Ihr Name ist ebenso markant wie ihr Auftreten. Die Guggenmusik Bloos-Arsch aus Peterzell feiert im September ihr 40-jähriges Bestehen mit einem viertägigen Fest. Im SÜDKURIER erinnern sich Gründungsmitglieder an die Anfänger der Guggenmusik, verraten, wie der Name entstanden ist und wie die ersten Auftritte akquiriert wurden. Und wie die Guggenmusik aus Sicht eines Neulings funktioniert.

  • Die Idee: Kurt Thieringer und Michael Joos sind zwei der insgesamt noch fünf Gründungsmitglieder, die seit 1979, also von Anfang an bei der Guggenmusik sind. Dazu zählen noch Peter und Berthold Fichter und Albrecht Lauble. Sie erinnern sich. „Die zündende Idee hatte wohl Peter Fichter, als dieser einen Auftritt der Guggenmusik Alte Kanne aus Villingen miterlebte“, sagt Kurt Thieringer. Daraufhin fragte er Freunde, ob sie sich vorstellen könnten, ebenfalls eine Guggenmusik zu gründen. Die ersten zwölf Mitglieder hatten mehr oder weniger musikalische Erfahrung und spielten teilweise im Posaunenchor oder im St. Georgener Fanfarenzug.
Damit hat es angefangen. Kurt Thieringer, einer der Gründungsmitglieder, die bis heute aktive Guggenmusiker sind, zeigt das Waschbrett und den Nachttopf mit dem Aufkleber „Guten Morgen, Sie Arsch“. Bild: Roland Sprich
Damit hat es angefangen. Kurt Thieringer, einer der Gründungsmitglieder, die bis heute aktive Guggenmusiker sind, zeigt das Waschbrett und den Nachttopf mit dem Aufkleber „Guten Morgen, Sie Arsch“. Bild: Roland Sprich | Bild: Sprich, Roland
  • Der Name: Bei der Namenssuche spielte der Zufall eine Rolle. Werner Thieringer, inzwischen verstorbener Bruder von Kurt Thieringer, verfügte über ein Waschbrett mit einem Nachttopf, auf dessen Boden ein Aufkleber mit dem Spruch „Guten Morgen, Sie Arsch“ stand. Der Ausdruck „Arsch“ gefiel den jungen Musikern. „Und das Bloos kam vom Ausdruck für blasen dazu“, lüftet Thieringer das Geheimnis, wie der Name zustande kam. Der Nachttopf samt Aufkleber ist heute noch im Vereinsheim, der alten Sängerhalle in Peterzell zu bestaunen.
  • Die Instrumente: Um eine musikalisch schlagkräftige Truppe auf die Beine stellen zu können, brauchte es natürlich auch Instrumente. Hier unterstützte der Musikverein Neuhausen die junge Truppe, die der Guggenmusik alte Trompeten, Posaunen und Tenorhörner für kleines Geld überließ.
  • Der erste Auftritt: Nach monatelangen harten und streng geheim gehaltenen Proben fieberte die Guggenmusik Bloos-Arsch ihrem ersten offiziellen Auftritt entgegen. Beim Bütteng’schwätz der Narrenzunft feierten die Bloos-Ärsch an der Fasnet 1979 ihre Premiere. Die Überraschung ist gelungen und die Musiker hatten Blut geleckt. Von da an tingelten sie von Fasnachtsveranstaltung zu Fasnachtsveranstaltung. „Wir haben in der Zeitung nachgeschaut, wo Fasnachtsbälle sind und da sind wir dann einfach hingefahren. Ohne Anmeldung“, erinnert sich Michael Joos. Nach der Fasnet hat Peter Fichter Klinken geputzt und viele weitere Mitglieder für die Guggenmusik begeistern können.
Die Guggenmusik Bloos Arsch aus Peterzell bei einem Auftritt Ende der 90er-Jahre.
Die Guggenmusik Bloos Arsch aus Peterzell bei einem Auftritt Ende der 90er-Jahre. | Bild: Stefan Zähringer
  • Die Kostüme: Natürlich braucht eine Guggenmusik auch ein einheitliches Outfit. Das erste Kostüm war ein schwarzer Anzug a la Blues Brothers. Später folgten bemalte Kartoffelsäcke („die kratzten wie verrückt“) und Panzerknacker, bevor sich die Bloos-Ärsch in Wikingerkostüme steckten. Über viele Jahre war dies das Markenzeichen. Anfang der 2000er Jahre wurde das Wikinger- von einem Römerkostüm abgelöst. Aktuell präsentieren sich die Musiker als mittelalterliche Kreuzritter.
  • Reine Männerdomäne: Bis heute bestehen die Bloos-Ärsch ausschließlich aus Männern. „Das ist ein bisschen historisch begründet“, so Michael Joos. In den Anfangsjahren durften keine Frauen ins Bloos-Arsch-Häs. Später, als die Mitgliederzahl etwas rückläufig war und die Guggenmusiker sich liberaler zeigten und Frauen die Möglichkeit gaben, bekamen sie eine gehörige Abfuhr. „Aber seit 20 Jahren haben wir keine Nachwuchsprobleme mehr“, so Joos.
  • Der Bekanntheitsgrad: Mit ihrem Namen, ihren auffälligen Kostümen und ihrem musikalischen Auftreten haben Bloos-Arsch in den vergangenen 40 Jahren einen hohen Bekanntheitsgrad erreicht. Längst spielen sie nicht mehr nur auf Fasnachtsveranstaltungen in der Region. Auftritte in der Schweiz gehören ebenso zum Portfolio wie regelmäßige Einladungen zum großen Guggenmusiktreffen nach Schwäbisch Gmünd. Dort wurden die Bloos-Ärsche bereits mehrfach zum besten Stimmungsmacher gekürt.
  • Zusammenhalt der Truppe: Marcel Bürkle ist eines der jüngsten Mitglieder der Guggenmusik Bloos-Arsch. Er ist erst dieses Jahr dazu gestoßen und freut sich auf seiner erste Fasnachtssaison als „Gugger“. Bürkle ist begeistert von der Gemeinschaft innerhalb der Truppe. „Ich habe mich selten als der Neue gefühlt“, so Bürkle. „Das, was man bei den Auftritten sieht, ist das, was in der Gruppe passiert.“
So sah die Gruppe noch 1985 aus.
So sah die Gruppe noch 1985 aus. | Bild: Stefan Zähringer
  • Das Festival: Das Guggenmusiktreffen „Festival der schrägen Töne“ findet am Wochenende vom 13. bis 16. September auf der Festwiese direkt an der B 33 in Peterzell statt. Der Ticketvorverkauf für Freitag, beziehungsweise das Kombiticket für Freitag und Samstag beginnt am Samstag, 24. August, um 10 Uhr in der Sängerhalle in Peterzell.