum Studium und der anschließenden Berufsausübung verlassen. Dahinter steht ein aktuelles gesellschaftliches Phänomen, das Sie aber als einen hervorstechenden Makel St. Georgen anheften. Wo bleibt Ihre Beschreibung der enormen Anstrengungen der Stadt, der einheimischen Wirtschaft und der Bürgerschaft, diesem gesellschaftlichen Trend entgegenzuwirken? Das integrierte Stadtentwicklungskonzept. Der Jugendgemeinderat. Glauben Sie denn ernsthaft, dass Sie mit Ihren Essays, Berichten und Kommentaren jene „verlorenen“ St. Georgener wieder zurückgewinnen können?

Gerhard Mengesdorf, St. Georgen

Alter Schwarzwaldverschwindet

Eine Stimme aus der heimischen Gastronomie.

Schön geschrieben und wie wahr. St. Georgen ist und bleibt eine Industriestadt, so hat mich mal ein bekannter Firmenchef ermahnt. Wie oft wurde man getreten, wenn man anderer Ansicht war und im Tourismus und gesellschaftlich etwas auf die Beine stellen wollte. Aber hier zählt: Wer Geld hat, der weiß es auch besser und bekommt freie Hand. Der Rest ist eher sparsam, sieht man öfters andernorts oder gibt das Geld im Urlaub aus. Dort wird Hummer gegessen und hier ein halber Wurstsalat. Urlauber kennen Beton aus ihrer Heimat, aber den Schwarzwald, den sie hier suchen, der verschwindet immer mehr.

Antje Wiedemann, St. Georgen

Fehlanzeige beiHerrenmoden

Beobachtungen zum Einzelhandel

Der Bericht hat mir sehr gefallen und der Inhalt ist voll treffend geschrieben. Ich bin 1962 in St. Georgen geboren, hier aufgewachsen und werde wohl dieses Städtchen nicht mehr verlassen. Die Stadt ist insgesamt zu schmutzig und zugemüllt, besonders um den Marktplatz und hier und da in verschiedenen Hofeinfahrten und Privatgrundstücken. Ein gemütliches Gasthaus mit deutscher, gut bürgerlicher Küche fehlt. Die “Stadt Frankfurt“ ist das Einzige, aber vielleicht ändert sich das, wenn das „Federwerk“ fertiggestellt ist. Es fehlt auch ein Herrenmodegeschäft. Wir haben nur einen einzigen Laden, dessen Angebot für Herren ab 50 gilt. Unser Sohn könnte dort höchstens ein Paar Socken kaufen. Darum braucht man sich nicht wundern, wenn viele Leute auswärts kaufen. Ich selber bemühe mich, unseren Einzelhandel zu unterstützen, aber das Internet wird das Ladensterben vorantreiben. Mein Motto: „Fahr net fort, kauf im Ort!“ Insgesamt bin ich mit meiner Familie in St. Georgen gut versorgt. Das kulturelle Angebot ist vielseitig, die Vereine sind sehr aktiv und die ansässige Jugendmusikschule ist eine sehr gute Adresse. Das Stadtfest könnte meiner Meinung nach nur alle zwei Jahre stattfinden, beziehungsweise mit einem Seenachtsfest im Wechsel. Ich vermisse die Kleinkunstbühne im Klosterhof sehr, für die Kleinsten gibt es kein Karussell und keine Hüpfburg mehr, schade! Auch der Stadtgarten hat schon bessere Zeiten gesehen. Die schöne Minigolfanlage rettet das Gesamtbild leider nicht.

Brigitte Schuh, St. Georgen

Nichtsdestotrotz eine tolle Gegend

Die politischen Beteiligungsmöglichkeiten könnten hier besser sein.

Vielleicht liegt es auch daran, dass sich die Jugend nicht verstanden fühlt, ähnlich wie in dem Artikel darüber gesprochen wird, dass die Protestwähler von der Politik ernstgenommen werden wollen? Noch ein Punkt ist, dass es nicht so einfach ist, neue Menschen kennenzulernen. Du musst in Vereine eintreten und sehr viel aktiver werden als in Städten. Hinzu kommt, dass mir hier politisch zu wenig geht, vor allem bei Themen, die mich interessieren. Ich empfinde es als sehr konservativ und einengend. Nichtsdestotrotz, es ist eine tolle Gegend und sie bietet meiner Meinung nach schon viel Potenzial. Und auch das schätzen junge Menschen: Bezahlbaren Wohnraum und gute Jobchancen, weil vor lauter Gentrifizierung sich die Menschen das Leben in der Stadt nicht mehr leisten können.

Amina Günter, Freiburg im Breisgau

Menschen und Vereine beleidigt

Der Bürgermeisterstellvertreter sieht eine völlige Fehleinschätzung

Bei welchen „Oldies“ herrscht großer Redebedarf? Es brodelt in den Menschen von St. Georgen – was für ein Schwachsinn und welches Bild wird hier aus St. Georgen nach außen getragen. Natürlich haben auch wir mit dem demografischen Wandel zu tun, und versuchen unsere Stadt auf diese und viele Veränderungen vorzubereiten. Nichts schreiben Sie über die Anstrengungen der Verwaltung und des Gemeinderates für den Erhalt des „TB“ in ein Hotel zu planen. Die für die Zukunft sehr wichtige komplette Breitbandversorgung mit schnellem Internet. Die Zukunft wird vieles bringen was die Menschen heute zum Teil noch nicht erfassen können, und dafür wollen wir vorsorgen! Sie beleidigen mit diesen Stammtischparolen die Menschen und die Vereine, die sehr viel Zeit und Engagement für das Stadtfest und den Weihnachtmarkt aufbringen und die Feste und Veranstaltungen organisieren.

Manfred Scherer, St. Georgen

Gegen gesichtsloseneue Architektur

Wenn stadtbildprägende Gebäude verschwinden, verlieren Menschen ihre Heimat.

Ich bin Bürger von Rohrbach. Aufgewachsen bin ich in Furtwangen, weshalb mich der Artikel auch angesprochen hat. Hier kann man von nahezu identischen Verhältnissen ausgehen. Ähnlich wie in St. Georgen verschwinden auch im Stadtkern von Furtwangen die stadtbildprägenden Gebäude, die für viele Generationen von Menschen eine Bedeutung und ein Erkennungsmerkmal ihrer Heimat dargestellt haben. Hintergrund war der Erhalt verschiedener, teils denkmalgeschützter und geschichtsträchtiger Gebäude in Furtwangen. Ersetzt werden sie durch „Freiflächen“ wie Parkplätze oder gesichtslose moderne Büro- und Wohnkuben, mit denen sich niemand mehr identifiziert. Im Beispiel Furtwangen haben ein paar Bürger den Verein „Schwarzwälder Baukultur Furtwangen e. V.“ gegründet. Hintergrund ist der Erhalt geschichtsträchtiger Gebäude, denen ein Schicksal als Parkplatz oder Studentenwohnheim bevorstand. Wir möchten den Menschen die Einzigartigkeit und Kunstfertigkeit der Bauwerke näher bringen, da man selten das zerstört, was man wertschätzt. Die Wiederbelebung der Geschäfte in den Zentren geht einher mit regionaltypischen Bauwerken, davon bin ich überzeugt.

Michael Woelki, Furtwangen-Rohrbach

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