24 669. So viele Besucher zählte das Naturbad am Klosterweiher in der vergangenen Saison. Und das, obwohl die Saison wegen der Reparatur der kaputten Stützmauer erst am 21. Juni beginnen konnte. Der Weiher erfreut sich größter Beliebtheit und zieht Badegäste aus der gesamten Region an. Das liegt nicht nur an den günstigen Eintrittspreisen, sondern auch an den zahlreichen Attraktionen, vor allem für Kinder. So wurden 2013 die Sanitäranlagen renoviert und 2017 ein weiteres Spielgerät für den Nichtschwimmerbereich angeschafft, spendenfinanziert durch eine Aktion der DLRG.

Trotz der Bemühungen, den Klosterweiher attraktiv zu gestalten, machen sich einige Stammgäste vermehrt Gedanken um den baulichen Zustand des Naturbades und des Gewässers. So auch Anwohner Tobias Störck. Der 29-Jährige, der zusammen mit seiner Lebensgefährtin gerade ein Haus in der Schillerstraße von Grund auf renoviert, moniert vor allem, dass das Wasser des Weihers seit Jahren trüber wird. "Mittlerweile sieht man ja kaum mehr als ein paar Handbreit", so Störck. Das Wasser sei zwar wärmer als in den vergangenen Jahren, aber auch deutlich dunkler. Außerdem rieche es sumpfiger.

Vom Balkon seines Hauses hat Tobias Störck einen fantastischen Blick auf den Klosterweiher.
Vom Balkon seines Hauses hat Tobias Störck einen fantastischen Blick auf den Klosterweiher. | Bild: Kevin Rodgers

Dieselben Beobachtungen bestätigt eine Frau, die die Sommer ihrer Kindheit am Klosterweiher verbracht hat und mittlerweile mit ihren Enkelkindern zum Baden kommt. "Früher war das Wasser so klar, dass man im Nichtschwimmerbecken die eigenen Füße gesehen hat. Und vom Sprungturm habe ich mich manches Mal nicht heruntergetraut, weil in der Tiefe ein kapitaler Hecht vorbeigeschwommen ist." Der Turm ist seit 2013 geschlossen, weil die Wassertiefe von 3,10 Metern nicht mehr für einen sicheren Betrieb ausreicht. Nötig wären 3,50 Meter. Der Turm selbst ist laut Stadtverwaltung stabil. Er wird nicht abgebaut, weil sich die Stadt eine Reaktivierung des Sprungbereichs offen halten möchte. Dies wäre jedoch nur unter erheblichem finanziellem und technischem Aufwand möglich. Deshalb habe die Stadt in den letzten Jahren lieber in das Hallenbad investiert.

Das Wasser selbst sei, so die Bürgerin, inzwischen angenehm warm, jedoch auch so trüb, dass es nach einer ausgiebigen Runde im See die Badebekleidung dunkel verfärbe. Auch sie wünscht sich, dass der Fokus auf die Wasserqualität gelegt wird. Zudem, fügt sie zum Schluss an, störe sie sich daran, dass ein Provisorium – gemeint sind die Stützpfeiler des Nichtschwimmerbeckens – drohe, zum Dauerzustand zu werden. Die Stadt entgegnet auf Anfrage, dass die Betonstützen laut den Statikern so stabil seien, dass eine weitere Nutzung möglich sei. Zudem seien die neuen Sitzmöglichkeiten von den Badegästen sehr gut angenommen worden. Eine umfassendere Sanierung des Nichtschwimmerbereichs sei vorerst gar nicht notwendig.

Die Stützpfeiler waren ursprünglich als Provisorium gedacht, stießen jedoch auf so viel Anklang, dass die als dauerhafte Sitzgelegenheit bleiben sollen. Hier lassen Nick Weinzierl und Lukas Jerke ihre Beine im Wasser des Klosterweihers baumeln.
Die Stützpfeiler waren ursprünglich als Provisorium gedacht, stießen jedoch auf so viel Anklang, dass die als dauerhafte Sitzgelegenheit bleiben sollen. Hier lassen Nick Weinzierl und Lukas Jerke ihre Beine im Wasser des Klosterweihers baumeln. | Bild: Roland Sprich

