Der Rote Löwen ist jedem in der Stadt ein Begriff – den Bezug zu dem historischen Gebäude haben die St. Georgener aber längst verloren. Er fristet seit Jahrzehnten ein Schattendasein, steht halt da, eine reine Gewöhnungssache.

Wohl kaum jemand hätte gedacht, dass die Begriffe Schmuckstück und Roter Löwen noch mal in einem Satz fallen werden. Viel mehr hätte man mit Umschreibungen wie "Schandfleck", "Zerfall" und "Abriss" gerechnet. Und in der Tat, es wäre nicht mehr weit, bis das Gebäude aus dem Jahr 1866 genau an diesen Punkt gekommen wäre. Nicht zuletzt zeigt die Nutzungsuntersagung aus Brandschutz-Gründen, wie dringend es ist, dass in dieser Sache gehandelt wird.

Die Stadtverwaltung und die Entscheidungsträger im Gemeinderat haben die Kurve gerade noch so hinbekommen. Für St. Georgen ist das, wenn die Sanierung tatsächlich gelingt, ein absoluter Glücksfall. Ein historisches Gebäude, durch eine professionelle Sanierung schön herausgeputzt, fehlt der Stadt an allen Ecken und Enden. Der Rote Löwen mit seinem Fachwerk, später eventuell durch weitere Akzente in Szene gesetzt, hat das Potenzial, ein Kontrastpunkt zum schrecklichen Baustil der 1970er-Jahre zu sein. Denn genau der ist es, der bisweilen dafür sorgt, dass Leute von außerhalb – Hinzugezogene, Touristen, Tagesgäste – St. Georgen nicht gerade als Perle des Schwarzwalds wahrnehmen.

Diesen Eindruck wird der Rote Löwen alleine nicht ganz ausbügeln. Es ist aber eine angenehme Ergänzung zu dem Programm, dass der Stadt ohnehin bevorsteht. Durch die aufwendige Stadtkernsanierung kommt einiges in Bewegung. Darauf darf sich jeder in der Stadt freuen. Vielleicht haben die Bürger dann irgendwann auch wieder einen Bezug zum historischen Roten Löwen, zu dem man dann viel lieber hin- als wegschaut.