Tellerwaschen und Kartoffeln schälen: Schon mit 13 Jahren hat TayfunAkkaya seinen ersten Ferienjob angetreten. "Ich war schon immer in der Gastronomie", so Akkaya, der in St. Georgen das BM-Café, den Kiosk im Hallenbad und die Minigolfanlage betreibt. Angefangen hat alles in jugendlichem Alter als Küchenhilfe in einem Restaurant in Triberg. Seine Aufgabe waren da die Klassiker: "Teller waschen, Kartoffeln schälen, lauter so Sachen", erinnert sich Akkaya an die einfachen Anfänge seiner Gastro-Laufbahn.

Dass Akkaya selbst bei Ferienjobs immer nur in der Gastronomie unterwegs war, hat seinen Grund: "Das hat mich schon immer gereizt und ist wie eine Sucht – wenn du einmal drin bist, lässt es dich nicht mehr los." Immer und immer wieder habe er deswegen in diesem Bereich gearbeitet, die Jobs führte er auch außerhalb der Ferienzeiten weiter.
Gastronom Tayfun Akkaya
Gastronom Tayfun Akkaya

Über einen Ferienjob in anderen Bereichen hat er erst gar nicht nachgedacht: "Ich habe schon damals gemerkt, wie mich dieser Beruf einfach kribbelt", erinnert sich Akkaya an seine Jugendzeit. Der Weg zum Hansdampf in allen St. Georgener Gassen war also schon vorgezeichnet: "Ohne Gastronomie kann ich einfach nicht", erklärt Akkaya, der das vor allem dann spürte, als er für eine kürzere Zeit mal nichts mit der Branche zu tun hatte.

Auf eine spezielle Anschaffung sparte Akkaya mit dem Verdienst seiner Ferienjobs nicht hin: "Ich habe einfach so drauf losgearbeitet und habe das Geld nicht für eine konkrete Sache eingeplant", schaut der Gastronom auf seine Anfänge zurück.

Geld verdienen als Dolmetscherin

Pfarrerin Susanne Fritsch hat ihren Eltern früher häufig bei der Gartenarbeit geholfen und dafür ein bisschen Taschengeld bekommen. "Außerdem habe ich ein paar Mal als Dolmetscherin Geld verdient", sagt die Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde St. Georgen-Tennenbronn. Das habe sich insbesondere deshalb angeboten, weil sie in einer deutsch-amerikanischen Familie zweisprachig aufgewachsen ist und aus diesem Grund auch die englische Sprache bestens beherrscht. Sie erinnert sich beispielsweise an das Dolmetschen für eine indische Delegation bei einem karitativen Projekt.

Außerdem habe sie während des Theologie-Studiums, das sie in den Städten Saarbrücken, Tübingen, Straßburg und Heidelberg absolvierte, ein Praktikum in der Industrie gemacht. Dort habe sie bei einem Unternehmen gearbeitet, das große Armaturen herstellt. Trotzdem, so erzählt Susanne Fritsch, sei es früher nicht so gängig gewesen, sich durch Nebenjobs in der Ferienzeit etwas dazuzuverdienen. Besonders für Mädchen habe es damals nur sehr wenige Gelegenheiten gegeben, sich durch solche Nebentätigkeiten ein bisschen Geld dazuzuverdienen.

Pfarrerin Susanne Fritsch
Pfarrerin Susanne Fritsch
Die Pfarrerin ist in dem kleinen Ort St. Ingbert im Saarland aufgewachsen, erinnert sich aber daran, dass vor allem ihre Brüder häufiger Ferienjobs hatten. Die hatten Vorteile, weil sie mobil waren. "Die konnten mit dem Moped fahren und haben dann irgendwo gejobbt", so Pfarrerin Susanne Fritsch, die gemeinsam mit ihrem Mann Pfarrer Friedemann Fritsch und vier Töchtern 2005 in die Bergstadt gekommen ist. (pga)
In der Bank arbeiten für das Studium

