Kunstwerke in Buchform stellten Thomas Geiger und Astrid Seme in der städtischen Bücherei vor. Diese Form der Kunstpräsentation ermöglicht es vielen Menschen, Zugang zu Kunst zu finden, sind sich beide Künstler sicher. Irgendwie geht es auch darum „das Buch wieder zu entdecken.“ Das stelle für Künstler und Publikum auch eine Herausforderung dar, sagen Geiger und Seme. Beide haben mit Mark Penzinger Books einen Verlag in Wien.

Immer wieder taucht die Frage auf, wie kann eine künstlerische Arbeit in Buchform zu einem neuen Leben erweckt werden, abseits von einer Künstlermonografie, fragt Thomas Geiger in die Runde der sieben interessierten Gäste. So wie der Leser ein „normales Buch“ in die Hand nimmt, soll er versuchen, selbst umzusetzen, was er im Angebot der Kunstbücher sieht.

Plattform mit internationalen Künstlern

Das Künstlerpaar hat eine Plattform entwickelt, mit internationalen Künstlern zu arbeiten. Dazu gehören Namen wie Stefan Reiterer, Mikko Kuorinki, Cesare Pietrovski, Daniel Gustav Cramerm David Horwitz und Mathias Huber.

Interessierte Besucher schnuppern in der Buchauslage. Zu sehen sind Jessica Twitchell und Thomas Straub mit Tochter Mina.
Interessierte Besucher schnuppern in der Buchauslage. Zu sehen sind Jessica Twitchell und Thomas Straub mit Tochter Mina. | Bild: Werner Müller

Eine wichtige Botschaft von Thomas Geiger ist, man wolle Bücher in großen Auflagen drucken und dem dem hochwertigen Inhalt entsprechend Ausdruck verleihen. Deshalb werden die abgebildeten Werke e auf Kunstdruckpapier gedruckt. Dafür gibt es einen gestalterischen Grund, denn die Papieroberfläche lässt das Produkt in ansprechendem Glanz erscheinen.

Die Ordnung der Dinge

Astrid Seme sagt, ein Buch im Angebot sei die Ordnung der Dinge. Denn alles was wiedergegeben ist, ist streng alphabetisch geordnet. Und das auf eine besondere Weise. So stehen Reihen von einzelnen Buchstaben oder Folgen mit denselben Wörtern in grafischer Gestaltung auf den Seiten. In der Größe einer Taschenbuch Ausgabe kann das Buch in jeder Jackentasche Platz finden.

Bei einem anderen Buch wurden Vorlagen eines Österreicher als 3D-Vorlage eingescannt und „schnipselweise“ in Einzeldarstellungen auf den Buchseiten wiedergegeben. Es ist eine aufwändige Methode, doch erkennt der Kunstliebhaber auf den fragmentierten Abbildungen Details von höchster Schärfe. Als Sinn für diese Gestaltung gibt Thomas Geiger an, die Wiedergabe soll Objekte zu neuem Leben führen.

Ein bekannter Gedankenstrich in der Literatur

Die Vorstellung, was ein Gedankenstrich bewirken kann, zeigt Astrid Seme in einer Ausgabe. So erfahren die Gäste, dass der oftmals benutzte Gedankenstrich in anderen Kulturen und Sprachen eine ganz andere Bedeutung besitzt als bei uns. Der bekannteste Gedankenstrich der deutschen Literatur steht in der Erzählung „Die Marquise von O“, von Heinrich Kleist. Der Gedankenstrich steht als Auslassung für eine geschehene Vergewaltigung.

Früher sei es in den 60-er Jahren der Wunsch gewesen, möglichst billige Bücher zu erwerben, heute kann fast jeder am Computer daheim ein eigenes Buch schreiben, resümiert Thomas Geiger.