Was kann der Handel tun, damit die Bergstadt ein attraktives Einkaufsziel bleibt? Diese Frage stellen sich derzeit die Einzelhändler, die sich im Handels- und Gewerbeverein (HGV) zusammengeschlossen haben. Die Herausforderung für viele Händler ist neben dem Onlinehandel auch der Kaufkraftabfluss. Das heißt auf gut deutsch: Viele St. Georgener kaufen lieber auswärts, anstatt sich in den heimischen Geschäften umzusehen und den Handel zu unterstützen.

Dass Handlungsbedarf besteht, ist den St. Georgener Einzelhändlern bewusst. So zitierte Juwelier Guido Eichenlaub bei der Hauptversammlung des HGV am vergangenen Dienstag die Bürgerbefragung des Stadtentwicklungskonzeptes. Demnach sähen nur 19 Prozent der Bürger St. Georgen als attraktive Einkaufsstadt an. „Das ist eine glatte Note fünf.“ Einig waren sich die Gewerbetreibenden in zwei Punkten. Zunächst müsse jeder für sich sein Potenzial besser ausschöpfen. Gleichzeitig müsse jedoch auch das „Drumherum“ stimmen, sagte HGV-Vorsitzender Eduard Henninger. Die Läden müssten wieder interessant gemacht werden.

Was kann also getan werden, um die Kundschaft bei der Stange zu halten? „Die Bereitschaft, hier zu kaufen, ist da“, erinnert HGV-Beraterin Ariane Wilts an die Aktion „St. Georgen pur“. 2015 verpflichteten sich die Teilnehmer, zwei Wochen lang nur in St. Georgen einzukaufen und ihre Freizeitaktivitäten auf ihren Heimatort zu beschränken. 50 ausgefüllte Fragebogen dokumentierten ein Umdenken, aber auch das Fehlen von Spezialgeschäften, so Wilts. Ein Fahrrad-, beziehungsweise Sportgeschäft wurde damals moniert, aber auch ein Geschäft mit Kinderbekleidung.

Immer wieder seien Bürger überrascht, wenn sie feststellen, dass es einen gesuchten Artikel doch in St. Georgen gebe, so Wilts. Das Wissen um das hiesige Sortiment sei zu wenig ausgeprägt, räumt sie ein. Das sehen auch viele potenzielle Kunden so. „Man muss den Leuten doch erst mal klarmachen, wie vielfältig das Angebot überhaupt ist“, fordert eine Bürgerin, die bei „St. Georgen pur“ mitgemacht hat. Deshalb gibt es im HGV bereits die Idee, das Internet zu nutzen, indem man eine Art „Digitales Schaufenster“ einrichtet, eine Art Online-Katalog, der aber eine Frage von Zeitaufwand und Kosten ist. Nicht nur für Leute ohne Online-Fertigkeiten könnte der vor Jahren publizierte Einkaufsführer St. Georgen neu aufgelegt werden.

Bei den Händlern kommt die Idee eines digitalen Schaufensters gut an. „Ich könnte mir eine gemeinsame Plattform sehr gut vorstellen“, erklärt Feinkosthändlerin Angela Hoppe. Ein Onlinehandel käme wegen der Fülle an Produkten und des daraus resultierenden Aufwands zwar nicht infrage. Dennoch sei es sehr wichtig, dass die Kundschaft über das Angebot auch informiert wird. „Die Kunden müssen eigentlich nicht auswärts einkaufen gehen. Sie bekommen hier vor Ort fast alles und vor allem auch eine kompetente Beratung“, so Hoppe. Darüber hinaus beliefere sie manche Kunden auch nach Hause.

Bio- und Feinkosthändlerin Angela Hoppe kann sich gut vorstellen, bei einem digitalen Schaufenster für lokale Produkte mitzumachen.
Bio- und Feinkosthändlerin Angela Hoppe kann sich gut vorstellen, bei einem digitalen Schaufenster für lokale Produkte mitzumachen. | Bild: Kevin Rodgers

Damit wirbt auch die Buchhandlung Haas. „Wenn wir ein Buch nicht vorrätig haben, dann können wir es bis 17 Uhr bestellen, und es ist am nächsten Morgen im Geschäft. So schnell ist nicht mal Amazon“, sagt Seniorchef Siegfried Haas mit einem Lächeln. Der Kunde bekomme zudem kompetente Beratung zu denselben Preisen. Auch die Buchhandlung liefere Bücher und Schreibwaren schon mal an die Haustür. Mit Beratung wirbt auch Martina Elsner für ihr Damenmodegeschäft. „Ich würde eine solche Initiative auf jeden Fall begrüßen“, sagt Elsner. Wie stark die Konkurrenz durch das Onlinegeschäft ist, könne sie nicht beurteilen. Generell sei Marketing und Aktionen wie die Modenschau zum Weltfrauentag am vergangenen Freitag enorm wichtig.

Wie ein solches „Digitales Schaufenster“ aussieht, könne etwa in Staufen bei Freiburg begutachtet werden, sagt Utz Geiselhart, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Südbaden. Eine multimediale Stadtführung mit mehr als 100 Stationen im Bereich Handel und Tourismus gibt es in einer kostenlosen App. Auch für St. Georgen sei ein solches Schaufenster vorstellbar. „Wenn es gemeinsam als Stadt gelingt, ist so ein virtuelles Schaufenster gut“, sagt Geiselhart. Unabdingbar sei die Unterstützung durch die Kommune bei vielen Fleißaufgaben, etwa bei den Aktualisierungen. Ein Verkaufsraum, in dem sich der Kunde wohlfühlt, sowie Personal, das die fachliche Kompetenz mit allen Sinnen ins Menschlich-Mitfühlende ausdehnt, seien Pluspunkte gegenüber dem Bestellen auf dem Tablet-Computer. Dazu müssen in den Läden Serviceleistungen ganz plakativ beworben werden. „Internet und Onlinehandel verschwinden nicht“, so Geiselhart. Besser also, sich dort offensiv zu positionieren. Eine eigene Internetseite müsse mindestens mit Öffnungszeiten, Parkplatzangebot und einer Übersicht über die angebotenen Marken drei Grundinformationen bieten.

Report St. Georgen

Wohin entwickelt sich die Bergstadt? Die SÜDKURIER-Serie „Report St. Georgen nimmt die Leserschaft mit auf eine Reise durch den Heimatort. Der demografische Wandel und der Klosterweiher waren bisher schon Schwerpunktthemen; um Gastronomie, Arbeitsmarkt, Wohnen und mehr geht es in der Folge. Der heutige dritte Teil beschäftigt sich mit dem Handel. (wur)