Kirgisistan, ein Land in Zentralasien, umgeben von Kasachstan, China, Tadschikistan und Usbekistan, wird in St. Georgen kaum wahrgenommen. Und dennoch gibt es eine direkte Verbindung dorthin, durch Lothar Fritzsche in seiner Funktion als Geschäftsführer des Fördervereins "Ümüt–Nadjeschda", der hinter einem Heim im fernen Bischkek, der kirgisischen Hauptstadt, steht.

Ziel des Vereins ist es, behinderten Kindern eine Heimstatt zu geben. Die Schwester von Lothar Fritzsche, Karla-Maria Schälike, lebt mit ihrem Mann in der Hauptstadt und sie betreiben ein Kinderzentrum, in dem die aus der kirgisischen Gesellschaft ausgestoßenen Kinder aufgenommen, erzogen und denen soweit als möglich durch heimisches Personal eine Ausbildung ermöglicht wird.

Damit soll gewährleistet werden, dass die Kinder als Erwachsene in bescheidenem Maße selbst für ihren Lebensunterhalt aufkommen können. Karla-Maria Schälike hat mit eigenen Augen erlebt, wie eine Mutter sich von ihrem soeben geborenen Kind hätte lossagen sollen, nur, weil es behindert war. Besonders in der Stalinzeit hatten es Mütter mit behinderten Kindern besonders schwer. Noch heute besteht Ablehnung, Ekel und Angst gegenüber Behinderten, so Karla-Maria Schälike.

Eindrucksvoll schildert Karla-Maria Schälike die Situation des Kinderzentrums „Nadjeschda“.
Eindrucksvoll schildert Karla-Maria Schälike die Situation des Kinderzentrums „Nadjeschda“. | Bild: Werner Mueller

Als westliche Ausländerin lebte Schälike während der Sowjetzeit in Kirgisistan. Gemeinsam mit ihrem Mann baute sie 1989 das Kinderzentrum Nadjeschda, was auf Deutsch "Hoffnung" bedeutet, auf. Erwachsene helfen den schwerstbehinderten Kindern zu singen, zu malen, zu lernen und ganz wichtig, fröhlich zu sein, wie es Kinder auf der ganzen Welt tun und sind. Während der zurückliegenden 29 Jahren hat das Kinderzentrum noch keinen Som, so heißt die dortige Währung, erhalten.

Preise steigen erheblich

Derzeit steigen die Preise aufgrund der politischen Entwicklung in Russland als Auswirkung auf die Sanktionen des Westens. Konnten früher sechs bis acht Brote gekauft werden, so hat sich bei gleicher Geldmenge die Stückzahl auf zwei bis drei Brote vermindert. Das Land hat selbst versucht, eine "Schweiz in Russland zu werden und neutral zu bleiben." Interessant war während des Vortrags auch die Feststellung, dass Kirgisien wohl das Land mit den meisten Feiertagen auf der Welt sei. Denn es werden alle christlichen, moslemischen, kommunistischen und kirgisischen Feiertage begangen.

So sei der Alltag korrupt, den Straßenbau übernehmen die Chinesen. Dabei werde eine Asphaltdecke auf die schon Bestehende aufgetragen, egal welche Höhe danach die Straße bezogen auf das alte Straßenprofil hat. Heinrike Wirsing entführte mit einem Bildvortrag die Gäste in die schöne Landschaft Kirgisiens, welche sie mit ihrer Freundin Gisela Elsässer erlebt hatte. Dabei erfuhren die Zuhörer vom Tod der Freundin während ihrem Aufenthalt in Kirgisistan.