Die Stadt will aus dem Roten Löwen ein Schmuckstück machen. Das große Gebäude im Stadtkern war Thema in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Der Bauhistoriker und Architekt Stefan Blum hat einen genauen Blick auf den Bau aus dem 19. Jahrhundert geworfen. Sein Ergebnis: Eine Sanierung lohnt sich. Und nach diesem ersten Befund will der Gemeinderat genau das auch anstreben. Bürgermeister Michael Rieger informierte auch über das Ergebnis einer Brandschau. "Die Nutzung des Roten Löwen ist nach dieser Brandschau komplett zu unterbinden", sagte Rieger. Man werde die Verträge der Nutzer demnach aufkündigen.

Rathaus im Roten Löwen

Eine Sanierung würde kostspielig werden, soll aber gleich zwei Zwecken dienen. Für die Maßnahme rechnet man mit mehreren Millionen Euro, ein Großteil über Fördergelder finanziert.

Bild: Ganter, Patrick

Unmittelbar nach Modernisierung könnte der Rote Löwen aber zum Übergangsquartier für die Verwaltung werden. Da auch das Rathaus im Zuge der Stadtsanierung leer geräumt werden muss, braucht es diese Alternative. Der Rote Löwen wäre zeitlich also zuerst an der Reihe.

Für die Zeit nach dieser Interimsnutzung soll der Rote Löwen zum sozialen Treffpunkt werden. Alles, was die Stadt an sozialen Diensten anbietet, könnte man hier unterbringen. Ein Veranstaltungsraum unter dem Dach des Gebäudes, eventuell von außen einsehbar und durch Licht in Szene gesetzt, könnte zusätzlichen Reiz ausmachen.

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Bauweise ist eine Chance

Nach Meinung des Experten Stefan Blum sei eine Sanierung des Roten Löwen lohnenswert. "Gerade die einfache Bauweise des Roten Löwen ist eine echte Chance". Günstig komme auch der Sanierungsstau des Roten Löwen, so Stefan Blum. Und weiter: "Nichts ist schlimmer, als wenn ein Gebäude halbsaniert ist." Dem Entschluss des Gemeinderats folgt nun eine Machbarkeitsstudie, die zwischen 30 000 und 40 000 Euro kosten werde. "Ein Restrisiko, dass das Gebäude abgerissen werden muss, bleibt", so Stefan Blum nach seiner kurzen Erstbefundung. Die Gemeinderäte stellten sich geschlossen hinter das Projekt und votierten einstimmig für die Planung. Sie waren sich einig, dass der Rote Löwen stadtbildprägend und deshalb auch erhaltenswert ist.

Das Gebäude des "Roten Löwen" steht seit Jahrhunderten in St. Georgens Mitte. Es hat viele unterschiedliche Nutzungen erfahren.

  • Anfänge im 16. Jahrhundert: Der älteste Nachweis für den "Roten Löwen" stammt aus dem Jahre 1548. Als sogenannte Klosterbannwirtschaft wird er in einer Urkunde erwähnt. Am 5. September 1572 beantragt der Wirt Hans Engelhör, einen Keller bauen zu dürfen. "Damit der Wein im Winter nicht gefriert und im Sommer nicht verdirbt", heißt in dem Buch "Historischer Stadtführer St. Georgen".
  • Ein Haus mit großen Privilegien: Später, bereits Ende des 17. Jahrhunderts, war der "Rote Löwen" ein Gasthaus mit großen Privilegien. So hätten beispielsweise alle Hochzeiten nur in diesem Gasthaus stattfinden dürfen.
  • Andere lehnen sich auf: Im Jahre 1800 haben sich andere Gastwirte über die Privilegien beschwert. Zwar durften beispielsweise Hochzeiten auch in anderen Gaststätten gefeiert werden, an den Löwenwirt musste man jedoch eine Entschädigung bezahlen.
  • Es geht bergab: Im Jahre 1848 verlor der Löwen seine Vorteile. In der Folge ging es mit dem Gasthaus steil bergab.
  • Großbrand in St. Georgen: Beim Großbrand 1865 wurde auch der historische „Rote Löwen“ ein Raub der Flammen, wurde aber ein Jahr später in gleicher Größe mit Brauerei wieder aufgebaut.
  • Als Feuerwehrhaus: In den letzten Jahrzehnten gab es viele Nutzungen. Als Feuerwehr-, Gast- und Kaufhaus. Es diente auch als Begegnungsstätte für Vereinen. (pga)