Für Johannes Probst ist es auch nach 32 Jahren im Beruf der schönste Job der Welt: Nach Einschätzung des Allgemeinmediziners "erlebt die Tätigkeit als Hausarzt gegenwärtig sogar eine Renaissance". Nach vielen Jahren, in denen man die Hausärzte mit der Folge eines entsprechenden Imageschadens kaputtgeregelt habe, werde es besser. Wenn die Strukturen stimmen. Im MTZ genannten Ärztehaus in St. Georgen verfügt Probst, eine Ärztin in Weiterbildung eingerechnet, über ein vierköpfiges Mediziner-Team. Vertretungen sind leicht möglich, eine persönliche Zuordnung zwischen Arzt und Patient bleibt, wie beim Landarzt alter Prägung, erhalten.

Dass das Interesse am Allgemeinmediziner wieder zunimmt, bestätigt die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Baden-Württemberg. "Diese Profession hat Zukunft, doch ihr Tätigkeitsfeld wird sich ändern.", sagt KV-Sprecher Kai Sonntag und spricht von Fusionstendenzen bei den Hausärzten. Dieser Trend zu größeren Praxiseinheiten folge einer Entwicklung, die zuvor bei den Fachärzten begonnen habe. Doch für die frohe Botschaft fehlt in vielen Regionen des Schwarzwald-Baar-Kreises (SBK) der Glaube. Die KV regelt die Niederlassungsmöglichkeiten nach eine Quotenregelung. So gelten im Kreis nahezu alle Facharztbereiche als überversorgt. Nur Augen- und HNO-Ärzte dürften sich zusätzlich niederlassen. Bei den Allgemeinmedizinern erfolgt die Betrachtung seit 2013 getrennt auf Baar und Rest des Kreises. Sechs zusätzliche Ärzte dürften sich in Donaueschingen niederlassen, vier in VS. Wenn aber diese die Stadt dem Dorf vorziehen, habe das mit freiem Unternehmertum zu tun.

"Ärzte bestimmen da selbst, die Marktmacht hat sich da verschoben", so Sonntag. Dem SBK hilft bisher noch nicht, dass einige Raumschaften von der KV als Fördergebiet definiert wurden, in denen bis zu 60 000 Euro Fördermittel für Neueröffnung, Übernahme, Nebenbetrieb oder Anstellung eines Arztes bezahlt werden.

"Die Problematik wächst Richtung Westen", sagt Sonntag. Stimmt. Bürgermeister Michael Rieger sieht St. Georgen insgesamt relativ gut aufgestellt. Man müsse aber die Entwicklung im Auge behalten. Sein Amtskollege Christian Wörpel in Schönwald sieht "gerade die Raumschaft Triberg als Notstandsgebiet, also unterversorgt im hausärztlichen Bereich". In Schonach gab es vor drei Jahren noch drei Allgemeinmediziner, jetzt praktiziere nur noch einer, skizzierte Bürgermeister Jörg Frey den Antrieb, im Skidorf mit Hochdruck nach Allgemeinmedizinern zu suchen. Auch in Schönwald kann die bestehende Praxis den Bedarf nicht voll abdecken.

In Triberg sieht Gallus Strobel die Ärzteversorgung zumindest bei den Hausärzten noch gut aufgestellt. "Aber es fehlen die Fachärzte", ergänzt der Bürgermeister. Ein Kinder- und ein Frauenarzt wären eine Bereicherung. Ein Ausbau der aktuell stundenweisen HNO-Versorgung, ein Hautarzt und eine Kinderarztpraxis stehen auf der Wunschliste von Michael Rieger. 13 Kilometer weiter bröckelt die Gesundheitsstrukur an anderer Stelle. In Schönwald gibt es nach Schließung der Apotheke zwar einen Rezeptbriefkasten, der jedoch laut Wörpel keine Apotheke vor Ort ersetzen könne. Wo Strukturen kranken oder gefährdet sind, werden Kommunen notgedrungen aktiv.

Der Arbeitsaufwand im Rathaus ist mit Ausnahme von Triberg hoch. "Wenn eine Kommune nicht selbst aktiv wird, kriegt sie keinen Fuß auf den Boden", sagt Königsfelds Bürgermeister Fritz Link. Hier sei ein ganz neues Aufgabenfeld für Kommunen entstanden, obwohl hier doch eigentlich die Kassenärztliche Vereinigung in der Pflicht stehe.

Die Jagd auf aktive Ärzte hat viele Formen: Man unterstütze die Suche nach Wohn- und Praxisräumen, sagt Jörg Frey, auch wenn Wörpel ahnt, dass es am Ende die Familie sein wird, die mit dem Arzt aufs Land zieht. Auch über finanzielle Anreize wird im hinteren Schwarzwald gesprochen. In Schönwald hat es sie schon gegeben und sind sie weiter denkbar, in Schonach wären sie fallweise dem Gemeinderat vorbehalten, in Triberg heißt es ja und nur Michael Rieger in St. Georgen lehnt diese ab. "Man muss halt umsteigen und viel Zeit mitbringen", beschreibt Jörg Frey noch sehr freundlich die Anbindung gerade älterer Bürger an die Zentralklinik. Zufriedenstellend ist die Busanbindung dagegen für den St. Georgener Bürgermeister. Kleiner Trost: Schon früher haben sich Patienten bei der Arztwahl nicht um Landkreisgrenzen gekümmert. Diese Patientenwanderungen sind bisher nie erfasst worden.