Was ist dran an den Klagen über das Weiherwasser? Die mikrobiologische Wasserqualität ist trotz der Trübung nicht zu beanstanden. Seit Jahren bekommt der Klosterweiher eine hervorragende Bewertung durch das Landesamt für Umwelt. Das Amt prüft die Gewässer regelmäßig nach Vorgaben der EU und publiziert die Ergebnisse im Internet. Auch Klaus Lachner, Gewässerwart und Vorsitzender des Angelverein St. Georgen, sieht eine positive Entwicklung der Wasserqualität. Das habe mit dem Biber zu tun, dessen Damm eine Vorklärung des Wassers bewirke. „Auch dem Fischbestand geht es prächtig.“ Dank des Biberdamms werde sogar weniger Schlamm in den Weiher eingetragen. Dass sich die Wassertiefe reduziere habe eine einfache Ursache: "Der Altschlamm ist seit Langem nicht mehr ausgebaggert worden. Das wäre heute ein Wahnsinnsaufwand“, so Lachner.

Das bestätigt auch die Stadt. "Der Klosterweiher wurde zuletzt 1985/86 bei der Generalsanierung ausgebaggert." Das Ausbaggern des Natursees sei ein Millionenprojekt. Die Stadt verweist in diesem Zusammenhang auf die anstehenden Projekte wie die Innenstadt- und Schulsanierung. "Es ist immer noch eine Frage des Geldes. Alles kann man leider nicht auf einmal machen." Nichtsdestotrotz wird die Frage des Ausbaggerns mittelfristig auf der Tagesordnung landen. Die Wassertiefe beträgt aktuell noch um drei Meter.

Und wenn man das Gelände des Klosterweihers das ganze Jahr zugänglich macht? Das hatte Gemeinderat Gerhard Jäckle im vergangenen Sommer angeregt und Kritik erfahren. Der Bürgermeister warnte vor einer Statusänderung, Kämmerer Stephan Fix warnte vor versicherungsrechtlichen Konsequenzen beim eintrittsfreien Zugang ohne Badeaufsicht. Auch sei der Pflegestandard der Anlagen dann nicht zu halten. „Mir ging es darum, in die Diskussion eine Alternative einzubringen“, sagt Gerhard Jäckle. Offene Fragen sieht er beim Badebetrieb auf Eintrittsbasis, der mit starren Öffnungszeiten einhergeht sowie bei den neuen Seeterrassen. Jäckle wirft die Frage auf, was eigentlich Schwimmer daran hindere, von den Terrassen aus ins Wasser zu steigen. "Die Schilder an den Seeterrassen sind eindeutig: „Hineinspringen verboten“, entgegnet die Stadt. Badebetrieb sei nie vorgesehen gewesen. Wer dort hineinspringe, handele auf eigene Verantwortung. Die Stadt hafte nicht, wenn dagegen verstoßen werde. Dies sei auch mit der Versicherung abgeklärt.

Derweil wünscht sich Tobias Störck mehr frischen Wind an Land. "Warum kann man das Gelände nicht länger zur Verfügung stellen", fragt er sich. Die Öffnungszeiten seien zu kurz, das Gelände mit Volleyballfeld, Bolzplatz, Tischtennisplatten und Liegewiese hervorragend als Treffpunkt für junge Leute geeignet. Vor allem im Hochsommer sei außerdem das Schwimmen morgens und abends vor der Dämmerung besonders schön. "Das Freibad könnte auch ohne großen Aufwand mit entsprechenden Angeboten wie Live-Musik oder einer Sommer-Bar belebt werden", sagt Störck. Auch außerhalb der Saison liege das Gelände vor allem im Frühjahr und Herbst ungenutzt brach.

Die Stadt antwortet, dass dies ist aus versicherungstechnischen Gründen nicht möglich sei. Das Gelände sei nicht vom Schwimmerbereich abgetrennt, wenn etwas im Klosterweiher passiere, könne die Stadt haftbar gemacht werden. Deshalb wirbt die Verwaltung um Verständnis, dass eine Öffnung ohne Aufsicht nicht angestrebt ist. Ein weiterer Punkt, der gegen eine Öffnung spreche, sei zudem die Müllbeseitigung. Befürchtungen, dass es zu mehr Schmutz und Lärm kommen könnte, wischt Tobias Störck jedoch beiseite. "Mir wäre es lieber, dass am Klosterweiher was los ist. Nach 20 Uhr herrscht dort heutzutage Totenstille."

Report St. Georgen

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