Wo einst Zeitschaltuhren montiert und in die ganze Welt verschickt wurden, herrscht weitgehend gähnende Leere in den Produktionsräumen der Firma Grässlin in Peterzell. Bevor die Firma, die ihren Produktionsstandort nach Mexiko verlegt hat, endgültig die Pforten schließt, öffnet sie am Samstag noch einmal die Türen für einen Abverkauf von restlichem Inventar. Der SÜDKURIER war vorab in dem Gebäude, das demnächst abgerissen wird.

Die Hochregale sind leer geräumt und stehen am Samstag ebenfalls zum Verkauf.
Die Hochregale sind leer geräumt und stehen am Samstag ebenfalls zum Verkauf. | Bild: Sprich, Roland

In der großen Halle, in der einst Dutzende Mitarbeiterinnen Zeitschaltkomponenten montierten, herrscht gähnende Leere. Die Montagelinie, an der einst die technischen Steuerungskomponenten zusammengesetzt wurden, die über viele Jahrzehnte das Herzstück der Firma Grässlin waren, ist bereits abgebaut. Eine andere Anlage steht noch. Vereinzelt stehen verlassene Montagebänke herum, Stühle warten aufeinandergestapelt auf ihren Abtransport. Ein Wasserkocher in einer Ecke, die einst als Kaffeeecke genutzt wurde, fristet seit Monaten ein ungenutztes Dasein auf einem ebenso ungenutzten Kühlschrank. Ein paar Pflanzen auf den Fensterbänken sind den Dürretod gestorben.

Solche Werkbänke und viele andere Einrichtungsgegenstände stehen am Samstag bei Grässlin zum Verkauf.
Solche Werkbänke und viele andere Einrichtungsgegenstände stehen am Samstag bei Grässlin zum Verkauf. | Bild: Sprich, Roland

Das gleiche Bild auch im übrigen Gebäude. Die Hochregale im Lager sind leer geräumt, die zwischen 8000 und 10 000 Lagerplätze umgezogen. Die wenigen verbleibenden Mitarbeiter, die nicht von der großen Entlassungswelle betroffen sind, haben inzwischen das Material an den Standort in St. Georgen verfrachtet. Einer von ihnen ist Omigliano Crispo. Er arbeitet seit 42 Jahren bei Grässlin. „Es tut schon weh“, sagt er wortkarg, während er als eine der guten Seelen hilft, das Gebäude leer zu räumen.

Dorothea Fichter-Fechner zeigt einen Schrank, der am kommenden Samstag zusammen mit weiterem Mobiliar und technischen Geräten bei der Firma Grässlin zum Abverkauf stehen.
Dorothea Fichter-Fechner zeigt einen Schrank, der am kommenden Samstag zusammen mit weiterem Mobiliar und technischen Geräten bei der Firma Grässlin zum Abverkauf stehen. | Bild: Sprich, Roland

Dorothea Fichter-Fechner von der Unternehmenskommunikation zeigt beim Rundgang durch die Räumlichkeiten auf diverses Mobiliar. „Das kann am Samstag alles gekauft werden.“ Stühle, Schränke, Regale und etliche Werkbänke aus dem Grässlinbestand stehen zum Verkauf. Währenddessen warten in einem anderen Bereich noch Kisten und Kartons voller Unterlagen und Büroequipment darauf, nach St. Georgen verladen zu werden.

Auch diese Stühle können erworben werden.
Auch diese Stühle können erworben werden. | Bild: Sprich, Roland

In besten Zeiten beschäftigte das von Dieter Grässlin 1956 gegründete Unternehmen 500 Mitarbeiter. Seit 2007 gehört die Firma zum amerikanischen Intermatic-Konzern. Im Frühsommer 2017 wurde bekannt, dass Grässlin 63 der zum damaligen Zeitpunkt rund 150 Beschäftigten entlassen und die gesamte Produktion nach Mexiko verlagern wird. Gegen die Entlassungen klagten die Mitarbeiter, die zum Teil 30 und mehr Jahre in dem Unternehmen gearbeitet haben. Die Klagen blieben ohne Erfolg.

Neubau der Firma Wahl auf altem Grässlin-Gelände

Die Firma Wahl aus Unterkirnach, Herstellerin von Haarschneidemaschinen, kaufte das Gelände und wird an der Stelle eine moderne Fertigungsstätte errichten. Der Gemeinderat stimmte kürzlich dem Bebauungsplan zu, so dass der Abriss des alten Gebäudes, in dem einst die Möbelfirma Zeyko ansässig war, voraussichtlich in den nächsten Monaten beginnen wird.

In St. Georgen geht die Ära Grässlin weiter. Dort bleiben die Entwicklungsabteilung und das technologische Know-How mit kleiner Mannschaft bestehen.