Im Bad des Musterzimmers habe er schon geduscht, behauptete Reinerio Castano keck. Das war aber auch die einzige Übertreibung, die sich 26 SÜDKURIER-Leser beim Baustellenspaziergang im künftigen Hotel "Federwerk" anhörten. Wegen der Kälteperiode sei der Wasserkreislauf noch nicht in Gang gesetzt, löste der "Baustelleninspektor" den Witz auf.

Sein Publikum staunte derweil über die gediegene Einrichtung in diesem ersten fertig eingerichteten Hotelzimmer; eines von 51 mit verschiedenen Größen aber einem Grundthema. In der Einrichtung soll sich, mit jeweils individuellen Exponaten, St. Georgener Industriegeschichte widerspiegeln. Dabei krönte der Blick ins Musterzimmer eine mehr als einstündige Infotour, die auch Hausherr Daniel Papst begleitete.

Die Besichtigung führte von "St. Raphael" bis "St. Georgen 360 Grad"; von einem der nach den Partnerstädten benannten Vortragsräume, wo die Besucher mit den obligatorischen Schutzhelmen ausgestattet wurden, bis zum rundum verglasten Vortragsraum ganz oben auf dem Dach. Den gibt es derweil noch nicht. Castano schwärmte mittels Folie von diesem in der Region einzigartigen Veranstaltungsraum während des gemütlichen Abtrunks in einem der vier Hotelzimmer im Erdgeschoss.

Zuvor zeigte der "Gästeführer" Baufortschritte und ließ das Publikum seine Fantasie bemühen. Etwa als er in der künftigen Lounge den "wohlbemerkt echten" Kamin andeutete oder augenzwinkernd mal eben über die Tische im Restaurantbereich und die großzügig bemessene Südterrasse wies, wo sich gegenwärtig nur gestapelte Rigipsplatten beziehungsweise hohe Aushubhügel besichtigen lassen. Mancher Leser unternahm die Runde auch aus einer persönlichen TB-Vergangenheit heraus. "Hier habe ich 20 Jahre als selbstständiger Elektriker Maschinen betreut", meinte Gottfried Jäckle beim Blick in die künftige Gästegarage.

Die Handwerker hatten vor der Besichtigung aufgeräumt, betonte Castano. So waren die Laufwege frei. Dennoch war man beim Streifzug treppauf, treppab durch den Baukomplex immer gut beraten, den Boden im Auge zu behalten. Staubbedeckte Schuhe und helle Flecken auf der Kleidung waren ohnehin nicht zu vermeiden.

Viel Platz für Staunen und Gespräche gab es in den Loftwohnungen, aber auch Rästelraten um den richtigen Begriff: Eine Attika-Terrasse schmiegt sich über etliche Metern entlang der bodenhohen Glasfront des riesigen Hauptraumes in Loft 1. Ein Stock höher sind die Wohnungen eher quadratisch geschnitten und der Ausblick in alle Himmelsrichtungen noch grandioser. Bis zur Alb könne man sehen, weiß Katharina Beutter aus früherer Erfahrung. Der bedeckte Himmel und die einbrechende Dunkelheit verhindern den Beweis.

Beeindruckend war der Nachmittag allemal. Daniel Papst empfahl am Ende, für Hotel und Restaurant im Bekanntenkreis zu werben. Die ersten Fans hat er gewonnen. "Es ist kaum zu glauben, dass das mal eine Firma war", schwärmte Rudolf Niedenzu. "Diese grandiose Verbindung von Wohnen und Hotel ist einzigartig in der Region", meinte Endrit Shabani. Auch Katharina Beutter lobte das Engagement der Familie Papst. "Das ist das beste Gebäude der Stadt. Es ist in guten Händen und wird mit viel Feingefühl umgebaut."

 

Hotelprojekt

Das übrig gebliebene Fabrikgebäude der Firma Tobias Bäuerle besteht aus drei Gebäudeteilen verschiedenen Datums. Das Achitekturbüro Wössner und Lechler plante im Auftrag der Familie einen Hotel- und Restaurantkomplex mit vier Loftwohnungen, die vermietet werden. Das 51-Zimmer-Hotel "Federwerk" und das Restaurant "Feinwerk" sollen im September dieses Jahres eröffnet werden.(wur)