Im Rathaus selbst gibt es keine Ferienjobs. Lediglich früher habe man diese, beispielsweise im Bauhof, angeboten. Doch St. Georgens Verwaltungschef selbst, Bürgermeister Michael Rieger, hat sich in der Schul- und Studienzeit mit einigen Nebenbeschäftigungen etwas dazuverdient. "Ich habe beispielsweise mal Zeitungen ausgetragen", sagt Michael Rieger. Außerdem habe er während des Studiums in der Kreissparkasse Rottweil gearbeitet. Dort habe er kleinere Aufgaben übernommen. Zudem arbeitete Michael Rieger auch mal in einer Diskothek. Verschiedene Tätigkeiten habe er dort, damals, so erinnert der Verwaltungschef sich, im Alter von 25 oder 26 Jahren, übernommen.
Bildunterschrift
Bildunterschrift

Es ging für Michael Rieger zu dieser Zeit darum, die studentische Haushaltskasse durch die Nebentätigkeit etwas aufzubessern. Mit dem verdienten Geld konnte Michael Rieger seinen Lebensunterhalt finanzieren. Etwas Bestimmtes gekauft oder auf eine Investition angespart habe er mit dem Zuverdienst nicht. Für junge Menschen, die rund 30 Jahre später in einer ähnlichen Situation wie der 56-jährige Bürgermeister stecken, sei ein Ferienjob in jedem Fall eine sehr empfehlenswerte Erfahrung.

Man bekomme einen Einblick in die Berufswelt, der gerade dann besonders wichtig wird, wenn es später um die eigene berufliche Orientierung junger Menschen geht. Der Lerneffekt sei außerdem auch, dass man für das Geld etwas leisten müsse und dass es keine Selbstverständlichkeit ist, finanziell beispielsweise von den Eltern unterstützt zu werden. "Es fliegt einem ja nicht alles zu", so Michael Rieger.
Symboldbild
Symboldbild | Bild: Patrick Ganter (dpa)

Schläger ausgeben und Stapler fahren

Schläger auszugeben war eine der ersten Aufgaben von Ralf Heinrich in seiner Ferienjobzeit. Der Schulleiter des Thomas-Strittmatter-Gymnasiums verdiente als Schüler sein erstes Geld auf einem Golfplatz. "Ich habe immer in den Ferien gearbeitet, aber das war mein bester Job", erinnert er sich. Denn der eher entspannte Job, bei dem der damalige Elfklässler Heinrich die Spieler betreute, war "nicht schlecht bezahlt und ganz witzig".

In seiner Studentenzeit setzte Heinrich dann eher auf gut bezahlte Aushilfsjobs in der Metallindustrie. "Wenn man da im Akkord arbeitet, lernt man richtig, was es bedeutet, zu schaffen", sagt er. Kuriose Erfahrungen hat Heinrich während seiner Ferienjobs einige gesammelt. Etwa bei einem Betrieb, bei dem er immer Gabelstapler fahren musste – freilich ohne den dafür vorgeschriebenen Staplerschein zu besitzen. "Freitag nachmittags sind immer fast alle Angestellten früh heim. Die meisten Lieferungen kamen natürlich erst viel später an – da durfte ich die ganzen Lkws dann halt alleine ausladen", sagt Heinrich lachend. Immerhin hatte er dabei ein festes Ziel als Motivation vor Augen: Mit seinen Ferienjobs arbeitete der jetzige Schulleiter auf das erste eigene Auto hin.

Der Schulleiter begrüßt es, wenn seine Schüler in den Ferien arbeiten: "Man lernt dabei, wie Betriebe funktionieren, besser als in der einen Woche Schulpraktikum." Und wenn die Jugendlichen lernen, wie anstrengend es sein kann, Geld zu verdienen, erhöhe das oft auch das Verständnis für die eigenen Eltern.