Der Schulhof der Robert-Gerwig-Schule gleicht derzeit eher einer archäologischen Grabungsstätte als einer Baustelle. Wo normalerweise grobes Werkzeug zum Ausheben und Verfüllen zum Einsatz kommt, wird mit größter Vorsicht gegraben. Aus gutem Grund: Bei Sanierungsarbeiten am Schulgebäude sind Mauerreste und andere Fundstücke des ehemaligen St. Georgener Klosters im wahrsten Sinne „aufgetaucht“.

Eine Archäologin legt ein Stück einer Klostermauer fein säuberlich frei.
Eine Archäologin legt ein Stück einer Klostermauer fein säuberlich frei. | Bild: Sprich, Roland

 

Dass die Bauarbeiten im Umfeld der Gerwigschule auf historisch relevanter Fläche stattfinden und dass man beinahe zwangsläufig auf Relikte stoßen würde, damit rechnete die Stadt und holte das Landesdenkmalamt ins Boot, das wiederum ein Unternehmen beauftragte, das eine baubegleitende archäologische Untersuchung vornahm. „Die eigentliche Überraschung war, in welch gutem Zustand Mauern und andere Relikte vorgefunden wurden“, wie Bertram Jenich vom Landesdenkmalamt in Stuttgart bei einem Termin vor Vertretern der Presse, des Gemeinderates sowie interessierten Schülern und Bürgern erläuterte. Ebenso erstaunlich sei gewesen, dass die Mauern bereits 30 Zentimeter unter der Oberfläche auftauchten.

Gotisches Fenstergewände entdeckt

Der größte und am besten erhaltene Fund ist ein gotisches Fenstergewände, das die Experten auf die zweite Hälfte des 16. Jahrhundert datieren. „Es stammt aus einer der letzten Ausbauphasen des Klosters“, so Jenisch. Darüber hinaus wurden auch einige Scherben von Ofenkacheln entdeckt, die auf die Verwendung in einem Heizsystem schließen lassen. Auch mehrere Bodenfliesen aus Ton förderten die Archäologen zutage.

Feuchte Wände schon immer ein Problem

Was die Wissenschaftler an der Baustelle ebenfalls heraus lesen konnten, war die Tatsache, dass es bereits in der Klosterzeit Probleme mit der Durchfeuchtung der Klostermauern gegeben haben muss. Schon die Baumeister zu jener Zeit haben offenbar ein ein Drainagesystem angewendet, um die Feuchtigkeit von den Klostermauern abzuwenden.

Schule wird trocken gelegt

Entdeckt wurden die Klosterfunde aufgrund von Sanierungsarbeiten am Fundament der Schule. Wie Stadtbaumeister Alexander Tröndle rückblickend sagte, wurden 2016 feuchte Stellen und teilweise starke Schimmelbildung am Gemäuer festgestellt, wonach der Unterrichtsbetrieb verlagert und die Schulräume im Untergeschoss stillgelegt werden mussten. Für rund 400 000 Euro wird die Schule derzeit ringsherum aufgegraben und trocken gelegt. Dazu wird das Gemäuer mit einer Betonwand verkleidet, so dass keine Feuchtigkeit mehr durch die Mauern durchdringen kann.

Finanziell nicht machbar

Wie Bertram Jenisch erläuterte, werde die mühsam freigelegten Mauerreste nach einer aufwändigen, digitalen und dreidimensionalen Dokumentation wieder verfüllt. „das ist die beste und günstigste Art, die Mauerreste dauerhaft zu erhalten.“ Ein dauerhaftes Sichtbarmachen der Mauern, beispielsweise durch Abdecken mit einer Glasplatte, sei technisch und finanziell nicht machbar. Das gotische Fenster und andere kleinere Funde sollen jedoch nach der Dokumentation den Bürgern als Publikation zur Verfügung gestellt werden.

Großes Kloster

Anhand der Mauerfunde lässt sich erahnen, wie groß das St. Georgener Benediktinerkloster, das 1084 erbaut wurde, wirklich war. Anhand der Aufzeichnungen muss allein die Klosterkirche mit dem Kreuzgang die dreifache Größe des heutigen Schulhauses der Robert-Gerwig-Schule gehabt haben. (spr)