Rundum gelungen, mit wunderbaren Veranstaltungen und einem sehr interessierten Publikum, so fasste Organisatorin Lucia Kienzler die zweiten Literaturtage zusammen. Die Lesungen kamen bei den Besuchern sehr gut an und viele interessante Gespräche entwickelten sich. Tränen gelacht wurde bei der Comiclesung mit Tobias Vogel und der Handlettering-Workshop mit Christine Kinces war gleich zweimal sofort ausgebucht. Als sehr berührend bezeichnete Lucia Kienzler die Lesung mit Autorin Martina Bergmann, die in ihrem Buch die Beziehung und Betreuung zu einer an Demenz erkrankten alten Frau beschreibt. „Und heute Abend die Krönung mit Karla Paul„, freute sich Lucia Kienzler über ein ausverkauftes Haus. Ob es im nächsten Jahr wieder die Literaturtage geben wird, ließ sie offen. Ideen dafür habe sie viele, nun aber will sie erst mal den großen Erfolg der literarischen Tage sacken lassen. Kathrin Frenz vom Kulturamt dankte ihr im Namen der Stadtverwaltung für ihr Engagement, solch eine tolle Veranstaltungsserie auf die Beine gestellt zu haben. Literaturtage dieser Qualität könnten viele größere Städte nicht bieten, fügte sie hinzu.

Die humorvolle, direkte Art von Karla Paul kommt bei den vielen Besuchern des Literaturabends im Theater im Deutschen Haus sehr gut an. Bilder: Rita Bolkart
Die humorvolle, direkte Art von Karla Paul kommt bei den vielen Besuchern des Literaturabends im Theater im Deutschen Haus sehr gut an. Bilder: Rita Bolkart

Diesem Lob schloss sich Literaturexpertin Karla Paul an. Für den Abend, zu dem sie extra aus Hamburg angereist war, hatte sie gute Tipps für die Vortragsbesucher. Zwischen fünf und zehn Bücher liest sie pro Woche, erläuterte sie und in ihrer Auswahl ist sie rigoros. „Wenn Sie nach 50 bis 100 Seiten keine Lust auf ein Buch haben, legen sie es weg“, empfahl sie ihrem Publikum, „es gibt so viele gute Bücher, sie müssen sich nicht da durch ackern“. Für sich selbst trifft sie eine Auswahl zwischen Sachbüchern und Belletristik und wenn das Herz oder der Kopf durch den Plot mal voll ist, gönnt sie sich eine Auszeit, um dem entsprechenden Buch den nötigen Platz zu geben. Für die St. Georgener Leser hatte sie eine Auswahl von 30 Büchern dabei. In klarer, präziser Sprache beschrieb sie den Inhalt der einzelnen Bücher und versorgte die Besucher mit Informationen zu den Autoren und den Verlagen. Kurze Textauszüge komplettierten die Buchvorstellung. Unter den vorgestellten Büchern war auch der aktuelle Preisträger des Deutschen Buchpreises, „Herkunft“ von Sasa Stanisic. „Schmerzhaft, wie lehrreich und hochaktuell“ riet Karla Paul zum Buch „Washington Black“ von Esi Edugyan. Autorin Benoit Groult setzt sich mit „Vom Fischen und von der Liebe“ ehrlich und feinfühlig mit dem Alt werden auseinander und Michael Palin fasziniert mit seiner Mischung zwischen Roman und Dokumentation zur Expedition der „Erebus“. Alle 30 Bücher sowie die Bücherliste gibt es in der Stadtbibliothek.