Die Geschichte der Familie Heinemann hat Referent Wolfgang Göbel bis Anfang des 18. Jahrhunderts in St. Georgen zurückverfolgt. In der komplett besetzten „Geschichtstruhe“ des Heimat- und Geschichtsvereins breitete er seine Erkenntnisse, gewonnen aus Dokumenten, die im Müll hätten enden sollen, vor einem gebannt folgenden Publikum aus.

Metaller bis ins Mark, bewahrte Christof Heinemann seine auf der Wanderschaft als Geselle in Chemnitz erworbene Schieblehre in einem Safe von 1865 auf, wo Göbel sie in einem Seitenfach fand. In politisch wie wirtschaftlich dynamischen Zeiten sei es den Nachkommen einer Handwerkerfamilie gelungen, im Schwarzwald beeindruckende Maschinen für die weltweit boomende Industrie zu bauen. Dokumentiert ist dies mit Zeitungsausschnitten, Werbematerialien, Hauptbüchern und Planunterlagen für Firmenerweiterungen.

Viele Zuhörer, junge wie alte, interessieren sich für die St. Georgener Traditionsfirma Heinemann, über die Wolfgang Göbel (rechts) beim Heimat- und Geschichtsverein kenntnisreich referiert. Bilder: Klaus Wild
Viele Zuhörer, junge wie alte, interessieren sich für die St. Georgener Traditionsfirma Heinemann, über die Wolfgang Göbel (rechts) beim Heimat- und Geschichtsverein kenntnisreich referiert. Bilder: Klaus Wild | Bild: Klaus Wild

Anregungen für neue Dreh- und Schnellhobelmaschinen holte sich vor dem Ersten Weltkrieg der Firmenerbe Heinrich als „Werksspion“ in den USA. „Leider fiel der begnadete Konstrukteur schon 1914, kurz nachdem er eingezogen wurde, im Elsass“, wusste Göbel zu berichten. An Nachrückern fehlte es nicht, hatte der Firmengründer 1836 doch schon zehn lebende Nachkommen von 14 Kindern.

Soziales Engagement gehört dazu

Betriebliche Belange, wie der Kauf des Klosterweihers zur Energieerzeugung, habe man bei Heinemann schon immer mit sozialem Engagement verknüpft. Badesee wie Badehaus seien so entstanden, 1924 sogar ein Naturheilverein gegründet worden, von dem es (wegen zu viel Nacktheit?) aber keine Bilder gebe. Eine Betriebskrankenkasse habe es seit 1898 gegeben. Eine große Familie sei man gewesen, bestätigten auch sehr betagte Gäste im Publikum. Filmaufnahmen von Ausflügen mit dem ganzen Betrieb ans Deutsche Eck oder in den Nordschwarzwald dokumentierten dies. Ob die fein herausgeputzten Heinemänner dabei auch das Casino in Baden-Baden besuchen konnten, sei nicht überliefert.

Viele Heinemänner und deren Nachkommen trauern ihrer Firma auch heute noch nach: Wolfgang Göbel und Martin Rosenfelder.
Viele Heinemänner und deren Nachkommen trauern ihrer Firma auch heute noch nach: Wolfgang Göbel und Martin Rosenfelder. | Bild: Klaus Wild

Eine rassig stromlinienförmige Drehmaschine mit Stahlgranaten davor kommentierte der Referent: „Kriegsmaterial hat man in St. Georgen nie gefertigt.“ Wohl aber habe man noch 1939 bis in den Krieg hinein Maschinen ins Ausland geliefert. Auch bei Heinemann, der zwar „Parteimitglied, aber kein Nazi“ gewesen sei, hat man ab 1940 mit Zwangsarbeitern gewirtschaftet. Wo einst das Frauen- und das Russenhaus standen, kauft man heute bald bei beiden großen Discountern billig Erzeugtes aus aller Herren Länder.

Die Ära Reiner Roland Lang bei Heinemann beleuchtet Wolfgang Göbel im nächsten Vortrag am 23. November, 19 Uhr, in der „Geschichtstruhe“.

Kurzabriss

Heinemann begann 1836 mit einer kleinen Schmiede. Durch den Weitblick der Söhne des Unternehmensgründers erlangte das Unternehmen unter den Söhnen Christoph, Heinrich und Jakob ab etwa 1850 einen guten Ruf in der aufstrebenden Industrie, Anfang des 20. Jahrhunderts Weltruf mit seiner Produktion von Spezialdreh- und Fräsmaschinen. Gebrüder Heinemann Maschinenfabriken AG in St. Georgen bestand als mittelständisches Industrieunternehmen im Schwarzwald rund 150 Jahre bis Mitte der 90er Jahre. (klw)