In vielen Menschen brodelt ein Abgrund, der meist hinter einer Maske verborgen wird. Doch sobald eine Erbschaft winkt, kommt die Gier nach Gut und Geld an die Oberfläche. Dies zeigte sich deutlich und überspitzt bei der Kriminalkomödie "Fifty-Fifty", die im Theater im Deutschen Haus am Wochenende aufgeführt wurde.

Fünf Amateure spielten die Erben noch realistischer als im wirklichen Leben, wo es bekanntlich in den besten Familien Streit gibt. Dabei wollten sie durchaus teilen, aber mindestens die Hälfte musste in die eigene Kasse. "Fifty-Fifty" hieß das Zauberwort in diesem scharfzüngigen Krimi von Evelyn Reben. Vor vollem Haus agierten die Schauspieler mit Mimik, Gestik und Raffinesse so überzeugend wie Profis. Gewalt und Hass wurden auf der Bühne nur angedeutet, die vier Toten brachten die Erbschleicher diskret hinter der Bühne um die Ecke. Nur einer lag auf dem Podium, aber es stellte sich schnell heraus, dass er nur scheintot war.

Die Handlung der Komödie rankt sich um die reiche Witwe Patricia, die in einer eleganten Villa mit vielen Kunstschätzen wohnt und von den beiden Hausdamen Ricarda und Wilma liebevoll umsorgt wird. Allerdings wird die Hausbesitzerin nur sichtbar auf einem Gemälde, das an der Wand hängt, denn das Stück beginnt nach ihrer Beerdigung. Die beiden Hausdamen Wilma und Ricarda betreten in eleganter, schwarzer Kleidung die Bühne und trocknen sich theatralisch die Tränen. Nach kurzem Schimpfen über die lange Trauerpredigt des Pfarrers gönnen sie sich einen Champagner und freuen sich auf die gemeinsame Erbschaft. Ihre Herrin hat den treuen Dienerinnen jeweils die Hälfte des Hauses samt Kunstschätzen und Schmuck vererbt. Das Testament haben die beiden gut versteckt, jedoch schon vor dem Unfall der Herrin, den sie selbst eingefädelt haben.

Dauernd gibt es böse Überraschungen in der Villa der tödlich verunglückten Witwe Patricia, deren Bild meistens schief an der Wand hängt. Hier blickt sie missbilligend auf (von links) den ehemaligen Freund ihres Mannes, Dr. Gonski, und ihren Chauffeur Max.
Dauernd gibt es böse Überraschungen in der Villa der tödlich verunglückten Witwe Patricia, deren Bild meistens schief an der Wand hängt. Hier blickt sie missbilligend auf (von links) den ehemaligen Freund ihres Mannes, Dr. Gonski, und ihren Chauffeur Max. Bild: Maria Kienzler

Denn auch andere spekulieren auf die Erbschaft, wie zum Beispiel der Schönheitschirurg Gonski, der mit dem Hausherrn Leo befreundet war. Als Leo vor einigen Jahren auf mysteriöse Weise ums Leben kam, munkelte man, dass Gattin Patricia nachgeholfen hatte bei seinem Tod. Doch niemand konnte ihr etwas nachweisen und nun starb sie selber ganz plötzlich beim Sturz vom Balkon. Neben dem Arzt erhoffte sich der Chauffeur Max die Hälfte der Erbschaft, aber auch Nichte Isolde, die sich früher nie um ihre alte Tante gekümmert hatte, war hinter dem Geld und den Kunstschätzen her. Die Kunststudentin im 18. Semester stand nach der Beerdigung fast jeden Tag auf der Matte. Sie stöberte zum großen Leidwesen der Hausdamen stundenlang in der Bibliothek herum, während der Arzt die wertvolle Briefmarkensammlung seines Freundes verlangte.

Max war hinter den Juwelen der verunglückten Patricia her und sorgte schließlich mit manipulierten Bremsen am Auto der Hausdamen für einen Doppelmord, so dass ihn der Chirurg erpressen konnte. Zum Schluss kämpften nur noch zwei Hinterbliebene um die Erbschaft und dabei saß Nichte Isolde am längeren Hebel. "Ich will Fifty-Fifty", brüllte sie den Arzt an und mit diesem Paukenschlag endete abrupt die aufregende Story, die begeisterten Applaus hervorrief.