Schwebende Roboter, experimentelle Klangforschung und Haarbürsten, die Richtung Sonne kriechen, gibt es nur in Science-Fiction-Filmen? Weit gefehlt – diese Werke sind nur Beispiele für das, was in der "Künstlerresidenz Friedrichstraße 5a" in St. Georgen passiert. Seit Kurzem wurde der Verein Global Forest offiziell anerkannt. Nun kann die Forschung richtig losgehen.

"Wir treffen uns am Montag zu einer außerordentlichen Mitgliederversammlung, wo wir dann Feinheiten herausarbeiten, wie etwa die Höhe der Mitgliedsbeiträge", erklärt Olsen alias Oliver Wolf, der gemeinsam mit Viktoria Tiedeke den Vorstand von Global Forest bildet. Die Zielgruppe, die der Verein ansprechen möchte, ist breit abgesteckt: "Im Prinzip sind das kulturell interessierte Leute, die auch gerne mal über Kunst sprechen. Man sollte Spaß an Zeitgenössischer Kunst haben – mehr ist eigentlich nicht notwendig", so Olsen.

Dabei ist es den Mitgliedern wichtig, sich nicht über andere zu erheben, sondern auf einer Ebene zu diskutieren. Global Forest sei eine "offene Plattform, die den Austausch sucht. Wir wollen hier nicht erklären, was Kunst ist, sondern die Wertschätzung für künstlerische Arbeit offenlegen", erklärt Viktoria Tiedeke. Erfindergeist sei in der Region Schwarzwald und vor allem in St. Georgen schon immer groß geschrieben worden, "da wollen wir anknüpfen", sagt sie.

Das könnte Sie auch interessieren

Global Forest gleich Künstlerresidenz: Künstler aus aller Welt kommen in die Bergstadt, um in den Räumen der Friedrichstraße 5a kreativ zu werden. Bislang seien Bekannte und Freunde "über mehrere Ecken" als Residenten nach St. Georgen gekommen. Ein formelles Bewerbungsverfahren sei nicht möglich gewesen, weil erst seit wenigen Wochen die offizielle Vereinszusage vom Amtsgericht in Freiburg ins Haus geflattert sei. In Zukunft muss sich "jeder Resident bewerben". "Um hierher zu kommen muss man ein Portfolio seiner bisherigen Arbeiten vorlegen und klarmachen, was er hier umsetzen will und warum er gerade hierher kommen will", so Tiedeke. Dadurch wolle man sichern, dass in den Kunsträumen auch qualitativ hochwertige Ergebnisse erzielt werden, die sich gerne auch mit den lokalen Gegebenheiten auseinandersetzen kann. Verpflichtend sei der lokale Bezug jedoch nicht.

Teilweise wolle man den Aufenthalt durch Mitgliedsbeiträge finanzieren. Das sei jedoch nur bedingt möglich. "Natürlich sind wir auch auf Spenden von Unternehmen oder auf Fördermittel des Landes oder des Bundes angewiesen. Da sind wir gerade dran zu recherchieren", so Tiedeke, die als Kunsthistoriker bei der Firma Siedle in Furtwangen arbeitet. Langfristige und kontinuierliche finanzielle Unterstützung sei wichtig. Aber auch Sachspenden sind erwünscht. "Wir sind hier schon wirklich gut vernetzt. Das Phonomuseum leiht uns für Veranstaltungen beispielsweise Plattenspieler oder Boxen aus", so Tiedeke. Auch Virtual-Reality-Brillen und Lautsprecher bekäme der Verein zur Verfügung gestellt. Ein Unternehmen aus Villingen-Schwenningen hat dem Verein kostenlos eine Webseite gebaut. Um die Kunst in der Doppelstadt auszustellen kann der Verein zeitweise eine Wohnung in der Innenstadt beziehen.

Während des Aufenthalts bietet die Künstlerresidenz Schlafmöglichkeiten für drei Personen in der Friedrichstraße 5a. Die Arbeitsräume seien auch nur für maximal drei Künstler ausgelegt, die dann zur gleichen Zeit arbeiten und sich gegenseitig unterstützen. "Ist das nicht viel schöner, als wenn einer für sich allein im stillen Kämmerlein arbeitet?", stellt Olsen die offene Frage in den Raum.

Robert Jack mit einem seiner außergewöhnlichen Werke.
Robert Jack mit einem seiner außergewöhnlichen Werke. | Bild: Küster, Sebastian

Jeder Resident muss am Ende seiner Schaffenszeit in der Bergstadt seine Kunst der Öffentlichkeit präsentieren. Das können Konzerte, Ausstellungen oder sogar Workshops sein. "Dadurch wollen wir eine Willkommenskultur schaffen. Wir sind allesamt zugezogene St. Georgener und möchten uns öffnen", so Olsen. Derzeit tüfteln Kalle und Robby in den Räumen der Friedrichstraße. Kalle ist Klangforscher und hat früh angefangen, Kinderkeyboards zu Synthesizern umzubauen. Seine Auftritte mit den Instrumenten nimmt er auf und präsentiert sie im Internet. Ähnlich Robby: Er hat während seines Studiums in England einen kleinen Computer namens "Bela" gebastelt, der nicht größer ist als ein Daumen. Mit diesem Gerät können Klänge aufgenommen und dann auf unterschiedliche Weisen verändert und abgespielt werden.