Landauf, landab ist das Thema Bienensterben in Deutschland in aller Munde. Selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel hat im Bundestag schon zum Einsatz gegen das Bienensterben aufgerufen. Bienenforscher Peter Rosenkranz, Leiter der Landesanstalt für Bienenkunde an der Universität Hohenheim, gibt indessen Entwarnung. Er sagt, dass die Biene nicht bedroht sei, solange es Imker gibt. Einer von ihnen ist der Vize-Vorsitzende des Imkervereins St. Georgen, Franz Rothfelder. Er berichtet, wie es um seine 22 Bienenvölker bestellt ist.

Am Einflugloch herrscht reger Flugbetrieb, der zurückkommenden Bienen. Bild: Werner Müller
Am Einflugloch herrscht reger Flugbetrieb, der zurückkommenden Bienen. Bild: Werner Müller

Franz Rothfelder betreibt seine Imkerei nicht ausschließlich in Peterzell. Seine Völker stehen auch an anderen Stellen auf der Gemarkung St. Georgen, bis auf 950 Meter Meereshöhe hinauf. Alle Bienenvölker überwintern im Freiland. "Bienensterben – das findet nicht nur bei mir, sondern auch bei anderen Imkerkollegen nicht statt", sagt Franz Rothfelder. Es gebe zwar Ausnahmen, wenn schwache Völker unterversorgt sind, doch diese Situation sei die Ausnahme. "In St. Georgen gibt es genügend erfahrene Imker, die sich mit viel Liebe und Einsatz um die so wichtigen Bestäubungsinsekten kümmern", betont Rothfelder.

In typisch halbmondartiger Verdeckelung der Brut hält Imker Franz Rothfelder eine Brutwabe vor die Kamera. Bild: Werner Müller
In typisch halbmondartiger Verdeckelung der Brut hält Imker Franz Rothfelder eine Brutwabe vor die Kamera. Bild: Werner Müller

Problem Varroa-Milbe

Einen wesentlichen Beitrag zum Erhalt der Bienenvölker biete die Weidewirtschaft. Im Idealfall stehen in unmittelbarer Nähe des Bienenstandorts blütenreiche Wiesen zur Verfügung. Vor Ort werden wenig Pestizide eingesetzt und von der Landwirtschaft komme ein überaus geringer Eintrag, der kaum spürbar sei. "Wir haben keine heile Welt, sind aber durch die Landwirtschaft nicht so stark gefährdet", sagt der Vize-Chef der Imker. Schadensfälle würden eher durch schlampig arbeitende Imker verursacht, wenn sich diese nicht an wichtige Abläufe im Bienenjahr halten. Der Milbenbefall durch die Varroa-Milbe sei nach wie vor vorhanden. "Es gibt keinen nicht befallenen Bienenstock in Deutschland", erklärt Rothfelder.

Auf dem Grund der teilweise verdeckelten Wabe sind drei Rundmaden auf dem Wabengrund sichtbar. Bild: Werner Müller
Auf dem Grund der teilweise verdeckelten Wabe sind drei Rundmaden auf dem Wabengrund sichtbar. Bild: Werner Müller

Mancherorts entwickelt sich das Imkern derzeit zur Modeerscheinung. Angehende Imker kaufen sich ein Bienenvolk und beginnen zu imkern. So lange mehr als nur Grundkenntnisse vorhanden sind, kann das gut ausgehen. Fehlen diese Kenntnisse, werde vermutlich das Bienenvolk den nächsten Winter nicht überstehen, gibt sich Franz Rothfelder bedenklich. Bienenpaten können Neuimker helfend und unterstützend zur Seite gestellt werden, um Wissen zu vermitteln, sagt der Vize-Vorsitzende. Was durchaus eine Gefahr für die Bienen darstelle, sei der späte Waldhonig. Der Imker spricht hier von der Waldtracht. Die Bienen verarbeiten diese Tracht nur schwer, weil zu viele Ballaststoffe vorhanden sind.

Viele Hundert Bienen sind auf dem Wabenrand in Bewegung. Bild: Werner Müller
Viele Hundert Bienen sind auf dem Wabenrand in Bewegung. Bild: Werner Müller

Die Größe eines Bienenvolkes ist abhängig von der Bienenrasse und der Bienenbeute – so wird der Bienenkasten in Imkerkreisen genannt. Unter guten Voraussetzungen können Bienenvölker an die 70 000, in manchen Fällen auch mehr Bienen haben. Ab Ende April, hauptsächlich im Mai und Juni können sich einige Hundert bis zu 1000 Drohnen im Bienenstock aufhalten. Der Rest sind Arbeitsbienen und die Königin.

Bauen die Bienen auf dem Wabenrand ist es ein Zeichen für den Imker, dass das Volk mehr Platz benötigt. Abhilfe wird mit einer aufgesetzten Zarge, gefüllt mit Waben, über dem Brutraum geschaffen. Bild: Werner Müller
Bauen die Bienen auf dem Wabenrand ist es ein Zeichen für den Imker, dass das Volk mehr Platz benötigt. Abhilfe wird mit einer aufgesetzten Zarge, gefüllt mit Waben, über dem Brutraum geschaffen. Bild: Werner Müller

Im Herbst baut das Bienenvolk seine Größe auf etwa 10 000 bis 15 000 Bienen ab. Damit müssen nicht so viele Bienen durchgefüttert werden. Vor der Einfütterung auf den kommenden Winter steht die Varroa-Behandlung an. Die Milbenanzahl kann auf dem Boden unter dem Gitter auf ausgelegtem Papier festgestellt werden. Die Rückstände der Behandlung dürfen nicht in die Bienenprodukte wie Propolis, Bienenbrot, Bienenwachs und Honig kommen. Es gelten hierzu Erntebeschränkungen.

Umringt von ihrem Hofstaat bewegt sich die mit dem weißen Punkt gekennzeichnete Königin zur Eiablage über die Wabe. Bild: Werner Müller
Umringt von ihrem Hofstaat bewegt sich die mit dem weißen Punkt gekennzeichnete Königin zur Eiablage über die Wabe. Bild: Werner Müller

Auf keinen Fall dürfen Bienen in eine Hungerphase kommen. Sonst hungern sich die Bienen gleichmäßig tot. Das Futter – auch Honig, nicht nur Zuckerlösung – müsse rechtzeitig gegeben werden, so der Fachmann. Als ein soziales Insekt verteilt die Biene das Futter an alle im Stock befindlichen Bienen. Ist nichts mehr vorhanden, hungern sich die Tiere gemeinschaftlich zu Tode.

Arbeiterinnen kümmern sich um offene Stellen auf den Honigwaben um diese mit Wachs zu verdeckeln. Bild: Werner Müller
Arbeiterinnen kümmern sich um offene Stellen auf den Honigwaben um diese mit Wachs zu verdeckeln. Bild: Werner Müller