Das Interesse und eine Ahnung von der unbedingten Notwendigkeit sind vorhanden. Aber schon um den Begriff "Digital" ranken sich ganz unterschiedliche Definitionen. Wie werden nun die Chancen aus dem Digitalen erklärt, in der Breite zur Verfügung gestellt und in tragfähige Geschäftskonzepte gegossen? Hier setzt ein vom Land gefördertes Projekt an, an dem sich rund 30 Partner innerhalb eines Konsortiums beteiligen. Sitz dieses regionalen Digitalisierungszentrums namens "Digital Mountains" ist das St. Georgener Technologiezentrum (TZ).

  • Zweck: Im TZ werden digitale Initiativen in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg "physisch" gebündet. Das heißt, es entsteht eine wirkliche Anlaufstelle. Das Vorhaben ging aus dem Landeswettbewerb "Digital Hub" hervor. An zehn Orten im Land werden digitale Innovationen gebündelt. Eine regionales Konsortium sicherte sich Zuschlag und eine Million Euro Fördersumme. Die digitale Transformation, die Einbringung von der Digitaltechnologie in Wirtschaft und Alltag, wird durch eine große Serviceplattform erleichtert: Beteiligte Unternehmen, Gründer und Bildungseinrichtungen sollen hier eine optimale Beratung und Abwicklung für ihre Ziele im Bereich Digitalisierung finden. "Digital Mountains" weist drei Stoßrichtungen auf: die berufliche Aus- und Weiterbildung, die Unternehmensgründung und den Bereich Forschung und Entwicklung.
  • Heimvorteil: Mehrere Faktoren machen St. Georgen zur "Digitalisierungshauptstadt" der Region: "Das TZ ist ein Hort der Digitalisierung. Für die meisten Unternehmen hier ist das Digitale das Kerngeschäft", sagte TZ-Geschäftsführer und künftiger Konsortionalführer Digital Mountains, Martin Friedrich. Zudem sind hier künftige digitale Geschäftsmodelle schon weit entwickelt. Das TZ beherbergt mit dem Virtual Dimension Center eines der größten Netzwerke für VR/AR in Deutschland. Das sind komplette Darstellungen virtueller Realität (VR) oder zusätzlich eingespielte, aufgesetzte Inhalte (AR). Zudem bildet hier die Firma 3D-Labs ein Kompetenzzentrum im Bereich 3D-Druck. Angesiedelt wird derzeit eine komplette Abteilung eines Forschungsinstitut der Hahn-Schickard-Gesellschaft. Bürgermeister Michael Rieger zeigte sich erfreut, dass die Stadt den Zuschlag bekommen hat. Diese Entscheidung zeige auch, welche gute Wahrnehmung die Stadt bei der Landesregierung habe. Das große Gemeinschaftswerk bringe alle Innovationsträger unter einen Hut. Das Projekt sei innovativ und fortschrittlich. Ein Impuls zur rechten Zeit sei es, hier einen Wandel zu bündeln, der noch gar nicht allen bewusst ist.
  • Handlungsfelder: Für den Bereich Bildung, so Anke Blessing vom VDC werden multifunktionale und moderne Schulungsräume eingerichtet, die spezielle Weiterbildungs- und Trainingsmöglichkeiten bieten, aber auch von Gründern genutzt werden können. Der Unterricht erfolgt in Gruppen und Klassen oder für Einzelpersonen. Sowohl während der Schulzeit wie auch außerhalb. Lehrerfortbildungen sind ebenso vorgesehen wie Qualifizierungen für Mitglieder des Rettungswesens. Der digitale Lernstoff unterliegt permanenter Veränderung und begleitet neue Ausbildungsberufe oder neue Wahlpflichtfächer. Im Bereich Gründung spricht das TZ künftig auch Menschen an, die mit ihrer Idee erst vor einer Gründung stehen. Im "Inkubator" erhalten sie sechs Monate kostenlos Räume, Laborzugang und Beratung. Hier hilft der Konsortionalpartner baden-württemberg: connected. Der landesweit bedeutendste Gründerberater bringt aus dem eigenen Netzwerk Mentoren und Trainer ein. Fehlt der Bereich Forschung und Entwicklung (FE) : Simon Herrlich von Hahn-Schickard nannte hier die Vernetzung und Kooperation zwischen Unternehmen und den FE-Partnern, zu denen neben Hahn-Schickard die Hochschulen Furtwangen und Offenburg gehören. Geebnet werden soll der Zugang zu Fördermöglichkeiten. Vorgesehen sind ferner insgesamt neun konkrete Teilprojekte zur beispielhaften Transferarbeit des "Digital Hub", die auch den künftigen Bedarf ermitteln sollen.
  • Erste Schritte: Die Landesförderung muss in gleicher Höhe kofinanziert werden. TZ, VDC, Hahn-Schickard, bwcon, IHK und TechnologyMountains stemmen diesen Anteil, bringen sich jeweils mit eigenen Projekten ein und stellen Vertreter im Steuerungskreis im Zentrum "Digital Mountains". Während demnächst der Förderantrag ausgearbeitet wird, soll das auf drei Jahre befristete Projekt offiziell am 1. Juli starten. Bereits jetzt ist eine sogenannte "Fördermatrix" in Arbeit. Sie hilft, dass Partner und digitale Themen zusammenfinden. Generell betont das Vorhaben den Aspekt der Nachhaltigkeit. Man arbeite mit vorhandenen Ressourcen und baue keine zusätzliche Verwaltung auf, betonte Friedrich. Die Kompetenzen sollen über den Förderzeitraum hinaus der Region zugute kommen.