Das nächste St. Georgener Großprojekt kündigt sich an – und es wird wieder viele Millionen Euro kosten. Genau aus diesem Grund kann es zeitlich auch erst nach der Innenstadtsanierung umgesetzt werden. "Wir können nicht alles auf einmal angehen", sagte Bürgermeister-Stellvertreter Joachim Kleiner. Gemeinderat Oliver Freischlader (SPD) sagte: "Diese Reihenfolge ist der Not geschuldet." Das Gremium hat sich nun aber am Mittwoch mit dem ersten Entwurf einer Entwicklungsplanung beschäftigt. Darin ist festgehalten, wie es mit den vier Standorten der staatlichen Schulen weitergeht. Teil des Konzeptes sind das Bildungszentrum (Thomas-Strittmatter-Gymnasium und Realschule), die Robert-Gerwig-Schule, die Rupertsbergschule mit dem Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrum (SBBZ) und die Grundschule in Peterzell. Fragen und Antworten zu den Veränderungen, die in dem Entwicklungsplan angedacht sind.

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  1. Warum herrscht Handlungsbedarf? Die Anforderungen an eine moderne Lernumgebung haben sich verändert. Die Gebäude der Schulen wurden vor Jahrzehnten entsprechend der damaligen pädagogischen und gesellschaftlichen Situation gebaut. Schon seit 2014 wird deshalb schulübergreifend daran gearbeitet, wie ein neues Konzept aussehen kann. Alle Verantwortlichen der Schulen haben an dem Konzept, das nun Diskussionsgrundlage ist, mitgearbeitet.
  2. Wie groß ist der Sanierungsbedarf? Es gibt bauliche Mängel und daraus resultierend einen Sanierungsbedarf. Gleichrangig geht es bei dem thematisierten Konzept aber um die übergeordnete und pädagogische Ausrichtung der Schulen. Hinzu kommen in dieser Planung Dinge, die beim Bau der Schulen nicht berücksichtigt wurden. Daraus ergibt sich für die heutige Zeit ein erhöhter Raumbedarf. Beispielsweise hat sich die Situation in Sachen Ganztagesbetreuung und Inklusion verändert. Auch für eine Mensa ist jeweils Platz eingerechnet. Grundlage für den Raumbedarf der Schulen sind die Werte der Schulbauförderrichtlinien des Landes Baden-Württemberg.
  3. Was ist Teil des Entwicklungsplans? Die Experten haben ein Zwei-Phasen-Modell erarbeitet. Dabei ist die erste Phase unumgänglich, auch wenn die Details noch nicht beschlossen sind. Phase zwei ist nur dann notwendig, wenn die Schülerzahlen stark sinken. Denn das hätte zur Folge, dass nicht alle Schulstandorte gehalten werden würden. Am ehesten würde dann die Rupertsbergschule aufgegeben werden.
  4. Was ist für die erste Phase angedacht? Die größte Veränderung ist für das Bildungszentrum absehbar. Der Gebäudeteil, in dem sich unter anderem die Mehrzweckhalle befindet, würde nach oben erweitert werden. "Am Bildungszentrum besteht erheblicher Mehrbedarf", sagte Jochem Schneider vom Büro Schneidermeyer zur räumlichen Situation. Zu dem genannten Anbau würde es auch Veränderungen und Sanierungen im Bestand geben. Bei der Robert-Gerwig-Schule sind vor allem Sanierungen in der ersten Phase geplant. Zudem schlagen die Planer einen Gebäudetausch vor. Die Werkrealschule zieht in den Altbau an der Gerwigstraße, die Grundschule in den Neubau. Bei der Rupertsbergschule und der Grundschule Peterzell gibt es lediglich Instandhaltungsmaßnahmen, jedoch keine großen Veränderungen.
  5. Wann greift Phase zwei? Nur dann, wenn die Schülerzahlen stark sinken. Dann ist es aus Sicht der Planer sinnvoll, dass die Rupertsbergschule geschlossen wird. Die Grundschule am dortigen Standort und das SBBZ würden in die Robert-Gerwig-Schule ziehen. Dort würde unter anderem dadurch Platz entstehen, dass die Stadtbibliothek an einen anderen Ort ziehen muss. Die Werkrealschule würde ins Bildungszentrum umziehen- dort entsteht ein Neubau. Entweder auf der Seite des Gebäudes, die der Straße abgewandt ist – auf der Fläche, auf der heute unter anderem ein kleiner Teich angelegt ist. Oder alternativ auf dem untersten der drei Sportplätze.
  6. Was wird der Prozess kosten? Die Maßnahmen bei Bildungszentrum und Robert-Gerwig-Schule erfordern hohe Investitionen. Bei den genannten Zahlen handelt es sich um eine vorsichtige Kostenprognose. Diese geht davon aus, dass in einer ersten Phase zwischen 23,5 und rund 35 Millionen Euro notwendig sind. Wenn Phase zwei ebenfalls umgesetzt werden würde, dann wären zwischen 9,2 und 13,7 Millionen Euro erforderlich. Etwaige Erlöse aus einer Aufgabe der Rupertsbergschule sind in diesen Zahlen nicht gegengerechnet. Derzeit ist die Fördersituation in Sachen Schulen so, dass nur Neubauten gefördert werden. Sanierungen im Bestand fallen aus den Fördermitteln heraus. "Wir gehen aber davon aus, dass sich die Fördersituation eher verbessert", so Kämmerer Stephan Fix in der Sitzung. Nach der Einschätzung der Verwaltung sei bemerkbar, dass ein gewisses Umdenken stattfindet. Es könnte aus diesem Grund auch sinnvoll sein, dass St. Georgen das Projekt vorerst noch vor sich her schiebt.
  7. Wann könnte das alles passieren? Diese Investitionen sollen nach der Innenstadtsanierung getätigt werden. Vor allem, weil die Stadt zwei Millionenprojekte nicht gleichzeitig stemmen kann. Nicht unerheblich in der Bewertung ist aber die Fördersituation. Gibt es hier kurzfristig eine erhebliche Verbesserung, könnte sich die Situation ändern.
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