Der demografische Wandel ist ein Phänomen, bei dem es oft nicht um Bevölkerungsrückgang, sondern um die Veränderung der Altersstruktur geht. Diese Entwicklung ist nicht nur in strukturschwachen Gegenden bemerkbar, sondern ist auch im wirtschaftlich starken St. Georgen. Wie einschneidend die demografische Entwicklung ist, macht auch neue Statistische Jahresbericht der Stadt St. Georgen deutlich. Dort findet sich die voraussichtliche Entwicklung der Bevölkerung bis ins Jahr 2035. Bei einem genaueren Blick auf die Zahlen wird deutlich: Künftig gibt es mehr alte Menschen über 60 Jahre und etwas weniger junge Menschen. Sollte die Prognose zutreffen wird es 2035 in der Bergstadt 13 Prozent oder gut 500 Senioren oder mehr geben, die aus der "Babyboomer"-Generation stammen. Gleichzeitig wird die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter um 771 Personen oder zwölf Prozent abnehmen. Bezieht man die Zahlen auf den relativ kurzen Zeitraum von gut anderthalb Jahrzehnten und die Gesamteinwohnerzahl, wird die Dynamik der Entwicklung deutlich: Die Gesellschaft wird älter.

In den nächsten Jahren gehen die geburtenstarken Jahrgänge der "Babyboomer"-Generation in Rente. Der Anteil der Senioren steigt, der Anteil der Menschen im erwerbsfähigen Alter sinkt. Die Gesamteinwohnerzahl von St. Georgen bleibt der Prognose zufolge relativ stabil.
In den nächsten Jahren gehen die geburtenstarken Jahrgänge der "Babyboomer"-Generation in Rente. Der Anteil der Senioren steigt, der Anteil der Menschen im erwerbsfähigen Alter sinkt. Die Gesamteinwohnerzahl von St. Georgen bleibt der Prognose zufolge relativ stabil. | Bild: Schönlein

Das hat Folgen für den Arbeitsmarkt. Bereits heute fehlen laut der Gewerkschaft Verdi allein in Baden-Württemberg 21 000 Pflegekräfte. Was heute schon in der Pflege gilt, wird künftig auch im Gewerbe gelten: Wenn immer weniger Kräfte auf dem Arbeitsmarkt verfügbar sind, wird sich der Wettbewerb um die besten Köpfe verschärfen. Da geht es nicht nur um Akademiker, sondern vor allem auch um Facharbeiter und Handwerker. Deshalb muss die Stadt der Zukunft nicht nur für Senioren, sondern vor allem auch für junge Menschen attraktiv sein. Wohnen, Bildung, Freizeit und Einkaufsmöglichkeiten sind die beherrschenden Themen für junge Familien. Auch für Senioren wird das Thema Nahversorgung noch wichtiger. Zu Fuß erreichbare Lebensmittelmärkte, Arztpraxen und Geschäfte. Barrierefreie Gehwege ohne Stolperfallen sind nicht nur für alte Menschen, sondern auch für junge Eltern mit Kinderwagen wichtig. Außerdem wird das Thema Stadtverkehr und Mobilität im Alter drängender. Wie kommen die Menschen auch ohne Privatauto aus abgelegenen Stadtteilen flexibel und kostengünstig in die Innenstadt?

Die Prognose, deren Daten vom Statistischen Landesamt Baden-Württemberg stammen, hat auch einen positiven Aspekt. Sofern die Schätzung zutrifft, wird sich der Rückgang der Einwohnerzahlen deutlich verlangsamen. Hat die Stadt seit 1974 durchschnittlich 63 Menschen pro Jahr verloren, sollen es in Zukunft nur noch durchschnittlich knapp 19 Personen jährlich sein. Die Stadt würde damit bis 2035 noch einmal 380 Menschen verlieren, die absolute Einwohnerzahl sich etwa bei der Marke von 12 500 Menschen bewegen.

Aktuell leben laut Statistischem Jahresbericht 2017 13 025 Menschen in St. Georgen, das sind zwar zehn mehr als 2016, jedoch auch gut 2 800 Menschen weniger als vor 44 Jahren. Die meisten Einwohner hatte St. Georgen nach den Eingemeindungen der fünf Teilorte zwischen 1972 und 1974. Damals lebten 15 852 Menschen auf dem Gemeindegebiet der Bergstadt. Seitdem ist diese Zahl kontinuierlich gesunken.

Report St. Georgen

Wie präsentiert sich die Stadt in Kernbereichen, wohin entwickelt sie sich? Die neue SÜDKURIER-Serie "Report St. Georgen" nimmt mit auf eine Reise durch ihren Heimatort. Arbeitsmarkt und Wohnen, Freizeitmöglichkeiten, Events und "kleine" Kultur, Vereine, Stadtentwicklung, Einzelhandel oder Straßensanierungen: Auf den Prüfstand kommen Themen, die Generationen übergreifend interessieren. (wur)