Edeka-Marktleiter Ulrich Haas zeigte sich erschrocken, als er bemerkte, welche Werbung vor seinem Markt in St. Georgen auf der Plakatwand klebt. Die Werbung des Kopp-Verlags zeigt das Buch "Volks-Pädagogen" des umstrittenen Autors Udo Ulfkotte, der darin Verschwörungstheorien über die Medien und die Politik in Deutschland aufstellt. "Mir war ehrlich gesagt nicht bewusst, was dieses Buch, der Autor und der Verlag für einen Hintergrund haben", sagte Haas auf SÜDKURIER-Anfrage. Mittlerweile ist das Plakat überklebt.

Der ehemalige FAZ-Redakteur Ulfkotte veröffentlichte Bücher mit den Titeln "Mekka Deutschland – Die stille Islamisierung" oder "Gekaufte Journalisten" und hielt eine Rede auf dem Neujahrsempfang der AfD 2015 in Kassel. Zudem trat er als Hauptredner bei einer Pegida-Veranstaltung auf und animierte die Anhänger gegen Politik und Presse zu agieren. Kritiker sagen, Ulfkotte liefere mit seinen Büchern den geistigen Unterbau einer populistischen Bewegung. Der Medienjournalist Stefan Niggemeier sagt beispielsweise über Ulfkottes Werk "Gekaufte Journalisten", dass es wie die Bibel einer Bewegung behandelt werde.

Autor Ulfkotte via Facebook: Edeka "bekämpft Meinungsfreiheit"

Kurze Zeit nach Veröffentlichung postete Udo Ulfkotte den Online-Artikel des SÜDKURIER auf Facebook mit dem Hinweis: "Nach LIDL jetzt auch EDEKA gegen Ulfkotte-Bücher... Auch Edeka bekämpft die Meinungsfreiheit..."

 

Im Anschluss an Ulfkottes Posting setzte eine Diskussion ein. Mehrheitlich riefen die Kommentatoren zum Boykott von Edeka auf. Die Nutzerin Kaja S. schreibt: "Hallo Udo, wenn Du mit den Namen des Marktleiters und die Örtlichkeit mailen kannst, würde ich ein Plakat (mit Foto) entwerfen und St. Georgen damit zukleben. Danke!"

Edeka nicht verantwortlich für die Werbung

Marktleiter Haas hat keinen Einfluss auf die Werbung, die auf den Plakatwänden rechts neben dem Eingangsbereich auf dem Parkplatz zu sehen sind. "Ich habe einen Vertrag mit einer Firma, die sich um die Flächen kümmert", so Haas. Er werde nicht informiert über Änderungen der Werbung und habe sich auf die Prüfung durch die Firma verlassen. "Ich hatte noch nie Probleme mit Plakaten. Normal sind dort regionale Anzeigen zu finden", wundert sich der Filialleiter über die ungewöhnliche Werbung.

Da im Vertrag bestimmte Richtlinien für Werbung festgehalten seien, wie beispielsweise keine rechtspopulistische oder sexuelle Werbung, habe er sich über die Buchwerbung des Kopp-Verlags keine Gedanken gemacht. Zudem sei er noch nicht von Kunden auf diese Werbung angesprochen worden, sonst hätte er bereits gehandelt, so Haas, der sich von der Werbung vor seinem Markt distanziert.

"Ich werde mich bei der betreffenden Firma melden und darum bitten, das Plakat zu entfernen", hatte der Filialleiter gegenüber dem SÜDKURIER angekündigt. Noch am selben Tag hatte er sich mit der zuständigen Firma Media Werbegesellschaft in Verbindung gesetzt und berichtete dem SÜDKURIER, dass diese bereits von mehreren Marktbesitzern auf die Werbung angesprochen wurde. Auch ihnen sei nicht bewusst gewesen, was das Buch thematisiert. Am Morgen darauf war das Plakat überklebt.

Gegenüber Haas hätte die Firma geäußert, dass sie die Werbung als nicht politisch eingestuft hätte. Auf SÜDKURIER-Anfrage wollte sich das Unternehmen zu dem Vorfall allerdings bislang nicht äußern.