Seit ein paar Wochen verbringt Francesco Fazio, der Vorsitzende des Italienischen Zentrums, seinen Feierabend mit ein bis zwei Stunden streichen, aufräumen oder Elektroleitungen verlegen. Und er macht es gern. Oder wie er sagt: „Was soll ich machen!“ Unter der Woche ist er meistens allein, am Wochenende sind sie mal zu zweit oder auch zu fünft.

Vor rund drei Monaten haben sie den Raum in der Gerwigstraße, neben dem Eiscafé Venezia, gefunden. Wo einst ein Blumenladen untergebracht war, soll jetzt die italienische Seele der Bergstadt ihre neue Heimat finden. „Der Raum ist perfekt für das, was wir brauchen.“ 90 Quadratmeter ist er groß. Vorne eine kleine Theke, hinten ein kleiner Abstellraum. Die Wände müssen sie streichen, neue Elektroleitungen haben sie bereits verlegt und eine neue Holzverkleidung angebracht.

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Sechs bis acht Tische will er noch aufstellen, ein paar Blumen, ein wenig Herz eben in den Raum bringen. Und natürlich Kaffee. Besser: Espresso. Den wird es immer geben, wenn sie hier sind. „Ab und zu wollen wir am Sonntag auch etwas aus der Küche anbieten“, sagt Fazio. „Ich hoffe, dass viele Leute vorbeikommen.“ Denn der Raum ist nicht nur für die Mitglieder gedacht. „Jeder der rein will, kann vorbeikommen. Es sind alle eingeladen.“ Ein Espresso inklusive. „Wenn es gut läuft, machen wir nach dem Urlaub auf.“ Die Miete für den Raum müssen sie selbst aufbringen. Unterstützung von der Stadt erhalten sie keine. „Klar kostet uns das was, aber ich denke, das schaffen wir“, sagt Fazio.

Ortswechsel. Varujan Borzakogly ist der Vorsitzende des türkischen Vereins, oder besser: Er war der Vorsitzende. „Wir haben keine Mitglieder mehr“, sagt er. Von den einst 120 Mitgliedern waren am Ende noch 20 übrig, Tendenz weiter sinkend. „Wir haben eine Sitzung gemacht und beschlossen, dass es so keinen Sinn mehr macht. Wir haben uns aufgelöst.“ Der fehlende Raum, ja, das war vielleicht ein Grund. Der wohl wichtigere: „Die neue Generation interessiert das nicht mehr“, sagt Borzakogly. Das Schreiben zur Vereinsauflösung vom Rathaus hat er schnell bei der Hand. Datiert ist es vom 13. Juni 2018.

Anderer Verein, gleiches Problem: Auch der jugoslawische Verein Veljko Vlakovic hat bis heute kein neues Domizil gefunden. Die Folge: Bozidar Mudrinic, der Vorsitzende, hat, pragmatisch wie er ist, die Teilnahme am diesjährigen Stadtfest abgesagt: „Wir haben keinen Raum, also haben wir auch keine Kosten, brauchen also auch kein Geld.“

Der vierte im Bunde ist der spanische Verein. Hier hatte die Nutzungsuntersagung wohl die weitreichendsten Folgen. Hasta luego statt Hola hieß es bei José Antonio Meis, dem Vorsitzenden des spanischen Vereins und seiner Frau Maria Lopez Espada nach dem „Rauswurf“ aus dem Löwen. „Wir haben keinen Platz mehr und dadurch keine Leute mehr“, sagt Lopez Espada. Mehrmals hatte José Antonio Meis bei der Stadt nach Unterstützung angefragt. Die Antwort war immer dieselbe: „Es hat geheißen, wir müssen uns einen Raum anmieten“, sagt Lopez Espada. „Aber das können wir finanziell nicht stemmen.“

Um die 50 Mitglieder hatte der Verein zuletzt. Getroffen haben sie sich immer am Wochenende. Am Samstag die Frauen zu Kaffee und Kuchen, oft mit den Enkelkindern. „Mal hat die eine was gemacht, mal die andere“, sagt Lopez Espada. Am Sonntagmorgen haben sich dann die Männer getroffen. Das ist jetzt vorbei. Allein zwei bis drei Männer treffen sich mal noch am Sonntagmittag irgendwo in der Stadt, einen festen Platz haben sie nicht mehr. „Es ist schade“, sagt Lopez Espada. „Es ist einfach nicht mehr das gleiche.“ Sie macht eine kurze Pause und sagt dann noch: „Meine Eltern sind seit ‚63 hier, damals gab es den Verein schon. Und jetzt, auf einmal, ist gar nichts mehr da.“