Er ist ein absoluter Neuling in der Literaturbranche, und dennoch wird er als einer der Höhepunkte der ersten St. Georgener Literaturtage gehandelt, die derzeit in der Stadtbibliothek stattfinden. Buchautor Andy Feind wird am Donnerstag, 25. Oktober, aus seinem Buch "Gedankengewitter" lesen. Darin beschreibt der Autor seinen Kampf mit der Krankheit Depression.

"Das Buch ist eine Symbiose zwischen Autobiografie, Roman und Tatsachenbericht", beschreibt Andy Feind, der Name ist ein Pseudonym, den Inhalt seines Erstlingswerkes. Darin verarbeitet der heute 33-Jährige seine psychische Erkrankung, deren Auslöser vor 17 Jahren ein persönlicher Schicksalsschlag war.

Die Stadtbibliothek wird dem Publikum mit dem Thema Depression keine einfache Kost servieren. Dass Andy Feind für eine Lesung in diesem Rahmen angefragt wurde, hat ihn nach eigenen Angaben selbst überrascht. Dass sich Leiterin Lucia Kienzler dazu entschieden hat, das Thema in die Literaturtage aufzunehmen, hat mehrere Gründe, wie sie beim Pressegespräch sagt. "Wie definiert man Literatur? Für mich ist alles Literatur", sagt sie. Und weiter: "Ich habe Andy Feind bei seiner ersten Lesung bei der Gesundheitswoche im Frühjahr erlebt und gesehen, wie groß das Interesse an dem Thema war. Was ich gehört habe, hat mir gefallen." Das allein reicht allerdings nicht aus, um bei einer solchen Veranstaltungsreihe auftreten zu dürfen. "Natürlich gibt es bestimmte Kriterien, nach denen wir die Autoren und deren Werke aussuchen. Das Thema muss fesseln und es muss spannend geschrieben sein." Beides sieht sie bei Andy Feind als gegeben. Und: "Er hat eine angenehme Erzählstimme." Aber auch die Tatsache, dass der Autor ein St. Georgener ist, habe die Entscheidung beeinflusst. "Man muss heimische Autoren unterstützen."

In sein Erstlingswerk hat Andy Feind viel Arbeit und Energie gesteckt. Diese aufzubringen hat ihn aufgrund seiner Krankheitsphasen teilweise sehr viel Kraft gekostet. Umso stolzer ist er, das fertige, 284 Seiten starke Buch nun der Öffentlichkeit vorstellen zu können. Darin verarbeitet hat er den Zeitraum von seiner Kindheit bis heute. Das Schreiben war für ihn zudem eine wichtige Therapie. "Dabei habe ich sehr viel aufgearbeitet, was in mir steckte. Durch das Schreiben kam es endlich heraus", beschreibt er die Emotionen. Erst durch das Schreiben konnte er den Tod seines Vaters, der ursächlich für die Erkrankung war, überhaupt verarbeiten. Dies ist auch einer der Ratschläge, die Andy Feind den Zuhörern geben möchte: "Mit dem Schreiben beispielsweise kann man sich Erleichterung verschaffen."

Trotz des ernsten Themas, bei dem Andy Feind auch offen über seine Selbstmordabsicht spricht, die er vor zehn Jahren hatte, soll der Leseabend auch humorvoll werden. Bei dem Leseabend, der sowohl für Betroffene, als auch für Angehörige von Betroffenen und Nichtbetroffenen tiefe Einblick in die Gedankenwelt von Depressionserkrankten bietet, gibt Andy Feind auch Ratschläge, wie er mit der Krankheit umgeht: "Ich habe im Buch 30 Ratschläge, manche sind humorvoll, andere durchaus ernst." Auch wird die Veranstaltung keine reine Lesung sein. "Ich werde lesen, dazwischen aus eigenen Erfahrungen erzählen und es gibt eine Fragerunde." Wer sich nicht traut, in großer Runde mit dem Autor in Kontakt zu treten, hat nach der Lesung Gelegenheit für das persönliche Gespräch mit Andy Feind.

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