 

Hausärzte in der Region 

 
  • Manchmal drückt nur das Ohrenschmalz

    Die HNO-ärztliche Grundversorgung für die Bevölkerung in St. Georgen und Umgebung wird durch eine Zweigpraxis des Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) Schwenningen sichergestellt. Jeweils donnertags an den Vormittagen halten im Ärztehaus (MTZ) an der Gerwigstraße die HNO-Fachärzte ArsimThaqiNicolaeCiprianPresecan, Miloš Fischer und Christian Mozet im Wechsel ihre Sprechstunde ab. Dabei schwankt das Alter der Patienten. Kleinkinder werden ebenso behandelt wie betagte Rentner. Das Einzugsgebiet der Zweigpraxis deckt mehr als die Bergstadt ab. Es reicht auch in den Westen von St. Georgen hinaus. Zu den häufigsten Diagnosen in dieser HNO-Praxis zählen verstopfte Ohren durch Ohrenschmalz, Hörminderung im Allgemeinen oder Nasenbeschwerden. Etwa vier von fünf Patienten kann das Team vor Ort helfen, ein Fünftel wird zu weiterführenden Untersuchungen, etwa des Hörens, des Riechens oder zu Nasen-Luftstrommessungen ins MVZ im Schwarzwald-Baar-Klinikum geschickt. Termine für aufschiebbare Fälle können binnen zwei bis vier Wochen vereinbart werden, akute Fälle werden direkt aus der Zweigpraxis ins Klinikum transportiert. (wur)

  • Die Experten bei Unfällen aller Art

    Das Einzugsgebiet der Orthopäden und Unfallchirurgen bildet neben St. Georgen auch die Raumschaften Triberg und Furtwangen sowie Königsfeld ab: Seit 2014 praktizieren Michael Zimmerer und Micael Lopes Videira an der Gewerbehallestraße. Zum ärztlichen Team gehört auch Thomas Leonhardt, der alle zwei Wochen eine spezielle Gelenksprechstunde abhält. Junge Leute mit Sportverletzungen und Berufstätige mit Arbeitsunfällen bilden das Gros der Patientenschaft. Insbesondere für letztere unterhält die Praxis mit neun Angestellten werktags eine 8-18-Uhr-Bereitschaft. Zudem werden regelmäßig ambulante Operationen durchgeführt. Das Patienten-Alterspektrum ist breit, auch eine Kinderorthopädie bieten die Ärzte an. Geht es irgend wie, wird vor Ort geholfen. Zu den Diagnosemöglichkeiten gehören digitales Röntgen und hochauflösender Ultraschall ebenso wie Stoßwellentherapie, Knochendichtemessung, Magnetfeld- und medizinische Lasertherapie. Planbare Termine werden binnen 14 Tagen vergeben, Nottermine schnellstmöglich. (wur)

  • Der Hausarzt muss auch mobil sein

    "Ohne Hausbesuche geht's nicht auf dem Land." Das weiß Allgemeinmediziner Oliver Freischlader. Er praktiziert seit 1999 in St. Georgen. Inzwischen im Ärztehaus (MTZ). Hier hat er kurze Wege, um einen Spezialisten zu konsultieren. Die Ärztegemeinschaft im Ort sei einmalig kooperativ, Vertretungen klappten prima. Freischlader behandelt Patienten vom Teenie bis ins hohe Alter. Die meisten kommen aus St. Georgen, viele aus Schönwald und Schonach, ein paar aus Königsfeld. Sie bringen oft Herzprobleme mit oder saisonale Effekten. Eine Besonderheit der von drei Helferinnen und einer Auszubildenden in Gang gehaltenen Praxis ist eine Ultraschall-Spezialisierung. Nicht nur Bauch und Schilddrüse, sondern auch Herz und Thromboseausschluss stehen im Focus. Rund 400 Herzultraschalls kommen pro Jahr zusammen, oft auf Bitte von Kollegen vor Ort. Akute Beschwerden werden am gleichen Tag behandelt, aufschiebbare Termine meist in der gleichen Woche. Nur ein Langzeit-EKG-Termin kann länger dauern. (wur)

  • Alles eine Frage guter Organisation

    "Rückenbeschwerden nehmen zu." Schaut sich der Internist Andreas Franow die am häufigsten behandelten Beschwerden in seiner 2007 vom Vater übernommenen an der MÜhlstraße an, gehören auch Blutdruck-, Herz- und Diabeteserkrankungen zu den internistischen Klassikern. Seine Patienten kommen meist aus St. Georgen, andere "von Neuhausen bis Schönwald". Das Gros liegt in der Altersspanne zwischen 50 und 70 Jahren. Dank mehrjähriger Tätigkeit in einer Universitätsklinik ist Franow, zudem ausgebildeter Notfallmediziner, internistisch bestens aufgestellt. Quasi nur wenn es der Patient wünscht, erfolgt eine Überweisung. Anders natürlich in chirurgischen und orthopädischen Fragen. Franow setzt den Computer bei der Büroarbeit ein, beschäftigt vier Hilfen und legt Wert auf gut geplante Abläufe. Seine Sprechstunde beschränkt sich deshalb ohne Schwatz auf das medizinische Anliegen. Das kommt Patienten zugute. Termine werden dank eingebauter Puffer zu 95 Prozent noch am gleichen Tag vergeben. (wur)