St. Georgen (rib) „Muss eigentlich alles erklärbar sein?“. Mit dieser Frage unterstrich Musikerin Gesa Jenne-Dönneweg die Einstiegsworte von Dirk Altmann in seiner Begrüßung zum Abend der modernen Musik im Deutschen Phonomuseum. Altmann zeigte sich sehr erfreut, dass so viele der Einladung im Rahmen des Bergstadtsommers gefolgt waren. Er erläuterte ganz kurz das Programm und die Komponisten. Und auch er bezeichnete die Stückauswahl als selbsterklärend und weigerte sich, diese näher zu erläutern. „Entweder es berührt einen oder eben nicht.“ Damit formulierte er die Kernaussage für den Konzertabend. Gleichzeitig forderte er das Publikum damit zur Offenheit und zum Nachspüren auf.

Gemeinsam mit Dirk Altmann riskierte das Newears Ensemble musikalische Experimente, die bezauberten und gleichzeitig herausforderten. Das gesamte untere Stockwerk des Phonomuseums geriet dabei zur Bühne, als die Musiker mit multimedialen Spieluhren im ganzen Raum unterwegs waren. Die Zuhörer erlebten die unterschiedliche Wahrnehmung, die sich abhängig vom Standort und der Tonfolge ständig erneuerte.

Weniger harmonische Interpretationen stellten das Publikum vor die Frage, wann ist ein Ton ein Ton und was passiert, bis es beispielsweise ein klares C ist? Was ereignet sich in der Wahrnehmung abseits der Harmonien und des Melodischen und welche Gefühle löst das aus. Das Ensemble lieferte gemeinsam mit Dirk Altmann und Pianist Andreas Erchinger dafür keine Erklärungen, sondern überließ das Empfinden dazu komplett einem faszinierten Publikum. In der Kombination mit den Eigenkompositionen von Jazz-Pianist Andreas Erchinger war die Zusammenstellung des Programms eine Premiere. Sängerin Sarah Lipfert interpretierte Erchingers Songs mit viel Leidenschaft und steckte damit mühelos die Konzertbesucher an.

Alle Programmpunkte des ungewöhnlichen und anregenden Konzertabends wurden vom Publikum begeistert beklatscht. Sie würdigten die große Virtuosität der Künstler, die einen feinfühligen Dialog der Instrumente präsentierten und die auch für die Originalität und Kuriosität der musikalisch ungewohnten Klangbilder unabdingbar ist.