Michael Berner, umtriebiger Musikpädagoge und Orchesterleiter aus St. Georgen, war am Sonntag in seinem Element. Das Rotary-Jugendsinfonieorchester bot unter seiner Leitung in der Stadthalle vor großem Publikum ein einmaliges Konzert. Einmalig, weil das Orchester in dieser Zusammensetzung, mit diesem Programm und dem französischen Ausnahmepianisten Alexandre Tharaud nicht noch einmal auftritt. Auch dieses Erlebnis war ein Benefizkonzert, dessen Erlös sowie weitere Spenden dem Rotary-Projekt End Polio Now zugutekommen.

Geheimnisse und Widersprüche

Das Konzert war Kompositionen der Romantik gewidmet. Im Mittelpunkt stand das Klavierkonzert a-moll, op. 16 von Edvard Grieg (1843-1907). Am Flügel fügte sich der international bekannte Interpret französischer Klaviermusik, Alexandre Tharaud, in den Dialog mit dem Orchester flüssig ein, beanspruchte keine Sonderstellung, auch nicht in den Solo-Kadenzen. Dem Hörer erschloss sich im Wechsel die norwegische Landschaft mit ihren Geheimnissen und rauen Widersprüchen, die von Holzbläsern, Hörnern und Pauken thematisiert wurden, während Klavier und Oboe eher sanft miteinander kommunizierten.

Die Musiker begeistern ihr Publikum in der Stadthalle.
Die Musiker begeistern ihr Publikum in der Stadthalle. | Bild: Renate Bökenkamp

Im ersten Satz Allegro molto Moderato war alles schon enthalten, was im zweiten Satz Adagio unter anderem im Dialog zwischen Klavier und Orchester verfeinert ausgetauscht wurde. Im dritten Satz Allegro moderato molto e marcato wurde der Dialog fortgesetzt, verbinden die musikalischen Themen dieses, von Grieg einzige vollendete Klavierkonzert zu einem großen musikalischen Erlebnis. Sehr professionell ergänzten sich der Pianist und das Orchester in Interpretation und Modulation auf das Beste. Großer Beifall gab es für die Aufführung und Blumen für Tharaud.

Die Liebe siegt

Begonnen hatte das Konzert mit der viel gespielten Ouvertüre zur Oper „Der Freischütz“ von Karl Maria von Weber (1786-1826), die die dramatische Handlung der Oper vorstellt. Ob Liebesgeflüster oder Ereignisse in der Wolfsschlucht, alle angespielten Themen gipfeln mit eindringlichen Akkorden in der Aussage: Die Liebe siegt über das Böse, was Weber mit Motiven der Unterwelt und dem Agathe-Thema der selbstlos Liebenden in den Schluss-Akkorden betonte. Das Orchester folgte Berner sauber und gehorsam.

Langanhaltender Beifall

Mit den zwei Sätzen der Sinfonie Nr. 8 h-moll, D 759, genannt „Die Unvollendete“, von Franz Schubert (1797-1828) schloss das Konzert, wiederum durch Michael Berners umsichtige Führung des Orchesters bestens umgesetzt. Hier bestimmte die Dynamik das Werk, auf die sich die einzelnen Register immer wieder neu einstellen müssen. Liedhaft mal, dann wieder tänzerisch verspielt bis realitätsbezogen im Fortissimo wechselten die Stimmungen, die, so weiß die Musikgeschichte, in den beiden Sätzen das problematische Leben des Komponisten um 1822 widerspiegeln. Warum Schubert weitere Sätze nicht geschrieben hat, bleibt im Dunkel der Geschichte. Am Schluss dankte das Publikum mit langanhaltendem Beifall für ein wirklich einmaliges Konzerterlebnis.